Kostbares und Kurioses an Sammler mit Herz

08.01.2009 | 01:00
Joachim Goertz in seinem Laden in Campos.
Joachim Goertz in seinem Laden in Campos.

Langsam blättert Joachim Goertz durch ein altes Fotoalbum. Er zeigt ein funkelndes Portrait nach dem anderen und erzählt stolz von seinen "Kindern". Bei einem besonders prachtvollen Exemplar hält er inne und sagt: "Das ist eine Rolex von 1920."

Neben hochwertigen Schweizer Uhren sammelt der gebürtige Kieler alles, was alt ist und Stil hat. Mit der Rolex-Kollektion begann er vor 25 Jahren, doch die Leidenschaft für Antiquitäten ist älter. Sein Vater war Schiffskapitän und brachte ihm von Reisen immer etwas mit. "Das war natürlich spannend", erinnert sich der heute 60-Jährige. So wie das lebensgroße Krokodil, das mit aufgeschlitztem Bauch, elfenbeinweißen Zähnen und einer Zunge aus Holz auf dem Verkaufstisch liegt. "Das war kein Mitbringsel von Papa", sagt Joachim Goertz und lacht. "Das Krokodil habe ich hier auf der Insel gekauft."

Vor dreieinhalb Jahren eröffnete der Norddeutsche in Campos einen Antiquitätenladen und verkauft seitdem im "Tesoro" Gesammeltes aus zwei Leben. Zwei Leben deshalb, weil sein Bruder in der Schweiz vor einigen Jahren gestorben ist - "und er ein noch schlimmerer Sammler war als ich".

So findet man im "Tesoro" neben alten Spielzeug­autos aus Blech zum Beispiel ein Landvermessungsgerät aus Zaragoza von 1920, Art- déco-Stühle mit Rückenlehnen aus Gobelin stehen neben einem rund 50 Jahre alten Louis-Vuitton-Kofferset. Es gibt alte Brillen von Ray Ban, amerikanische Motorrad­lederjacken, antike silberne Bilderrahmen und ein großes (unechtes) Känguru aus Leder, das - ebenso wie das Krokodil - unverkäuflich ist.

Joachim Goertz ist viel in der Welt herumgekommen. Für ein Hamburger Unternehmen arbeitete er 30 Jahre in der Marktforschung und flog regelmäßig nach New York, London und Asien. "Ich habe überall die Flohmärkte abgeklappert und immer etwas mit nach Hause gebracht." So füllte sich nach und nach seine große Altbauwohnung in Hamburg-Altona, mit Art-déco-Tischen, einer riesigen Jukebox und anderen schönen Dingen. Was man in Campos zu sehen bekommt, ist eine Auswahl davon.

Gekauft hat Joachim Goertz das dreigeschossige Stadthaus vor zehn Jahren. "Ich wollte mit 55 Jahren die Kurve kriegen und etwas anderes machen als Marktforschung." Ein Freund wohnte bereits auf Mallorca und drängte, ihn dort zu besuchen. "Aber doch nicht Mallorca!", dachte der Sammler damals. Als er im Alfa Spider über die Insel flitzte, änderte sich seine Meinung und er versprach wiederzukommen. Beim dritten Besuch war die Mallorca-Liebe so stabil, dass er sich das Haus kaufte und zwei Jahre später ganz auf die Insel zog.

Doch das Dolce-Vita-Leben am Strand wurde ihm bald zu eintönig, er suchte sich ein Ladenlokal in Campos, wo er Antiquitäten verkaufen konnte. "Zu dem Zeitpunkt starb auch mein Bruder, und ich musste überlegen, wohin mit seinen Sachen." Er renovierte drei Monate das Stadthaus an der Plaça 7, legte Stuck und den Kamin wieder frei und fertigte aus ehemaligen Haustüren Tische zur Präsentation.

"Ich habe mal eine Feinmechanikerlehre gemacht, allerdings nie in dem Beruf gearbeitet." Das Vergolden und Restaurieren von Möbeln brachte sich Joachim Goertz selbst bei, denn es gab Lieblingsstücke in seiner Sammlung, die arg renovierungsbedürftig waren. Wie der venezianische Stuhl aus dem 19. Jahrhundert mit abgebrochener Rückenlehne. Die Stuhlverzierung hat Joachim Goertz nachempfunden, aus Holz ausgesägt und eingesetzt. "Möbel aufzuarbeiten ist für mich die schönste Form von Recycling."

Zu Anfang versuchte er, das "Tesoro" als Treffpunkt für Sammelfreunde zu etablieren, in dem wechselnde Ausstellungen stattfinden sollten. "Daraus wurde leider nichts, da ich die meisten Ausstellungen mit meinen eigenen Sachen bestückt habe." Zum Beispiel organisierte er eine Schau mit amerikanischen Autokühlerfiguren. Einige der chromglänzenden Exemplare stehen noch auf dem Kaminsims im "Tesoro", viele sind inzwischen verkauft. Die Sammlung entstand aus einer Leidenschaft für alte amerikanische Autos. Joachim Goertz fuhr mal einen Chevrolet von 1957 und reiste für Ersatzteile in die USA. "Zurückgekommen bin ich mit Kühlerfiguren von Chevrolet, Dodge und Pontiac aus den Jahren 1942 bis 1950, die nie auf einem Auto montiert worden waren."

Getreu seinem Motto, nur Dinge zu kaufen, die er selbst schön findet, besucht er noch immer regelmäßig Flohmärkte in der ganzen Welt. Zuletzt war er auf Erkundungstour in Malaysia. Unter den Mitbringseln war auch eine alte Rolex-Uhr. "Auf dem Zwischenstopp in Hamburg hat mir die ein Freund gleich abgekauft."

Tesoro, Plaça 7, Campos, Tel.: 971-65 24 23. Geöffnet Mo - Fr 17 - 20 Uhr und Do - Sa 10 - 13 Uhr.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem

Nicht nur für Mallorca-Freunde: Radio Sol y Mar aus dem Ruhrgebiet

Serie: Die Touristiker - "Dienen ist doch etwas Schönes"

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