Die Nachfrage nach käuflichem Sex bei jungen Männern steigt

Nur 14 Prozent der Prostituierten auf Mallorca sind Spanierinnen

09.12.2015 | 16:35
Warten auf Kundschaft an Palmas Straßenstrich

Auch wenn man sich heutzutage via Smartphone-App oder Internetportal im Handumdrehen einen Bettgefährten zum Nulltarif organisieren kann, blüht das Geschäft mit der käuflichen Liebe. Vor allem bei jungen Männern nimmt die Nachfrage sogar zu, ermittelte das spanischen Forschungsinstitut CIS in einer Umfrage - die außerdem ans Tageslicht brachte, dass 24 Prozent der spanischen Männer mindestens einmal in ihrem Leben für Sex bezahlt haben.

Für ihr Buch "Der spanische Freier" hat Julia Gallo, die sich bei der Hilfsorganisation "Medicos del Mundo" mit dem Thema Prostitution beschäftigt, hat sie frühere Studien ausgewertet und Interviews mit Freiern geführt. Das Ergebnis: Es gibt vier Typen von Freiern: die Frauenhasser, die liebe für Sex zahlen als sich auf eine nervige Beziehung einzulassen; die vorwiegend jungen Konsumenten, die teils aus reinem Hedinosmus zu Nutten gehen; die Freunde, die ihre Gespielinnen wie eine Freundin behandeln und immer zur selben gehen; und die Kritiker, die ihren Besuch bei einer Prostituierten im Nachhinein bereuten oder sich nur aus Gruppenzwang dazu hinreißen ließen.

Wie viele Prostituierte es auf den Balearen gibt, kann niemand mit Gewissheit sagen, da es sich nicht um einen eingetragenen Beruf handelt und sich die Frauen entweder in der gesetzlichen Grauzone bewegen oder als Tänzerinnen oder Animierdamen angestellt sind. Einem Bericht aus dem Jahr 2006 zufolge gab es damals auf den Balearen knapp 2.000 Prostituierte, wobei der Großteil in Bordellen arbeitete, etwa 650 in Privatwohnungen und nur rund 90 auf der Straße.

Lesen Sie mehr zum Thema im MZ-Report von 2013: Käufliche Liebe im Wandel

Die Hilfsorganisation "Medicos del Mundo" hat 2014 auf Mallorca gut 1.600 Personen, die sexuelle Dienstleistungen gegen Geld anbieten, betreut - darunter auch 65 Männer und 48 Transsexuelle. Der Großteil der Prostituierten stammt "Medicos del Mundo" zufolge aus Lateinamerika, vor allem aus Brasilien, Kolumbien und der Dominikanischen Republik. Etwa ein Viertel der Frauen kommt aus Osteuropa, gut 20 Prozent aus Schwarzafrika (vor allem Nigeria) und nur 14 Prozent sind Spanierinnen.

Dass die Zahl der Prostituierten rückläufig ist, glauben Verantwortliche der Hilfsorganisation nicht. Vielmer werde käufliche Liebe immer mehr "entörtlicht" und dadurch weniger sichtbar. Viele Kontakte zwischen Prostituierten und Freiern bahnten sich inzwischen übers Internet oder Handy an. Außerdem versteckten sich vermutlich hinter vielen Angeboten, die eigentlich andere Dienstleistungen wie Massagen offerieren, sexuelle Liebesdienste. /sts

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