Mia Julia ist der Hippie vom Ballermann

Die 30-Jährige bringt die Party-Urlauber zum Rasen. Nicht nur, weil sie blankzieht

21.06.2017 | 12:21
Mia Julia bei einem Auftritt im Bierkönig

Sie kann es nicht lassen. Als die Masse um sie herum so dicht zu werden scheint, dass Mia Julia mit ihrem Publikum zu einer Supernova verschmilzt, holt sie ihre Brüste raus. Das Oberteil fällt, die Jungs im Raum schalten auf den „Boah geil"-Modus, die Mädels vergleichen Naturgegebenes, im Facebook-Live-Stream sieht man statt der Künstlerin hochgerissene Arme, rote Gesichter und Lippen, die nach Strohhalmen in Sangria-Eimern schnappen.

Der Auftritt ist zu sexy für Facebook, die Stimmung gerät kurz ins Trudeln und fängt sich in „Mia Julia olé"-Fan­gesänge, wie man sie vom Fußball her kennt. „Der Rekord waren 27 Minuten Sprechchöre", sagt die 30-Jährige, als wir sie und ihren Mann und Manager Peter Brückner am Sonntag (21.5.) nach dem Auftritt im Bierkönig treffen.

Mallorcastyle!

161 Zentimeter von den Sneakers bis zum Cap mit dem Aufdruck „Mallorcastyle" – niemand dreht derzeit mehr am Rad der Partymaschine an der Playa als die Bayerin. Selbst die nicht gerade zimperlichen Kellner im Bierkönig müssen bei einem Mia-Auftritt Pause machen. Sie kommen nicht mehr durch die dicht gedrängte Menge durch.

Mehr als 15 Singles hat Julia Brückner unter dem Künstlernamen Mia Julia seit 2012 veröffentlicht, ihr erstes Album „Frech, laut, sexy" erschien 2015. Mitte dieses Jahres soll das neue Album „Geile Zeit" erscheinen. Mia Julia tritt auf Mallorca-Partys und Großveranstaltungen in Deutschland, Österreich, Luxemburg, Belgien und der Schweiz auf – mehr als 300 Auftritte im Jahr.

Bussis für die Fans

Viermal die Woche findet man sie in der Hochsaison auf der Bühne im Bierkönig oder im Oberbayern. Knapp eine Stunde dauern ihre Gigs wegen der Fangesänge und den Zugaben mittlerweile, „gebucht bin ich eigentlich für eine halbe Stunde", sagt sie. Danach gibt sie meist noch zwei Stunden Autogramme, macht Selfies mit ihren Fans, verteilt Bussis auf die Wangen.

Auch Chantal Graf (20) und Tessa Löhnert (23) aus Ulm lassen sich knuddeln und fotografieren. Nicht nur Männer finden Mia Julia gut. „Ich mag ihre gute Laune, ihre Figur, ihre Art. Bei ihren Auftritten hat man Spaß", sagt Tessa, und Chantal stimmt zu. Dass sich Mia Julia bis 2012 Mia Magma nannte und Erotikfilme drehte, stört sie nicht. „Das ist Vergangenheit, da schaue ich nicht zurück", sagt Tessa.

Porno war einmal

Auch für Mia Julia ist das ein abgeschlossenes Kapitel. Die vergangenen zwei Jahre war sie noch Botschafterin der Erotikmesse Venus. Das müsse jetzt nicht mehr sein, sie mache Platz für andere. Warum zieht sie sich dann überhaupt noch auf der Bühne aus? „Du glaubst gar nicht, wie oft mir Fans sagen, dass ich das doch gar nicht mehr nötig hätte", sagt sie und lacht. „Warum ich das mache? Ich bin halt gerne nackt!" „Du bist exhibitionistisch", wirft ihr Mann Peter ein, der bei den Auftritten am Mischpult steht. „Kann schon sein", antwortet sie. „Ich provoziere durch mein Nacktsein, ich bin ein moderner Hippie. Freie Liebe!", sagt sie mit heiserer Stimme.

Julia und Peter haben sich 2006 kennengelernt. Da arbeitete sie als Friseurin in München, er war im Gebäude nebenan Filialleiter einer Krankenkassenfiliale. Als sein Kollege ihre Kollegin kennenlernen wollte, organisierte man ein Doppeldate. „Seitdem sind wir zusammen", sagt Mia Julia. Drei Jahre habe man eine normale, monogame Beziehung geführt, dann habe sie ihm gestanden, dass sie bisexuell sei. „Er hat dann gesagt, dass ich auf nichts in meinem Leben
verzichten soll."


Die Sache mit der Eifersucht

In einem Swingerclub bekam sie den Namen Mia verpasst, lernte eine Pornodarstellerin kennen und fragte Peter, ob er sich vorstellen könne, dass sie in einem Erotikfilm mitmache. Konnte er, Peter wurde ihr Manager. Wie sieht es mit der Eifersucht aus? „Rein körperlich kann man uns nichts wegnehmen, wir machen alles zusammen. Aber wir sind eifersüchtig, wenn es ums Herz geht", sagt der 38-Jährige.

Die Herzen der Playa-Urlauber fliegen Mia Julia gerade nur so zu, aber: Sie wollen gepflegt werden. Nach dem Konzert gibt es ein „Ritual", wie sie sagt, auf das selbst die schlafentwöhnte Künstlerin nicht verzichten kann: essen.

"Liebe deine Fans!"

Auf der Terrasse des Ca'n Torrat in Arenal bestellt Mia Julia Cola light und das Filet vom Rind. Das heißt, sie versucht es. Immer wieder kommen Fans und bitten um ein Selfie. Ein deutsches Paar bringt ihr Baby mit, Mia steht auf, nimmt das Kind auf den Arm und unterhält sich ein paar Minuten mit den Eltern. Eine kleine Familie im Glück. Dann bittet ein junger Mann Mia darum, kurz mit an den Herrentisch zu kommen. „Na klar", sagt sie. „Liebe deine Fans." Das sei etwas, was sie von Jürgen Drews gelernt habe. Ansonsten würde sie aber wenig mit den gestandenen Stars vom Ballermann verbinden. „Ich machen keinen Schlager, sondern Party-Mucke. Mallorcastyle!"

Mallorcastyle, das sind T-Shirts, Mützen, Autoaufkleber, Kaffee­becher, Kapuzenpullis und ein sogenanntes „Ballermann-Dirndl" – so ganz ohne Ballermann geht es offensichtlich doch nicht. Seit 2014 gibt es Mallorcastyle, die Mode-Linie kam zwei Jahre nach Mia Julias erstem Auftritt im Bierkönig he­raus. „Ich wollte nie singen, eigentlich war ich für ein Musik­video auf Mallorca", sagt sie.

Auf Mallorca daheim

Mit Ikke Hüftgold habe sie gedreht, dann wollte er sie auf der Bühne sehen. „Also habe ich es ausprobiert", sagt sie. Danach sei der Chef vom Bierkönig zu ihr gekommen und wollte mehr. Seitdem fühlt sie sich, wie in ihrem Song, „auf Mallorca daheim".

„Meine Botschaft lautet: frech sein. Vor allem die Mädels – meine Babys! – sollen sich ruhig etwas trauen", sagt sie. Nur asozial werden dürfe man nicht. Asozial sei zum Beispiel, dass man den Fußballer Timo Werner immer wieder in Sprechchören als „Hurensohn" beschimpfe, weil er zugegeben hatte, mit einer Schwalbe einen Elfmeter rausgeholt zu haben. Hört sie bei ihren Auftritten derartiges, schreitet sie ein. „Das ist schon heftig", so Mia Julia. „Da steht schließlich ein Mensch mit einer Seele dahinter, und die Mutter wird gleich mit beleidigt. Einfach mal nachdenken!"

Nicht mit jedem gut Freund

Nicht das erste Mal, dass sie öffentlich gegen respektloses Verhalten Stellung bezieht. 2016 sagte sie eine geplante Co-Moderation auf der Venus-Messe mit Berufsprovokateur Niels Ruf ab, nachdem er einen fragwürdigen Tweet im Zusammenhang mit dem Tod von Roger Cicero abgesetzt hatte.

Pläne machen andere

Wie geht es weiter mit Mia Julia? Am 28. November startet eine Konzerttournee durch 13 deutsche Städte. Das organisieren andere. „Ich mache nicht so viele Pläne", sagt sie. Schließlich habe sie ihre bisherige Karriere auch nicht geplant. Darum sei sie auch so authentisch. Auf der Bühne ausziehen werde sie sich weiterhin, solange der Veranstalter nichts dagegen habe.

Und das Höschen ziehe sie ja so gut wie gar nicht mehr aus. Ihr Mann Peter schaut zweifelnd. „Ich ticke halt wie die Leute hier", sagt Mia Julia.

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Isi Glück
Melanie Müller

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