Junge Hüpfer und alte Hasen als Trainer im Profifußball

Während in Deutschland die Gesichter auf der Trainerbank immer jünger werden, setzt man in Spanien weiter auf die Erfahrung von Ex-Profis

10.08.2017 | 09:32
Links: Moreno coacht Real Mallorca. Rechts: Messow (li.) und Baleares-Trainer Armando de la Morena.

So wird man Guardiola

  • Der europäische Fußballverband UEFA schreibt seit 2015 verbindliche Mindeststandards vor. Allerdings bleiben erhebliche Unterschiede.
  • In Deutschland startet der Weg zum Bundesligatrainer über die C-Lizenz. Der Kurs dauert 120 Stunden und kostet je nach Landesverband unterschiedlich. In Sachsen beispielsweise um die 530 Euro. Mit der C-Lizenz dürfen Trainer auf Kreisebene, sprich in den untersten Ligen, coachen. Danach folgen die B- und die A-Lizenz.
  • Im Profi-Fußball darf man erst nach einer 44-wöchigen Vollzeit-Ausbildung arbeiten (1.540 Stunden).
  • Die Trainerausbildung in Spanien ist wie in Deutschland in Stufen unterteilt. Für 850 Euro gibt es nach 205 Stunden die Anfängerlizenz. Damit darf man Jugendteams bis zur U19 auf regionaler Ebene trainieren.
  • Nach der fortgeschrittenen Lizenz und einem Jahr Praxis dürfen die Trainer die Pro-Lizenz angehen. 400 Übungsstunden sind dafür nötig. „Da es nur wenige Interessenten dafür gibt, bieten wir den Kurs in der Regel alle drei Jahre an. Das nächste Mal 2018. Dieses Jahr haben wir 35 Trainer im Anfängerkurs und 28 im fortgeschrittenen Kurs ausgebildet", sagt Pascual.
  • Als Unterschied zu den Lehrinhalten fällt das Unterrichtsfach „Englisch" für die spanischen Trainerlehrlinge auf. „Das ist alles auf den Fußball bezogen. Die Trainer sollen Begriffe wie Torwart, Verteidiger und Dehnen auf Englisch sagen können."

Mirko Slomka hat bei 323 Profifußballspielen als Trainer auf der Bank gesessen, Bruno Labbadia bei 397 und Armin Veh gar bei 633. Alle drei haben Titel gewonnen und Vereine vor dem Abstieg gerettet. Neben einer Menge Erfahrung verbindet sie noch etwas Weiteres: Sie sind arbeitslos. Die deutschen Bundesligaclubs setzen derzeit lieber auf junge Kräfte. Julian Nagelsmann, vor knapp zwei Wochen 30 Jahre alt geworden, führte die TSG 1899 Hoffenheim furios in die Champions League. Domenico Tedesco (31) schaffte mit Aue den Klassenerhalt und wurde prompt vom FC Schalke 04 abgeworben. Spiele, die die zwei Trainer als aktive Profispieler absolviert haben? Null. Erfahrung als Coach eines Profiteams zuvor? Keine.

„Man sieht an den Ergebnissen, dass es funktionieren kann", sagt Patrick Messow, Sportdirektor vom mallorquinischen Drittligisten Atlético Baleares. Mit 27 Jahren gehört er selbst noch zur jungen Garde. „Die jungen Trainer haben ein klares Konzept. Zudem sind sie unbekümmert, haben Bock auf den Job und Hunger auf Erfolg. Das kann den älteren Kollegen nach vielen Jahren im Amt schon mal fehlen." Der Trend, so Patrick Messow, ist auch durch eine bessere Trainerausbildung bedingt (siehe Kasten).

Erfahrungen als Profispieler sind nicht notwendig, waren aber früher bei den Clubs gerne gesehen. In Spanien werden heute noch bevorzugt ehemalige Fußballer engagiert. „Die Vereine suchen bekannte Gesichter, die die Leute kennen", sagt Messow. Ein Beispiel ist Real Mallorcas neuer Trainer Vicente Moreno, der 124 Spiele in den beiden höchsten spanischen Ligen absolviert hat. Man habe einen erfahrenen Mann gesucht, der die Liga kennt, erklärte Manager Maheta Molango bei dessen Vorstellung.

Diesen Gedankengang kann auch Jesús Pascual bestätigen. Er leitet in Palma eine von 23 Trainerschulen des spanischen Verbandes. „In den vergangenen zehn Jahren hat es nur einer unserer Trainer in den Profibereich geschafft. Das ist Mallorcas ehemaliger Kapitän Pep Lluís Martí beim Zweitligisten Tenerife. Die anderen waren keine Profis und arbeiten nun in der vierten Liga." Pascual selbst hat seinen Trainerschein auf Mallorca gemacht: „Das war 1998 gemeinsam mit Ernesto Valverde, der zuvor auch für Mallorca gespielt hatte. In der kommenden Saison trainiert er den FC Barcelona."

Dass es auch in Spanien mit einem unerfahrenen Trainer klappen kann, will Patrick Messow beweisen. Der neue Coach von Atlético Baleares, Armando de la Morena, war weder Profispieler, noch hat er ein Profiteam trainiert. „Dafür hat er sich 16 Jahre lang in der Jugendabteilung von Atlético Madrid bewährt", erklärt Messow seine Entscheidung. „Der Trend geht zu immer jüngeren Spielern. Da halte ich einen Trainer mit Erfahrung im Umgang mit Jugendspielern für besser."

Aber sind die jungen Trainer auch gewappnet, sportliche Krisen zu meistern, wie sich etwa Frank Wormuth, Chefausbilder des DFB, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa fragte? Patrick Messow sieht das gelassen. „Das hängt auch vom Kader ab. Am Ende entscheidet die Qualität des einzelnen Trainers." Auch dem 27-Jährigen ist schon sein Alter vorgehalten worden – etwa wenn er Kündigungen ausgesprochen hat. „Wenn ich einem Spieler erkläre, dass seine Leistung nicht mehr für das Team reicht, ist das eine verständliche Reaktion", sagt Messow, „das nehme ich aber nicht persönlich."

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