Betriebssport-WM auf Mallorca: Mehr als Bürostuhlrennen

Die Insel empfängt vom 1. bis 4. Juni über 5.000 Teilnehmer der ersten Firmensport-Weltmeisterschaft

28.05.2016 | 01:00
Schwimmen wird nur eine von 25 Disziplinen sein, in denen sich die Teilnehmer aus aller Welt auf Mallorca messen.

Es ist ein gewaltiges Projekt, das sich Jaime Illana und seine Mitstreiter da aufgehalst haben: Der Präsident der balearischen Firmensportvereinigung AIDEB und Francisco García, der im internationalen Firmensportverband sitzt, haben am lautesten „Hier" geschrien, als es um die Frage ging, wo die erste Weltmeisterschaft, die World Company Sport Games, über die Bühne gehen sollte. Die mallorquinische Kandidatur überzeugte die Jury bei einem Kongress im vergangenen Jahr. Gemeldet hatten sich außerdem noch ein Ort in Italien und eine Region in Slowenien.

Die Krux an der Sache ist, dass die Vorbereitungszeit für die Weltmeisterschaft deutlich kürzer war als geplant. Denn eigentlich hatte schon vor zwei Jahren Griechenland als Gastgeber festgestanden. „Damit sollte zur Premiere der World Company Sport Games der Wiege der Leichtathletik und der Olympischen Spiele eine kleine Hommage zuteil werden", erklärt Jaime Illana. Doch aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit in der Ägais entschieden sich die Verantwortlichen anders und schrieben den Wettbewerb erneut aus.

Nun haben Illana und García in Rekordzeit und mithilfe der Organisation Cesiba, die sich auf den Balearen um die Betreuung von Behinderten kümmert, eine Veranstaltung auf die Beine gestellt, die nach Superlativen klingt. Allein die Teilnehmerzahl von rund 5.200 Betriebssportlern aus aller Welt stellt die Infrastruktur im Südwesten der Insel auf die Probe. Denn nahezu alle Teilnehmer werden auf dem Gemeindegebiet von Calvià unterkommen, die große Mehrheit von ihnen in Magaluf. Die Hotels wurden zum Glück allesamt bereits im vergangenen Jahr gebucht.

Unter den internationalen Teilnehmern, von denen rund 1.200 aus Deutschland sowie je 1.300 aus Frankreich und Spanien kommen, finden sich auch große Firmen. Aus Deutschland reisen etwa Mannschaften des Pharmakonzerns Roche Diagnostics an, der in Deutschland an mehreren Standorten vertreten ist. Auch ein Team der Landesbank Baden-Württemberg hat sich für Fußball auf dem Kleinfeld angemeldet. Aus Frankreich wird unter anderem eine Abordnung des Versicherungskonzerns Generali erwartet, vom spanischen Festland kommt ein Team des Mineralölgiganten Repsol.

Doch, so Illana, man solle nicht glauben, dass da „einfach nur ein paar Angestellte" verschiedener Firmen gegeneinander kicken oder sich etwa beim Schwimmen messen. „Unter den Teilnehmern gibt es zahlreiche frühere Profisportler, die nach ihrer aktiven Karriere nun den Sprung in ein privates Unternehmen gemacht haben", sagt Illana. So schaue etwa auch der ehemalige Basketballprofi Roger Esteller vorbei, der in den 90er-Jahren einer der bestimmenden Spieler des FC Barcelona war und in der Saison 2001/02 während eines Abstechers zu Pau-Orthez in die französische Liga zum wertvollsten Spieler der Saison in Frankreich gewählt wurde. „Ich bin mir sicher, dass beim Fußball auch einige ehemalige Erstligaspieler dabei sind."

Wie viele Partien die Teams insgesamt an den drei Tagen zu absolvieren haben, weiß Illana gar nicht so genau. Doch der Platzbedarf ist in jedem Fall enorm. Gespielt wird nahezu in allen zur Verfügung stehenden Turnhallen und auf vielen Plätzen der Gemeinden Palma, Marratxí und Calvià. So treffen sich die Basketballer in den Hallen Toni Servera, Toni Pizà, in Pla de na Tesa, in Can Gaspar, in Son Ferriol oder auch in der Halle neben dem Stadion Son Moix. Die Leichtathletik-Wettbewerbe steigen hauptsächlich auf der bestens dafür geeigneten pista de atletismo in Magaluf, und Beachvolleyball wird am Strand von Palmanova gespielt. „Wir haben fast 25 verschiedene Orte aufgetan und für diese Tage reserviert", erzählt Illana.

Illana ist sich im Klaren darüber, dass er die Veranstaltung ohne die Hilfe der Sportverbände auf der Insel und anderen spanischen Regionen nicht durchziehen könnte. „Wir brauchen alleine 100 Schiedsrichter für die verschiedenen Sportarten." Die meisten pfeifen ehrenamtlich, nur in wenigen Sportarten bekommen sie eine Aufwandsentschädigung. Sollte am Schluss wider Erwarten ein größerer Geldüberschuss bleiben, wird er in die Behindertenarbeit von Cesiba fließen. „Aber wir rechnen nicht mit großen Gewinnen", sagt Illana. „Jetzt hoffen wir erst einmal, dass alles klappt. Schließlich ist das hier die Premiere." Die nächste Weltmeisterschaft dürfte im Übrigen in Frankreich stattfinden.

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