"Fack ju Göhte" ist zu einer Kunst für sich geworden"

Nach drei Filmen feierte im Januar das Musical um einen kriminellen Aushilfslehrer Premiere. Die MZ hat mit Regisseur Christoph Drewitz über die Adaption gesprochen

06.02.2018 | 09:43
Keine "Abziehbilder" der Filmdarsteller: das Ensemble von „Se Mjusicäl" in einer Szene.

Die drei Filme der Reihe „Fack ju Göhte" haben Millionen Kinogänger in Deutschland begeistert. Der Plot: Ein Krimineller nimmt einen Job als Aushilfslehrer an, um an sein unter der Turnhalle verstecktes Diebesgut zu kommen. Mit seiner schroffen Art verschafft er sich bei den Problemschülern Gehör. Die Trilogie wurde im vergangenen Sommer abgeschlossen. Doch damit ist nicht Schluss. Am 21. Januar hat im Münchner Werk7 Theater das Musical „Fack ju Göhte – Se Mjusicäl" Premiere gefeiert. Musical-Regisseur Christoph Drewitz floh nach dem Trubel nach Mallorca. Die MZ traf den 39-Jährigen auf dem Flughafen.

Sie sind direkt nach der Premiere nach Mallorca geflogen. Mussten Sie erst einmal abschalten?
Ich musste fünf Tage runterkommen, ehe es weitergeht. Ich war sechs Wochen für den Aufbau und die Proben in München zuständig. Mein Assistent übernimmt die weitere Betreuung des Musicals. Ich gehe jetzt zu meiner eigentlichen Tätigkeit, zum Musical ,Kinky Boots´ ans Operettenhaus in Hamburg zurück.

Der Film ´Fack ju Göhte´ hat ein junges Publikum begeistert. Diese Altersgruppe geht normalerweise selten ins Theater.
Das stimmt. Aber das Stück ist – wie auch der Film – generationenübergreifend. Wir hatten in den ersten Vorstellungen ein bunt gemischtes Publikum. Uns freut es natürlich, wenn wir Leute ansprechen, die eigentlich nicht theater­affin sind.

Um die jungen Leute anzusprechen, haben Sie gezielt auf Hip-Hop statt auf Balladen gesetzt?
Man hätte das Stück nicht mit dem klassischen Musicalsound versehen können. Das wäre nicht authentisch. Wir wollten den Nerv und den Humor des Films treffen. Das kennt man aus Musical-Deutschland sonst nicht. Man könnte die Musik auch im Radio hören.

Wie macht man eine Geschichte noch einmal spannend, die die Mehrheit der Zuschauer schon kennt?
Man muss der Vorlage schon treu bleiben. Wir wollen die Leute nicht verschrecken, die den Film mochten. Aber wir können im szenischen Bereich mit der Musik einzelne Momente der Figuren tiefer zeichnen und daraus ein Lied machen. Das unterscheidet uns vom Film.

Wird man als Fan der Reihe nicht automatisch dazu gezwungen, Film und Musical ständig zu vergleichen?
Bestimmt, das mache ich auch. Das erledigt sich aber nach ein paar Minuten, wenn man sich darauf einlässt. Einerseits wollen wir nicht ignorieren, dass wir etwas mit dem Film gemeinsam haben. Andererseits sind unsere Darsteller auch sehr eigenständig. Gerade junge Leute sind von ihnen begeistert, obwohl sie nichts mit den Filmdarstellern gemein haben. Unsere Darsteller sind authentisch, damit können sich die Zuschauer identifizieren.

Haben Sie sich vom Filmcast oder Regisseur Bora Da?tekin Tipps geholt?
Nein, wir mussten andere Wege gehen. Nur auf Abziehbilder von den Darstellern im Film zu setzen, wäre falsch. Unser Hauptdarsteller ist ein anderer Typ, hat aber auch auf seine Art und Weise Charme.

Der Film lebt von derben Sprüchen wie ´Chantal, heul´ leise!´ Ist das im Musical ähnlich?
Wir balancieren damit ein bisschen. Es ist auch politisch unkorrekt, was wir da machen. Bei einigen Sprüchen haben wir gedacht: Können wir das wirklich bringen? Aber das ist halt Jugendsprache. ´Fack ju Göhte´ hat eine Akzeptanz geschaffen, ist zu einer Kunst für sich geworden. Einige Sprüche aus dem Film sind mittlerweile Allgemeingut.

Der Europäische Gerichtshof hat in der vergangenen Woche abgelehnt, den Namen des Films als Marke zu schützen. Er sei zu anstößig.
Wenn ein Gericht nichts anderes zu tun hat als das... Ich kann darüber nur schmunzeln. Es werden sich jetzt nicht Tausende Leute ´Fack ju Göhte´ auf das T-Shirt drucken lassen. Das Musical betrifft das nicht. Wir arbeiten mit der Filmfirma zusammen, und unser Titel bleibt bestehen.

Aufgeführt wird das Stück in einem ehemaligen Kartoffellager. Wie kam das zustande?
In München gibt es das sogenannte Werksviertel. Das soll in ein Künstlerviertel umgestaltet werden. Stage Entertainment hat ein Kartoffel­lager vom ehemaligen Gelände des Lebensmittelherstellers Pfanni gemietet. Das Lager haben wir in eine Turnhalle umgebaut, weil im Film unter dieser das Geld vergraben ist. Wir konnten den Saal nach unseren Wünschen gestalten, so haben wir keine Plüschsessel, sondern die Bestuhlung ist wie im Stadion. Wir bespielen auch den ganzen Raum.

Soll ´Fack ju Göhte´ München als Musical-Standort etablieren?
Der Produzent Stage Entertainment versucht seit vier Jahren, ein Haus in München zu eröffnen. Wir sind in Hamburg, Stuttgart, Berlin und im Ruhrgebiet aktiv. Trotz der Größe der Stadt konnte in München nie ein Standort gefunden werden. Mit dem neuen Stück war es nun der richtige Zeitpunkt. Wir wollen den Leuten näherbringen, dass Musicals nicht nur etwas für reiche Leute sind.

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