20. März 2021
20.03.2021
Mallorca Zeitung

"Der achte Platz wäre ein Weltuntergang"

Real Mallorcas Trainer Luis García Plaza spricht über den erhofften Aufstieg in die Primera División

20.03.2021 | 01:00
Luis García Plaza hat im Sommer das Kommando bei Real Mallorca übernommen.

Real Mallorca fegt wie ein unaufhaltsamer Sturm durch die zweite Liga. Mit 60 Punkten sind die Mallorquiner Tabellenführer. Auf dem bisher Erreichten dürfe sich das Team aber nicht ausruhen, mahnt Trainer Luis García Plaza. Den Punkterekord der zweiten Liga stellte Deportivo La Coruña in der Saison 2011/2012 mit 91 Punkten auf. In diesem Jahr verfehlte Valladolid mit 82 Punkten als Dritter die direkten Aufstiegsplätze.

Spielt es sich ohne Publikum leichter?
Im Gegenteil. Der Fußball ist ein Sport für die Massen. Wir brauchen das Publikum und wollen, dass die Fans in die Stadien zurückkehren.

Dann holen Sie weniger Punkte auswärts...
Das ist möglich. Wir haben aber auch vier Heimspiele verloren. Diese Partien hätten wir mit unserem Anhang im Rücken vielleicht noch drehen können.

Die Mallorquiner sind nicht wirklich als glühende Anhänger bekannt.
Das kann ich nicht beurteilen, da ich sie nie als Trainer erlebt habe. Ich war beim vergangenen Erstliga-Aufstieg im Stadion und fand die Atmosphäre wundervoll.

Wie behandelt man Sie auf der Straße?
Mit viel Zuneigung. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass wir schon 60 Punkte geholt haben. Das hätte ich mir nicht erträumen können. Die Saison läuft bislang perfekt. Mit der Betonung auf dem bislang.

Sind Sie zum Aufstieg verpflichtet?
Wir setzen uns selbst unter Druck und gehen jedes Spiel mit voller Kraft an. Als ich eingestellt wurde, hat mir der Vorstand gesagt: „Der achte Platz wäre ein Weltuntergang. Du musst mindestens die Play-offs erreichen. Wenn der direkte Aufstieg drin ist, umso besser."

Kann man einen Absteiger im Fußball mit einem angeknockten Boxer vergleichen?
Wenn er nicht angeknockt wäre, würde irgendwas nicht stimmen. Ich habe ein völlig orientierungsloses Mallorca vorgefunden. Das hat sich im ersten Spiel gezeigt. Rayo Vallecano hat uns vor sich hergetrieben, nachdem sie in Führung gegangen waren. Aber mein Team lechzt nach Erfolg. Es war schon einmal in der ersten Liga und will dorthin zurück.

Ihr Chef, das US-amerikanische Eigentümergespann, ist Zehntausende Kilometer entfernt. Ist das der Traum eines Angestellten?
Daher überlassen sie uns mehr Verantwortung als in anderen Vereinen. Die Eigentümer vertrauen uns. Ich habe zwei Mal mit ihnen gesprochen. Es scheint ein fundiertes Projekt zu sein. Hoffentlich geht es in den kommenden Jahren nach oben – mit mir oder ohne mich.

Was hat Ihnen Robert Sarver gesagt?
Er hat mich beglückwünscht. Nicht für unser Punktekonto, sondern für die attraktive Spielweise, die wir auf dem Platz zeigen.

Zumindest haben Sie eine offenere Art als Ihr Vorgänger Vicente Moreno.
Ich bin ein direkter Typ. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass man sich nicht verstellen kann. Wenn man einen introvertierten Charakter hat, dann muss man den auch zeigen. Wer hingegen eher eine Laberbacke ist, muss halt reden. Ich halte mich an die gesellschaftlichen Normen, beende aber nie ein Gespräch mit dem Gedanken, dass ich etwas verschwiegen oder erfunden habe.

Würden Sie Ihren Erfolg als Trainer gegen eine bessere Spielerkarriere eintauschen?
Nein, ich habe die Zeit genossen. Jeder Fußballer spielt in der Liga, in die er hingehört. Und mit meinem Können war ich halt nur ein Drittligaspieler. Vielleicht hätte es auch für die zweite Liga gereicht. Immerhin war ich Profi und habe sogar in der U16-Nationalmannschaft gespielt.

Damit haben Sie etwas den allwissenden Fußballfans voraus, die meist selbst nie Profis waren.
Ich werfe denen nichts vor. Ich selbst würde mich zwar nicht in anderen Bereichen, sagen wir der Medizin oder dem Ingenieurwesen, einmischen. Das ist aber eben das Großartige am Fußball. Die ganze Welt glaubt, Ahnung zu haben. Die Fans sehen sich auf einer Stufe mit den Trainern.

Warum haben Sie Lago Júnior auf die Bank verbannt?
Es können halt nicht alle spielen. Wenn ich Murilo de Souza aufstelle, fragen mich die Leute, warum nicht Antonio Sánchez spielt. Läuft Sánchez auf, werde ich nach Lago Júnior gefragt. Es wird immer der Spieler verlangt, der gerade nicht auf dem Platz steht. Als Trainer sehe ich das schon als normal an.

Luka Romero ist der neue Messi. Nur Ihnen ist das noch nicht klar.
Das stimmt nicht. Luka hat eine glänzende Zukunft vor sich. Doch er ist zu früh zum Herrenteam hinzugestoßen. Er ist noch nicht fertig ausgebildet. Er kann derzeit noch nicht Stammspieler sein, weil ihm die Erfahrung fehlt. In zwei Jahren wird er es aber sein.

Die Saison mit 42 Spieltagen ist wie ein Marathon scheinbar unendlich lang. Haben Sie überhaupt noch Reserven im Tank?
Ja, weil wir diese Saison einen größeren Kader als gewöhnlich haben. Manchmal kann ich einige Spieler für die Partien nicht berücksichtigen. Sie sind aber notwendig, falls es einen Corona-Ausbruch im Team gibt und wir plötzlich auf sie angewiesen sind.

Geht man ungerecht mit Ihnen um? Sie gewinnen als Tabellenführer und müssen sich dennoch für schwächere Leistungen rechtfertigen...
Das ist auch in der Kabine passiert. Ich musste den Spielern sagen: „Verdammt, Jungs, wir müssen stolz auf das Erreichte sein." Wenn man schlecht spielt und dennoch gewinnt, kann man sich trotzdem freuen. Das ist die Gefahr, wenn man sich an die Siege gewöhnt.

Wie wahrscheinlich ist ein Happy End in Form eines Aufstiegs?
Wir haben derzeit vier Punkte Vorsprung auf die Nicht-Aufstiegsplätze. Zum jetzigen Zeitpunkt sind vier Punkte nichts. Wenn wir ein Spiel verlieren, haben wir die Konkurrenz wieder im Nacken. Bis sechs, sieben Spiele vor Saisonende lassen sich keine Prognosen treffen.

Sie sind in Ihrer Karriere schon mit Levante aufgestiegen...
Und einmal in China. Das fällt oft unter den Tisch. Ein Aufstieg bedeutet ein besseres Gehalt und eine höhere Liga. Das Beeindruckendste ist aber, wie sehr es die Fans glücklich macht. Sie vor Freude weinen zu sehen, ist unbezahlbar.

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