Peter Zingler ist ein ganz ehrlicher Ganove

Sein Leben ist schon verfilmt, jetzt liest er auf Mallorca aus seinem neuen Buch: Der Ex-Einbrecher und Autor tritt in der Kulturfinca auf

10.07.2017 | 15:05
Lebt lieber ungewöhnlich: Autor Peter Zingler.

Als Peter Zingler im Juli 1985 nach zwölf Jahren in Gefängnissen in Ländern wie Italien, Deutschland, Marokko und Spanien (Marbella) zum letzten Mal entlassen wurde, hoffte er auf wunderbare Zustände. „Doch ich wurde in der Freiheit öfter beschissen als im kriminellen Milieu", so der 73-jährige, 150-fache Ex-Einbrecher und Autor zur MZ. Unter Kriminellen habe es dagegen immer eine „gewisse Zuverlässigkeit" gegeben, „die deswegen wichtig war, weil alle Fehler von der Polizei bestraft wurden". In der Freiheit lernte Zingler: „Eine bessere Welt gibt es nicht." Man müsse halt mit der leben, die man habe.

Dies ist auch die Botschaft von seinem neuen Buch „Vom Tunnel zur Himmelsleiter" (Frankfurter Verlagsanstalt, 24 Euro), dem Nachfolgeband der viel besprochenen Autobiografie „Im Tunnel". Der öffentlich-rechtliche Sender ARD fand das Leben des ehrlich gewordenen Ganoven, der sich auf das Fleddern von Pelz- und Teppichläden spezialisiert hatte, so faszinierend, dass er den Zweiteiler „Die Himmelsleiter" mit Schauspielern wie Chris­tiane Paul, Axel Prahl, und Nikolai Kinski, dem Sohn von Klaus Kinski produzieren ließ.

Darin ist zu sehen, wie der 1944 in Chemnitz geborene Junge bei Pflegeeltern in Köln aufwuchs und als Jugendlicher Messing und Kupfer aus dem zerstörten Köln nach Belgien schmuggelte. Am Samstag (8.7.) läuft der Zweiteiler, der im Februar 2015 erstmals im Fernsehen gezeigt wurde, in Anwesenheit der Hauptperson in der Kulturfinca Son Bauló. Tags darauf liest Peter Zingler einige Episoden aus seinem neuen Buch.

Trotz des rauen Windes, der dem Ex-Knacki in der Freiheit entgegenwehte, gelang es ihm, sich durchzuboxen. Wohin es für ihn gehen könnte, hatte er bereits im Knast erkannt: Kurz bevor er letztmals entlassen wurde, hatte Zingler die literarische Ader in sich entdeckt. Er machte sich einen Spaß daraus, erotische Geschichten für die Zellennachbarn zu Papier zu bringen. Gerade auf freiem Fuß, verkaufte er diese an Männermagazine wie „Playboy" und „Penthouse".

1986 verkauft Zingler dem ZDF ein Drehbuch für die ­Krimiserie „Ein Fall für zwei". Kaum hatte er den Fuß in der Tür, stieg er ganz groß ein im Geschäft mit Drehbüchern. Er schrieb zumeist für die ARD-Krimireihe „Tatort", da­runter auch viele Folgen mit dem legendären Kommissar Schimanski, verkörpert von Götz George.

1988 nahm sich Zingler eine Auszeit und flog nach Jamaika. „Um mal etwas anderes zu machen", sagt er. „Ich schrieb dort Geschichten über weiße Frauen, die sich an schwarze Rastas ranmachten." Zingler blieb neun Monate auf der Karibikinsel, die ihm bereits nach ein paar Wochen „nervig" vorkam, weil er sich als Weißer von den dortigen schwarzen Einwohnern „blöd behandelt" fühlte. Zurück in Deutschland schrieb und verkaufte er weiter TV-Drehbücher. Seine Geschichten wurden aber auch auf großer Leinwand gezeigt, zum Beispiel mit dem Kinofilm „Peanuts – Die Bank zahlt alles".

„Insgesamt habe ich bis jetzt Drehbücher für 78 Filme verfasst", sagt Zingler, der 1993 einen der begehrten Grimme-Preise für das Drehbuch zum ORF-Tatort „Kinderspiel"erhielt.

1999 rief Zingler nach diversen Saunabesuchen in Zeitschriften, für die er schrieb, den „Tod des Schamhaars" aus. „Ich fing an, mich damit zu beschäftigen, recherchierte und entdeckte, dass Frauen sich die Achselhaare zuerst nach dem Ersten Weltkrieg wegrasierten. In den 30er-Jahren folgte dann mit dem Aufkommen der Nylonstrümpfe der Tod des Beinhaars und mehr als 50 Jahre später dann eben, was im Schambereich noch übrig war."

Der Mann, der schon als Vierjähriger „wie ein Rabe" klaute, wie er sagt, kann sich nun als gut situiert bezeichnen. Eine weitere Botschaft seines Buchs ist denn auch die, dass sich Zähigkeit auszahlt. Heute lebt er in Frankfurt am Main, hat sechs Kinder von vier verschiedenen Frauen. Und er ist weiter viel beschäftigt: „Ich arbeite gerade an einem Buch für einen Schweizer ´Tatort´."

Filmvorführung am 8.7. Ab 18 Uhr gibt es Kaffee & Kuchen (5 Euro). Film um 19 Uhr 12 Euro inkl. Pausensnack. Lesung am 9.7. um 19.30 Uhr 12 Euro. Buffet ab 18 Uhr 22 Euro. Anmeldung unter 971- 52 42 06

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