13. Januar 2021
13.01.2021
Mallorca Zeitung

Trotz Corona: Sant-Antoni-Stimmung auf Mallorca

Menschenmassen, die in den Inseldörfern dem Heiligen Antonius und den wilden Teufeln zujubeln, wird es in diesem Jahr nicht geben. Der Illustrator Canizales sorgt aber mit einem neuen Audio-Bilderbuch für Stimmung

13.01.2021 | 01:00
Canizales (Mitte) zieht zur Vermarktung seines Buches derzeit mit Antònia Nicolau (links) und den Musikern durch die Inseldörfer.

Wer schon einmal an den Feierlichkeiten zu Sant Antoni in einem der Mallorca-Dörfer teilgenommen hat, der wird sich an den ungewöhnlichen, kratzigen, dumpfen Klang der ximbomba erinnern. Das trommelartige Traditionsinstrument – das übrigens gar nicht so einfach zu spielen ist, da die Töne nur durch Reibung entstehen – gibt um den 17. Januar herum allerorts den Ton an. In diesem Jahr ist bekanntlich alles anders. Wegen der Pandemie haben die Veranstalter sämtlicher Sant-Antoni-Hochburgen auf der Insel das Festgeschehen abgesagt. Zu hören ist die ximbomba dennoch – in einem liebevoll gestalteten Kinderbuch mit Audiozusatz, von dem auch Erwachsene noch einiges lernen können.

Verantwortlich dafür ist der kolumbianische Illustrator Canizales. Seit fast 21 Jahren lebt der Lateinamerikaner auf der Insel. Noch immer ist er von der Kultur der Mallorquiner fasziniert. „Vor allem von der Leidenschaft, mit der sie sich den Feierlichkeiten zu Sant Antoni hingeben", sagt der Mittvierziger. Es ist nicht das erste Mal, dass er an einem Kinderbuch über den Schutzheiligen der Tiere mitarbeitet, der sich Jahr für Jahr gegen die nicht minder populären dimonis (Teufel) behaupten muss. Bereits im Jahr 2017 gestaltete er das Wimmelbuch „Dimonis de Mallorca" mit.

„Mir ist es wichtig, die verschiedenen Elemente der Festkultur zu erklären", sagt Canizales. Anfang 2020 habe er die Idee gehabt, auch die Musikinstrumente einmal in den Vordergrund zu stellen. Das im Dezember erschienene Bilderbuch „Dimonis, on teniu la ximbomba?" („Teufel, wo habt ihr die Ximbomba?") kommt dabei ganz ohne die subtilen politischen oder gesellschaftskritischen Anspielungen aus, die Canizales sonst in seinen Büchern unterbringt. Auch die Teufel sind freundliche Wesen. „Einige kleine Kinder haben Angst vor den dimonis und die will ich ihnen mit dem Buch nehmen", sagt der Illustrator.

Die Geschichte des Bilderbuches (ab 3 Jahren) ist schnell erzählt. Der Heilige Antonius will Stimmung in die Feierlichkeiten zu seinen Ehren bringen, und sucht dazu die ximbomba. Doch die Teufel – sie sind den dimonis der Fiesta-Hochburgen wie Sa Pobla, Manacor, Artà, Petra, Son Servera, Algaida und Capdepera nachempfunden – haben nur die anderen typischen Instrumente zur Hand: den guitarró, das Tamburin und die Geige. Ohne zu viel zu verraten: Es gibt ein Happy End, und die ximbomba taucht letztlich doch auf.

Um sich einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die Instrumente klingen und wie sie zum Sant-Antoni-Feeling beitragen, ist das Buch mit einem QR-Code versehen. Wer ihn mit dem Smartphone einscannt, kann den Original-Instrumenten lauschen. Und nicht nur das. „Ich habe zwar die Struktur der Geschichte vorgegeben, der Text stammt aber von einer Freundin von mir, Antònia Nicolau aus Manacor", so Canizales. Nicolau beschäftigt sich in ihrer Freizeit viel mit den gloses, dem reimenden Singsang, der zu Sant Antoni durch die Straßen schallt, und sorgt gern mit
improvisierten Strophen für Unterhaltung. „Der Text im Buch ist ebenfalls in Reimform geschrieben, auf Mallorquinisch, und um ihn besser nachvollziehen zu können, ist auch er über den QR-Code abrufbar." Als musikalische Grundlage dienen die typischen alten Melodien. „Wir haben mit örtlichen Musikern alles in einem Tonstudio in Manacor aufgenommen, es ist wirklich gut geworden", schwärmt Canizales.

Als klar war, dass Sant Antoni in diesem Jahr nicht stattfinden kann, seien er und Antònia Nicolau zunächst enttäuscht gewesen. „Dann aber dachten wir uns, dass es für die Vermarktung des Buches vielleicht sogar ganz gut ist. So kommt Sant-Antoni-Stimmung trotz Pandemie in die Häuser."

Erschienen ist „Dimonis, on teniu la ximbomba" im Verlag Absorta Editorial (32 S., 13,90 Euro). Es sei das erste Buch seines eigenen Verlages, sagt Canizales stolz. Ein weiteres Projekt ist bereits in der Mache: In der für die kommenden Monate geplanten Reihe „Llum Espurna" sollen beispielsweise die Geschlechterrollen in der Teufelswelt näher beleuchtet werden. Während der Illustrator sich jahrelang mit Dozententätigkeiten, unter anderem an der Fachhochschule für Design in Palma, sein Geld verdiente, begann er erst 2016 damit, über die Vermarktung eigener Kinderbücher nachzudenken. Seitdem hat er weltweit rund 50 verschiedene Bände veröffentlicht. „Ich musste erst einmal verstehen, wie das Verlagswesen so tickt, und nun dachte ich, ich versuche es einfach mal selbst mit dem Verlegen."

Um Werbung für „Dimonis, on teniu la ximbomba" zu machen, ziehen Canizales und Antònia Nicolau derzeit samt Musikern durch die Inseldörfer, unter anderem sind sie am 15. Januar um 17.30 Uhr in der Stadtbücherei von Vilafranca zu sehen und am 20. Januar um 17.30 Uhr im Theater von Algaida.

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