Vorurteilsfrei durch Palmas Mühlenmuseum

Guides mit Behinderung: Solch gutes Personal stünde auch anderen Museen gut zu Gesicht

30.03.2017 | 18:31
Javier, Carlos, Marta, Juan, Cristina, Lourdes und Mari Carmen vor dem Museum.

Solch gutes Personal stünde auch anderen Museen gut zu Gesicht. Das wenig bekannte städtische Mini-Museum an den Jonquet-Mühlen in Palma wartet mit Guides auf, die man so nicht erwartet. Es handelt sich um geistig Behinderte, unter ihnen Menschen mit Downsyndrom. Seit bereits einem Jahr führen sie kostenlos durch das überschaubare Geviert, in dem seit seiner Eröffnung 2003 Repliken von Inselmühlen aller Art bestaunt werden können. Zusammengetragen hat sie der Verein „Amics dels Molins de Mallorca". Mitunter finden im Museu Molí d´en Garlet auch Sonderausstellungen statt wie Anfang 2016, als der rührige Bastler Gori Mulet einen Einblick in sein Können gewährte (die MZ berichtete).

„Mit Unterstützung können wir alles erreichen, was wir uns vornehmen", freut sich Ana Ramírez, die das Projekt von Amadip-Esment betreut. Die Stiftung beschäftigt Behinderte unter anderem auch in gut laufenden und bei Ausländern beliebten Restaurants in Palmanova sowie im Zentrum von Palma.

Im Mühlenmuseum sind Javier, Carlos, Marta, Juan, Cristina, Lourdes, Mari Carmen und andere Esment-Schützlinge tätig. Dank ihnen ist es möglich, montags bis freitags zu öffnen, wobei jeden Tag ein anderer Guide an die Reihe kommt. Früher konnte man dort nur dienstags und donnerstags jeweils ein paar Stunden hinein.

Die Guides kennen sich inzwischen sehr gut aus und wissen etwa zu berichten, dass es einst 4.000 Wassermühlen und 1.100 Mehlmühlen auf Mallorca gab. Sie können den Besuchern auch sagen, wie lang die Flügel und wie hoch die Türme sind und wie so eine Mühle genau funktionierte. Doch leider verschlägt es bislang nicht allzu viele Besucher in das oberhalb vom Paseo Marítimo ganz in der Nähe des Hard Rock Café gelegene Museum. Wenn nichts los ist, vertreiben sich die Guides vor der Mühle denn auch zuweilen die Zeit in der Sonne, weshalb sie bereits im ganzen Viertel bekannt sind.

„Wir wollen, dass die Menschen kommen, damit wir sie durch die Ausstellung führen können", sagt Mari Carmen. Sie sei stolz, etwas Sinnvolles machen zu können.

Betreuerin Ana Ramírez ist besonders gespannt auf Schulklassen, die sich bislang so gut wie nie in dem Museum blicken lassen. Die Kinder könnten sich dort nicht nur Mühlenwissen aneignen, sondern auch lernen, vorurteilsfrei mit anderen Menschen umzugehen. Wobei das Kinder eigentlich schon von sich aus tun.

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