Nach dem Abstieg: Was nun, Real Mallorca?

Der Inselclub sinkt in die dritte Liga ab. Das hat weitreichende Folgen

08.06.2017 | 15:53
Nach dem Abstieg: Was nun, Real Mallorca?

Nach 36 Jahren im professionellen Fußball spielt Real Mallorca in der kommenden Saison in der dritten Liga, der Segunda B. Der Abstieg hatte sich während der desaströsen Spielzeit angebahnt und steht seit Sonntag (4.6.) fest. Wie es mit dem Club weitergeht, ist ungewiss. Die MZ hat die größten Fragezeichen zusammengetragen:

Die Eigentümer

Anfang 2016 übernahm ein amerikanisches Dreigespann Real Mallorca. Robert Sarver, Andy Kohlberg - beiden gehört auch der NBA-Club Phoenix Suns - sowie der ehemalige NBA-Profi Steve Nash erwarben die Anteile am Verein vom deutschen Manager Utz Claassen. Bei ihrem Amtsantritt hatten sie verkündet, dass sie Real Mallorca zurück in die erste Liga führen wollen und dafür auch ein langjähriges Investment in Kauf nehmen würden.

Der Abstieg in die dritte Liga ist ein herber Rückschlag für dieses Projekt. Es ist nicht bekannt, ob dieser die Meinung der Eigentümer geändert hat. Andy Kohlberg war das bislang letzte Mal im Mai beim  1:0-Heimsieg gegen Almería auf der Insel. Im Rahmen seines Besuchs erklärte der 57-Jährige, dass er den Club auch im Abstiegsfall finanzieren würde. "Als wir den Club kauften, konnten wir uns nicht vorstellen, dass das Team absteigt. Nun müssen wir positiv nach vorne blicken", sagte er damals.

Der Vorstand

Die neuen Eigentümer machten Maheta Molango zum Geschäftsführer. Gemeinsam mit Sportdirektor Javi Recio verpflichtete er Trainer und Spieler in dieser Saison. Der Kader ließ jedoch jegliche Qualität vermissen. Auch die Verpflichtungen auf dem Wintertransfermarkt schienen planlos. Drei Trainer konnten kein wettbewerbsfähiges Team zusammenstellen. Bei der Vorstellung des aktuellen Coaches Sergi Barjuan gestanden die Verantwortlichen Fehler in der Kaderzusammenstellung ein.

Ginge es nach den Fans, wären Molango und Recio längst entlassen. Nach dem Abstieg am Sonntag verließen die Vorstandsmitglieder fluchtartig das Stadion. Maheta Molango reiste nicht mit dem Team zurück, sondern blieb aus persönlichen Gründen in Madrid. 

Offiziell gab es in der Nacht nach dem Spiel nur ein kurzes Statement auf Twitter vom Verein. "Wir haben es nicht geschafft. Danke, dass ihr uns immer unterstützt habt. Es tut uns leid", heißt es dort.

Der Trainer

Sergi Barjuan hatte die undankbare Aufgabe, das Wunder anzugehen und Real Mallorca in den letzten Saisonspielen zu retten. Das hat der Katalane nicht geschafft. Seine Zukunft ist ungewiss. Ein Abstieg sei in seinen Überlegungen nicht vorgesehen gewesen, antwortete er knapp auf die Frage bei der Pressekonferenz nach dem Spiel.


Die Spieler

Zwölf Spieler aus dem Kader der A-Mannschaft haben für die kommende Saison einen Vertrag. Einige verfügen über eine Ausstiegsklausel im Abstiegsfall. Zudem wird der Verein versuchen, sich von einigen Akteuren zu trennen, um die hohen Gehälter zu sparen. Teams in der Segunda B dürfen 22 Spieler unter Vertrag haben, sechs davon müssen jünger als 23 Jahre alt sein. Im Gegensatz zur zweiten Liga gibt es keine Gehaltsobergrenze.

Der Verein

Durch den Abstieg sind die Arbeitsplätze von 70 Mitarbeitern im Verein bedroht. Die meisten Angestellten werden ihren Job wohl behalten dürfen. Doch die Ausgaben für das Stadion in Son Moix und das Trainingsgelände in Son Bibiloni – samt der neuen Players-Lounge - muss der Verein wohl kürzen müssen. Ob das 23.142 Plätze große Stadion in Son Moix überhaupt in der dritten Liga finanziert werden kann, ist fraglich. Zum Saisonende läuft zudem der Sponsorenvertrag der Iberostar-Gruppe aus, die die Namensrechte hielten.

Aus sportlicher Sicht steigt Real Mallorca doppelt ab. Denn die zweite Mannschaft muss aus der dritten Liga zwangsabsteigen, da keine zwei Teams vom selben Verein in einer Liga spielen dürfen. Den dadurch frei gewordenen Platz könnte ein Viertligist einnehmen. UD Poblense und Santa Eulària aus Ibiza machen sich dadurch noch Hoffnung. Da beide Teams in unterschiedlichen Staffeln spielen, entscheidet der spanische Verband über den Aufsteiger. Bevorzugt werden könnte Poblense, da das Team in den Play-offs weiter als die Mannschaft aus Ibiza kam. Dieser Aufstieg würde wiederrum einen freien Platz in der vierten Liga bringen. Dadurch erzeugt der Abstieg Mallorcas eine Kettenreaktion.
 

Die Finanzen

Zum Ende des Jahres wird die letzte Zahlung aus dem Konkursverfahren des Clubs fällig. 8 Millionen Euro muss der Verein dann stemmen. Um in der nächsten Saison ein konkurrenzfähiges Team um den Aufstieg zu stellen, ist ein Etat von etwa 5 Millionen Euro nötig. In dieser Spielzeit betrug dieser beim Inselclub 11 Millionen Euro.

Sportlich müsste Real Mallorca - wie Atlético Baleares derzeit - in einer der vier Staffeln die Play-offs erreichen und in diesen Entscheidungspartien um den Aufstieg spielen.
 

Die Fans

Hunderte Fans reisten zum entscheidenden Spiel nach Miranda de Ebro und wurden vom Team enttäuscht. Das ganze Spiel unterstützten sie die Mannschaft lautstark. Im Heimspiel gegen Getafe am Samstag (10.6., 20.30 Uhr) sehen die Zuschauer zum vorerst letzten Mal Real Mallorca in der zweiten Liga. Das Fanlager ist gespalten. Einige Fanclubs rufen zum Protest gegen den Vorstand und die Spieler auf. Andere Gruppierungen fordern, das Spiel zu boykottieren.
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