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Mallorca Zeitung

Sophie Mono

Kommentar: Von wegen Fortschritt bei den Frauenrechten!

Die aktuellen Debatten zeugen vom traurigen Dasein des Schutzes von Schwangeren in Spanien, meint Sophie Mono

Auch Minderjährigen soll Abtreibung erleichtert werden DM

Die Änderung des Abtreibungsgesetzes hätte ein Vorstoß sein können, der Spanien international in mancher Hinsicht eine Vorreiterstellung beim Thema Gleichstellung hätte bescheren können. Doch die Diskussion um die verschiedenen Punkte der geplanten Gesetzesänderung steht geradezu sinnbildlich dafür, wie uneinheitlich, ja geradezu widersprüchlich es um die Frauenrechte in Spanien wirklich bestellt ist.

Auf der einen Seite die gesellschaftlich gesehen fortschrittlichen, menschlich gesehen ganz natürlichen Forderungen: nach Menstruations-Krankschreibung, nach einer Senkung der Mehrwertsteuer für Tampons und Binden, nach weniger bürokratischen Hürden für schwangere Jugendliche bei der Abtreibung. Sie passen zur auffallend großen, lauten und salonfähigen Feminismusbewegung im Land. Nicht umsonst steht halb Spanien zum Tag der Frau kopf, und der Kampf gegen geschlechterspezifischer Gewalt ist ein Dauerbrenner in Mainstreammedien und Bildungseinrichtungen.

Auf der anderen Seite die kläglichen Versuche, die mehr als rückständigen Rechte von Schwangeren zumindest ein wenig zu stärken. Hier hinkt Spanien Nordeuropa extrem hinterher. Aktuell müssen Schwangere bis zum Tag der Entbindung arbeiten. Vom Schreibtisch in den Kreißsaal. Juhu, bald dürfen sie eine Woche vor dem Geburtstermin mit ihrem Riesenbauch zu Hause bleiben – statt sechs Wochen vor dem Datum wie in Deutschland. Und auch die Vergünstigung für Hygieneprodukte ist letztlich wegdiskutiert worden. Von wegen Fortschritt – traurig, dass da überhaupt diskutiert werden muss!

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