Arbeiten auf Mallorca: "Man kommt nicht des Geldes wegen"

Meist schlechter bezahlt als in Deutschland, aber dafür auf der schönen Insel: Welche Jobs es gibt. Ein Branchenüberblick

22.05.2014 | 15:25
Ob Handwerker, Callcenter-Agent, Reisebegleiter, Makler oder Kellner: Deutsche Arbeitskräfte werden in vielen Branchen auf Mallorca geschätzt
Ob Handwerker, Callcenter-Agent, Reisebegleiter, Makler oder Kellner: Deutsche Arbeitskräfte werden in vielen Branchen auf Mallorca geschätzt

Wenn Firmen auf Mallorca qualifizierte Jobs für deutsche Bewerber haben, stehen sie oft vor einem Problem: Auf der Insel selbst sind geeignete Kandidaten nicht so leicht zu finden. Und mit Bewerbern, die direkt aus Deutschland kommen, haben viele nicht die allerbesten Erfahrungen gemacht. Die Job­suchenden schätzten aus der Ferne oftmals die Rahmenbedingungen falsch ein, sagt Markus Liebscher vom Netzwerk Business de Baleares. Ähnlich urteilt Jobvermittlerin Doris Stangier: „Die Situation hat sich verschärft, viele Firmen wollen überhaupt keine Bewerber mehr aus Deutschland einstellen."

Eine Arbeitslosenquote von 26,7 Prozent auf den Balearen, die die am Dienstag (29.4.) veröffentlichte Quartalsstudie des spanischen Statistik-Instituts für das erste Quartal 2014 ausweist, spiegelt sich ohnehin auch auf dem deutschen Jobmarkt auf Mallorca wider. „Es ist schwieriger geworden", sagt Michael Frein, der seit gut zwei Jahren die Facebook-Gruppe „Jobhilfe Mallorca" betreibt. Viele Angebote seien Saisonjobs, und gerade Neuankömmlinge tappten nach wie vor blauäugig in die Fallen unseriöser Angebote ihrer Landsleute.

Dabei gibt es sie, die Traumjobs für deutschsprachige Mallorca-Residenten, und zwar nicht nur in der viel zitierten Tourismusbranche. 7.801 Deutsche waren im März auf der Insel sozialversicherungspflichtig gemeldet – davon knapp die Hälfte, 3.838, als Selbstständige. Voraussetzung für alle, die langfristig Karriere machen wollen, ist die richtige Mischung aus Berufs­qualifizierung und Sprachkenntnissen – je mehr Spanisch und Englisch Bewerber vorweisen können, desto leichter ist auch ein Quereinstieg möglich. Und wer in beiden Bereichen punktet, kann sich seinen Arbeitgeber aussuchen.

Gerade in der Hotellerie. Die Tourismusbranche steuert auf ein weiteres Rekordjahr zu, neue Hotels eröffnen beinahe im Monatsrhythmus. Fachkräfte mit Sprachkenntnissen sind heiß begehrt, wie zum Beispiel die mehr als tausend Jobangebote zeigen, die in den vergangenen Monaten bei der Hotelfachschule der Balearen-Universität (UIB) eingingen – ihnen stehen 250 Bewerber gegenüber. Vor allem Köche seien gefragt, so Schulleiter José Luis Mateo. Stark nachgefragt sind aber auch Kellner und Rezep­tionisten.

Ganzjährige Verträge seien allerdings die Ausnahme, gibt Sabine Stolz zu bedenken, Empfangs­chefin im neu eröffneten Hotel Cort in Palmas Innenstadt. Derzeit würden in der Branche noch Leute für die Hauptsaison gesucht. Wichtig sei, dass Bewerber ihr Anschreiben auf Spanisch formulierten, auch wenn es sich um ein international oder deutsch geführtes Haus handle.

Obwohl die Hoteliers mit guten Geschäften rechnen, dürfen sich Bewerber vom Gehalt nicht zu viel versprechen – derzeit wird der Tarifvertrag für das Hotel- und Gaststättengewerbe neu ausgehandelt, und große Steigerungen scheinen nicht drin zu sein. Die Monatsgrundgehälter
lagen zuletzt zwischen 1.103 und 1.579 Euro, Zuschläge für Nachtschichten nicht eingerechnet.

Gerade in der Gastronomie wird allerdings vielerorts am Fiskus vorbei bezahlt – dass Mitarbeiter weniger Stunden auf dem Lohnzettel stehen haben, als sie wirklich ableisten und die Differenz schwarz auf die Hand bekommen, ist ein offenes Geheimnis, auch wenn Branchensprecherin Pilar Carbonell auf eine zunehmende Zahl von Kontrollen verweist.

Auch in der Gastronomie seien die Jobchancen jedenfalls sehr gut, sagt Carbonell – „unsere Branche schafft derzeit am meisten Arbeitsplätze". Gerade deutsche Bewerber hätten einen großen Startvorteil – viele Restaurants auf Mallorca werden schließlich von Landsleuten geführt, und da die Deutschen eine der wichtigsten Zielgruppen überhaupt sind, seien Sprachkenntnisse gerade bei Kellnern Gold wert.

Jetzt zum Beginn der Saison sei eine gute Gelegenheit zum Einstieg, betont etwa Carolin Hartmüller vom Restaurant Pura Vida in Cala Figuera, „auch wir suchen gerade". Bewerber dürften aber die Anforderungen nicht unterschätzen – besonders im Fall von Quereinsteigern, die erst noch eingelernt werden müssten. Außerdem brauche es auch in deutschen Lokalen ein Minimum an Sprachkenntnissen, Hartmüller spricht von „Tisch-Spanisch", um sich zumindest ohne Probleme im Team zu verständigen und mit Bestellungen oder Rechnungen klarzukommen.

Dass die wenigsten Bewerber wegen des Geldes, sondern wegen des Umfeldes nach Mallorca kommen, zeigt sich vor allem in der breiten Palette an Saisonjobs. Sie reichen vom Verteilen von Werbezetteln für Großraumdiscos über Aushilfsjobs in der heißen Phase der Sommersaison bis hin zur Anstellung als Animateur bei den großen Reiseveranstaltern. Kost und Logis werden oft gestellt, Michael Frein von Jobhilfe Mallorca rät aber dazu, sich die Rahmenbedingungen genau anzusehen, nicht blind Landsleuten zu vertrauen und sich im Zweifelsfall lieber selbst eine Bleibe zu suchen als in einer übervollen WG zu landen.

Wenig Sorgen machen müssen sich Animateure, die in der Regel bis Januar gesucht werden, zum Teil über Agenturen, zum Teil über unternehmenseigene Castings. Je nach Einsatzgebiet können Bewerber Sportkenntnisse, eine Erzieher-Ausbildung oder ihre Spontaneität in die Waagschale werfen. Da die Unternehmen Flug, Unterkunft, und Verpflegung bezahlen, entspricht die Entlohnung in der Regel aber eher einem Taschengeld.

Da träumen viele schon eher vom einem Job in der Immobilienbranche – allerdings sind hier die Anforderungen besonders hoch. „Wir können inzwischen sehr gut auswählen", sagt Immobilien-Unternehmer Lutz Minkner. Es würden durchaus Leute gesucht, aber eben solche mit besten Qualifikationen. Es sei richtig schwierig, gute Makler zu finden. Daneben gibt es aber zahlreiche weitere Jobs – von Sekretärinnen über Fotografen bis hin zu Computerfachleuten.

Bis zu 60 Prozent seiner rund 40 Mitarbeiter seien im Innendienst tätig, so Minkner. Während hier Festgehälter gezahlt werden – der Unternehmer spricht von 1.600 bis 2.500 Euro netto – arbeiten Makler nach einer Einarbeitungszeit auf Provisionsbasis und könnten im Durchschnitt auf 5.000 bis 10.000 Euro im Monat hoffen, bei freilich je nach Verkauf schwankenden Einnahmen. Quereinsteiger sind in der Branche durchaus willkommen, allerdings seien sich viele Bewerber nicht im Klaren darüber, dass zu dem Job mehr dazu gehöre, als „eine Tür aufzuschlagen".

In der Handwerksbranche tun sich allmählich wieder Möglichkeiten auf, nachdem sich so manche Firma auf Mallorca in den vergangenen Jahren „gesundschrumpfte", wie es Liebscher von Business de Baleares ausdrückt. Es herrsche eine „gute, aber abwartende" Grundstimmung. Da es sich zumeist um kleine Firmen handle, überlegten es sich diese gut, ob sie ihre Personalkosten mit einer neuen Stelle deutlich erhöhen. Gerade die Handwerksbranche kämpfe zudem mit den falschen Erwartungen der Bewerber aus Deutschland. Generell seien hier auf der Insel die Gehälter niedriger und die Arbeitszeiten länger als in Deutschland – das könne man nicht oft genug betonen: „Man kommt nicht des Geldes wegen nach Mallorca".

Jobvermittlerin Stangier rät Handwerkern mit finanziellem Polster und ausreichend Spanischkenntnissen dazu, keine Scheu davor zu haben, sich auf Mallorca selbstständig zu machen: „Wenn sie gut sind, spricht sich das schnell herum." Gerade auf Fincas von Deutschen fielen immer wieder Jobs an, für die Hausmeister nicht genügend Fachkenntnisse mitbrächten.

Weitgehend gedeckt ist dagegen der Bedarf an deutschen Medizinern auf Mallorca. „Die goldenen Zeiten sind sicher vorbei", sagt Ulrich Esser, Geschäftsführer des deutschen Facharztzentrums in Peguera und Santa Ponça, „es gibt eine ausreichende Ärzte-Dichte für die Deutschen". Spezielle Fachrichtungen, die Mallorca-Urlauber in der Regel nicht in Anspruch ­nehmen, hätten es schwer.

Andererseits habe aber auch die Nachfrage von Bewerbern etwas nachgelassen, da sich die Arbeitsbedingungen für Ärzte in Deutschland verbessert hätten, so Esser. In Folge der europäischen Freizügigkeit werden Abschlüsse aus Deutschland in Spanien anerkannt, die sogenannte Homologation durch das spanische Gesundheitsministerium dauert bis zu sechs Monate. Dabei müssen auch Basiskenntnisse im Spanischen nachgewiesen werden. Im staatlichen Gesundheitssystem haben nur Mediziner mit fließenden Sprachkenntnissen eine Chance.

Immer wieder gesucht werden dagegen Bewerber für Telemarketing, Marktforschung oder Kundenberatung – auf Mallorca steht dafür inzwischen der Name Communication Center España 24 (CCES 24), seit der Eröffnung des Callcenters in Palmas Gewerbegebiet Son Castelló wurden hier mehrere hundert Stellen geschaffen. Regelmäßig finden Assessment Center statt. Der Vorteil: Der Job mit dem Headset ist eine der wenigen von der Saison unabhängigen Jobmöglichkeiten. Jahrelang tummelten sich auf Mallorca auch zahlreiche schwarze Schafe, die meisten haben jedoch inzwischen nach Angaben von Branchenkennern das Feld geräumt.

Wer die richtigen Voraussetzungen mitbringt, hat auch im Bereich Marketing und Werbung gute Chancen. „Das Problem ist, dass viele Bewerber überqualifiziert sind", sagt Clemens Heidel von der Agentur media & more. Da es sich bei den meisten Kunden auf der Insel um Mittelständler handle, gebe es in der Regel kein Budget für aufwendige Konzepte. Gefragt seien weniger Teamleiter als vielmehr Grafiker und Programmierer, die den gesamten Produktions­prozess im Griff hätten. Zudem müssten Werbeleute für den Umgang mit Kunden und Druckerei neben Deutsch mindestens auch Spanisch beherrschen. Wie in anderen Branchen auch seien die Gehaltsvorstellungen meistens zu hoch, so Heidel, erwarten könne man 1.200 bis 1.500 Euro netto.

Ein weites Feld eröffnet sich zudem im Bereich aller selbstständigen Tätigkeiten, für die man nur Computer und Internetanschluss benötigt – vom Übersetzer bis hin zum Grafikdesigner. Wenn das Büro auch noch auf der Finca mit Blick auf Tramuntana oder Meer eingerichtet wird, erfüllt sich doch noch das Klischee vom Jobparadies.

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