Wohnmobile auf Mallorca: Gemeinsam vom Nordkap träumen

Die Insel ist bekanntlich überschaubar. Trotzdem gibt es rund 500 Wohnmobile. Und ihre Besitzer halten zusammen

22.08.2013 | 01:15
Meist haben die Wohnmobil-Besitzer auf Mallorca keine Probleme mehr
Meist haben die Wohnmobil-Besitzer auf Mallorca keine Probleme mehr

Es ist eine eingeschworene Gemeinschaft. Und sie spaltet sich noch einmal auf in zwei Einzelgrüppchen: Camper und Wohnmobil-­Besitzer halten auf Mallorca zusammen, obwohl ihnen ein kleiner Unterschied wichtig ist. Camper sind Menschen, die an ihr Auto einen Wohnanhänger ankoppeln. Die autocaravanistas hingegen besitzen ein Wohnmobil, also ein Fahrzeug, in das die Wohnung gleicht integriert ist.

So erklärt es Uwe Riek. Er ist Deutscher und derzeit Vize-Präsident des Wohnmobil-Clubs Abaces auf Mallorca. Riek ist 60 Jahre alt und lebt seit 44 Jahren auf der Insel. Seine Eltern stammen aus der Gegend von Bonn und sind nach Mallorca gezogen, als ihr Sohn
16 Jahre alt war. Hier arbeitete Riek als Barmann in einer Disco, betrieb eine Surfschule an der Playa de Palma und stellt inzwischen Dartgeräte in Bars auf. Das läuft in der Krise nicht wirklich gut. „Umso mehr Zeit habe ich, mich um den Club zu kümmern und mit dem Wohnmobil herumzukurven", sagt er und lacht dabei.

Riek sitzt zusammen mit dem Präsidenten der Vereinigung, Rafael Borobia, auf seiner Terrasse in Cala Blava. Die beiden unterhalten sich über die mallorquinische Wohnmobil-Szene. 500 Fahrzeuge seien auf der Insel gemeldet, allein 122 Mitglieder habe ihr Club. Und das, obwohl die Mallorquiner eigentlich nicht als Vereinsmeier bekannt sind. Doch Riek und Borobia, der beim Inselrat als Beamter arbeitet, würden auch gut in einen deutschen Kegelclub passen.

Und weil sie so gesellig sind, treffen sich die Wohnmobil-Fans zweimal im Monat. Dann fahren die Mitglieder von Abaces und auch des Caravaning-Clubs ­Mallorca an schöne Orte: Portocolom etwa, Cala Agulla oder Ses Covetes. Um die Dorfbewohner nicht mit ihren großen Fahrzeugen aufzuscheuchen, wird vorher eine E-Mail an den Bürgermeister geschrieben oder gleich angerufen. „Auf Mallorca haben wir kaum Probleme, hier gehen die Gemeinden freundlich mit uns um", sagt Rafael Borobia. Das war nicht immer so, und trotz aller Fortschritte gebe es auf der Insel noch viel zu tun in Sachen Akzeptanz. Auch an der Infrastruktur mangele es. Nur in Inca gebe es eine Service-­Station mit Frischwasser und Dumping-Gelegenheit.

Man interessiere sich in Spanien nicht allzu sehr für die Wohnmobil-Fans, erzählt Borobia. „Die Hoteliers sehen uns als Konkurrenz." Dabei finden nur 600 auswärtige Wohnmobil-Fahrer im Jahr den Weg auf die Insel, die hohen Preise für die Fähre schrecken ab. Immerhin: Im Unterschied zum Festland würden den Caravan-Freunden auf der Insel inzwischen weniger Knüppel zwischen die Beine geworfen.

Es gibt sogar erste Annäherungsversuche. Uwe Riek nennt ein Beispiel aus Son Servera, wo sich die Gruppe Ende Juli traf. Kurz nachdem die Wohnmobile auf einen Parkplatz in Costa dels Pins aufgefahren waren, kam die Polizei. Die Club-Mitglieder überredeten die Beamten, die Wagen dort stehenlassen zu dürfen.

Eine Woche später waren sie wieder in Costa dels Pins zu Gast. Da lief gleich der Umweltgemeinderat auf. Doch der wollte ihnen nichts Böses, sondern bat ­Borobia und Riek in sein Büro, um mit ihnen über einen möglichen festen Standort der Wohnmobile zu sprechen. „In Son Servera hat man verstanden, dass so etwas auch eine Einnahmequelle für einen Ort sein kann. Wir gehen dort essen, kaufen in den Läden ein und besuchen die Bar nebenan", sagt Riek.

Auch in Vilafranca fühlt sich die Gruppe sehr wohl. Dort sei sie jedes Jahr zum Melonen-Fest zu Gast. „Wir dürfen gratis in das Schwimmbad der Gemeinde, und die Bewohner bringen uns Melonen. Wir veranstalten im Gegenzug für die Einheimischen einen Tag der offenen Tür in unseren Wohnmobilen", erzählt Riek.

Und trotz aller landschaftlicher Schönheit der Insel fahren sie auch mal in der Weltgeschichte herum. Allerdings möglichst bedächtig. Die meisten der Club-Mitglieder sind über 50, viele von ihnen bereits pensioniert. „Manche sind dann acht Monate im Jahr unterwegs, von Marokko bis Schweden", erzählt Riek. Die größte Befriedigung eines ­autocaravanistas auf Mallorca sei, einmal zum Nordkap und zurück gefahren zu sein. Das sind immerhin 15.000 Kilometer.

Wenn sie nicht unterwegs sind, stellen die meisten Mitglieder ihre Fahrzeuge auf einem Gelände nahe der Flughafen-Autobahn kurz vor der Abzweigung der Ringautobahn ab. Wer viel Platz hat, bringt es im heimischen Garten unter, so wie Uwe Riek. Von dort aus plant er schon die nächste Tour mit seiner Frau, die auch Wohnmobil-Fan ist. „Wenn dich das einmal gepackt hat, lässt es dich nicht mehr los", sagt Riek und führt zum Abschluss des Gesprächs noch stolz durch sein Gefährt.

www.abaces.org
www.­caravaningclubmallorca.es

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