Von Schminkkunde bis Lauftraining

Wie auf der Insel junge Frauen in Crash-Kursen für den Catwalk und Werbeaufnahmen fit gemacht werden

30.03.2015 | 10:07
Vom Österreicher Dominik Wachta gecoacht: Victoria Belicka (hier in Portocolom), Selina Dulz, Anicca Egger und Diana Raykova (v. li.)

Yulieth Giraldo ist glücklich. Die Spanierin darf bei einer Schuh­präsentation auf einem Laufsteg in der Schuhverkaufshalle von Michaela Hüffer in Santa Ponças Gewerbegebiet Son Bugadelles zeigen, was sie in sieben Tagen auf der Insel im Modelcamp von Petra Lagger gelernt hat. Gekonnt setzt die Gertenschlanke ein Bein vor das andere und genießt zu wummernder Begleitmusik mit Zahnpastalächeln die Blicke der Zuschauer. Dann perlt ihr leise ein „¡Qué guay!" (Wie toll!) über die Lippen.

Petra Lagger ist zufrieden. Insgesamt haben sie und der Personal­-Trainer Patrick „Patty" Schneider „in den vergangenen Tagen sechs Anfängerinnen, die vorher absolut gar nichts konnten, fit gemacht", wie die 47-jährige sagt. Lagger hat selbst jahrelang gemodelt. Jetzt gibt sie ihr Wissen auch auf der Insel an junge Mädels weiter, die einen Teil der Kosten – derzeit sind es 650 Euro – für diese knapp eine Woche dauernde Kurz­ausbildung allerdings selbst aufbringen müssen. Der andere wird von Sponsoren getragen. „Wir machten in einer Finca in Felanitx jeden Tag Lauftraining und Fitness, hatten aber auch Spaß, flogen unter anderem im Heißluftballon oder fuhren mit Quads", sagt Patrick Schneider. Die Mädels erhalten am Ende ein Zertifikat.

Bereits vor zweieinhalb Jahren hatte Petra Lagger die Idee, solche Camps auch auf Mallorca zu organisieren. Nach langer Vor­arbeit wurde ihr „Traum" im Februar Wirklichkeit. Vom 28.4. bis zum 4.5. soll es dann zum zweiten Mal zur Sache gehen.

Es ginge dabei nicht darum, aus den Schülerinnen „Supergirls für Pariser Schauen" zu machen, wie die Ausbilderin weiter ausführt. Ziel des Crashkurses sei vielmehr, ihnen etwa beizubringen, „wie man sich bei einem Designer bewirbt", „wie man mit kleinen Dingen zu großem Erfolg kommt" oder wie die Schmink­utensilien optimal eingesetzt werden können. „Wir versprechen nichts, aber es ist alles möglich", so Petra Lagger. Überhaupt dürste die unüberschaubar strukturierte Branche nicht nur nach perfekt geformten Catwalk-Models, sondern auch nach Gesichtern etwa für Werbefilme. Deshalb achten Petra Lagger und Patrick Schneider zwar auch auf die Maße, sind aber nicht entsetzt, wenn das ein oder andere Mädel fülliger daherkommt. „Für Plus-Size-Models gibt es auch einen Markt", so Schneider. Er und die Berlinerin setzen auf das Gemeinschaftsgefühl ihrer Schülerinnen, die aus verschiedenen Ländern kommen. „Wir spielen niemanden gegeneinander aus, wie das in ´Germany´s Next Top-Model´ mit Heidi Klum auf Pro Sieben gemacht wird, so Lagger. Dennoch: Man verhandele momentan mit TV-Sendern, „ob aus unserem Modelcamp nicht auch etwas fürs Fernsehen werden könnte."

Ebenfalls als Model-Ausbilder auf der Insel zugange ist Dominik Wachta. Der Vorarlberger ist mit seinen nur 31 Jahren schon ein alter Hase im Modelcamp-Geschäft und hat jetzt in Porto­colom im Osten Mallorcas ein Büro eröffnet. Seit 2007 veranstaltet der gelernte Koch und Kellner solche Ein-Wochen-Kurse im Burgenland oder in Tschechien, aber auch auf einer Finca bei Porto Cristo. Er richtet sich vor allem an Österreicherinnen. Je nach Saison und Anzahl der Sponsoren müssen die Teilnehmerinnen – das letzte Modelcamp fand im vergangenen Herbst statt – zwischen 300 und 600 Euro dafür aufbringen. „Wir machen jeweils zehn Models fit, die Crew besteht aus drei bis vier Leuten", sagt Wachta. Alles halte sich im seriösen Rahmen, „Akt­fotos machen wir nicht".

Wachta geht wie Petra Lagger vor, fokussiert sich aber mehr als die Berlinerin auf edle Foto-Shootings mit bekannten Fotografen. „Dafür sind wir auf der ganzen Insel unterwegs." Auch der Österreicher setzt nicht nur auf ideale Maße. „Wichtiger noch ist der Charakter der Models", meint er. Er sei bewusst gegen den im Business grassierenden Magerwahn, weswegen er zu dünn geratene Bewerberinnen rigoros ablehne.

Besonders talentierte Camp-Teilnehmerinnen schickt Wachta in so genannte Model-Contests auf Bundesland-Ebene, die von TV-Sendern wie ORF oder privaten Kanälen übertragen werden. Setzt sich eines von seinen Mädels durch, kann dieses am Wettbewerb „Österreichs nächstes Topmodel" teilnehmen. Wer dort überzeugt, darf zum jährlich stattfindenden „Top Model of the-World"-Contest, der dieses Jahr in Ägypten über die Bühne geht. Auf Mallorca seien bereits mehrere später durchaus erfolgreiche Models von ihm trainiert worden, sagt Dominik Wachta. „Anicca Egger etwa lief bereits mehrfach auf der New-York-Fashion-Week, und Melanie Kogler wurde sogar vom Label Versace in Mailand gebucht."

Von der großen weiten Welt träumt auch Yulieth Giraldo, die in Son Bugadelles Schuhe zeigt. Das elegante Laufen hat sie bei Petra Lagger jedenfalls schon mal gelernt.

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