12. Mai 2011
12.05.2011

Von Cala Sant Vicenç nach Alcúdia und zurück: Eine Insel will genossen sein

Mit der MZ Mallorca erradeln, Teil VI und Schluss: Geruhsam

21.04.2011 | 03:00
Energy-Food auf mallorquinisch: Caroline Guldner kredenzt ihrem Tour-Gast ein Picknick

Cala Sant Vicenç im Nordwesten der Insel ist eine der ruhigsten Ecken auf Mallorca. In der Vorsaison hört man hier und da einen Vogel pfeifen und ein Schäfchen mit seinen Glöckchen klingeln, aber das war´s dann auch schon. „Deswegen haben wir uns hier oben niedergelassen", erzählt Caroline Guldner. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Stephan Conradi hat die 30-jährige Deutsch-Holländerin vor knapp drei Jahren das Abenteuer Mallorca gewagt und ein Unternehmen namens „atemrausch" gegründet. Das Paar bietet von Mai bis Oktober geführte Rad-, Schnorchel- und Tauchtouren, Kajak-Ausfahrten und Wanderungen an.

Wir bleiben beim guten alten Drahtesel und schwingen uns auf ein hochwertiges Kalkhoff-Trekkingrad. „Wir kaufen inzwischen nur noch deutsche Räder, weil die meisten Kunden auch Deutsche sind. Die schauen auf Qualität", sagt Guldner und fährt schon mal voraus in Richtung Alcúdia.

Wir nehmen die kleine Stichstraße, die Cala Sant Vicenç an die Hauptstraße zwischen Pollença und Port de Pollença anschließt und überqueren diese, um auf einem kleinen Feldweg durch die „Gärten Mallorcas" weiterzufahren. Es geht an Feigen- und Mandelbäumen vorbei, an kleinen Fincas und über einen Bachlauf. Eine Idylle, die auch die Gäste von „atemrausch" immer wieder verzückt. „Da wir mit sehr kleinen Gruppen bis maximal zwölf Personen fahren, bekomme ich das Feedback der Touristen immer sofort mit. Es ist schön, wenn die sich dann über die Landschaft freuen", sagt Guldner. Sie ist inzwischen schon ein bisschen heimisch geworden in dieser Ecke von Mallorca. Auch wenn das am Anfang schwierig war. Ein kleines Unternehmen zu gründen, in einem fremden Land, war eine Herausforderung. Die beiden Absolventen der Sporthochschule in Köln begannen zunächst als Tour-Guides bei Max Hürzeler auf dem Rennrad, wollten sich aber schon immer selbstständig machen.

Guldner und Conradi sehen sich als Genießer, die lieber auch mal eine ruhigere Tour fahren und die landschaftliche Schönheit mit allen Sinnen aufsaugen. Inzwischen überqueren wir die Ma-2202 und fahren weiter auf geteerten Feldwegen. Immer wieder halten wir an und freuen uns an den Blicken auf die Ausläufer der Serra de Tramuntana. An den nächsten beiden Abzweigen halten wir uns links und erreichen nach wenigen Kilometern den Ortseingang von Alcúdia. An der alten Stadtmauer entlang geht es in einem Bogen um die Altstadt herum in Richtung Mal Pas. Der Küstenstreifen hinter dem Villenviertel erweist sich als der ideale Ort für ein mallorquinisches Picknick. Guldner öffnet die Satteltasche und zaubert eine Leckerei nach der anderen auf die Decke. Von cocarroi (vegetarischen Empanadas) über Fuet-Wurst, Oliven und Rotwein bis hin zu galletas und Käse sowie zum Nachtisch getrockneten Pflaumen ist alles dabei, was der Markt in Pollença am Sonntag so hergibt. „Da kaufen wir am Wochenende immer ein, alles frisch, es ist ein Traum", sagt Guldner. Und so schmeckt es dann auch. Auf dem Felsen über dem Meer und mit Blick auf Cap Formentor lässt sich leicht ein Zustand der Glückseligkeit erreichen.

Der Rückweg fährt sich nach der Stärkung fast von allein. Durch Alcúdia geht es auf die Landstraße nach Port de Pollença, die direkt am Meer über einen breiten Radstreifen verfügt. Wir rollen bis kurz vor den ersten Kreisverkehr und biegen links in den Feldweg davor ab. Dort geht es wieder zurück durch die grünen Felder und Gärten nach Cala Sant Vicenç. Etwa 35 Kilometer haben wir geschafft, Tachos besitzen die Räder nicht. „Damit die Leute nicht abgeschreckt werden", sagt Guldner und verstaut die Trekkingräder wieder im Lagerraum.

Weitere Informationen unter www.atemrausch.com

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