So frisch wie Champagner

Der Honig des Imkers Martí Mascaro aus Inca ist der einzige auf den Balearen, der das Bio-Zertifikat des Inselrats führt

23.07.2016 | 01:00
 Martí Mascaró und 50 Völker seiner nachhaltigen Bienenzucht auf der Öko-Finca Ses Cabanasses.
Martí Mascaró und 50 Völker seiner nachhaltigen Bienenzucht auf der Öko-Finca Ses Cabanasses.

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  • Martí Mascaró verkauft den „Mel Caramel“ auf Messen in Llubí (November) und in Porreres (April): Preise 1/2 Kilogramm 15 Euro, 250 Gramm 10 Euro. Konventioneller Honig: 1/2 Kilogramm: 7 Euro. Oder in Inca: Tel.: 653-77 65 02.

Der Imker Martí Mascaró (45) aus Inca ist seit fünf Jahren im Besitz des Öko-Zertifikats des Inselrats von Mallorca. Die Bienenzucht betreibt er im Neben­beruf. Für seinen Honig „Caramel“ erhielt er kürzlich die Auszeichnung „Bestes Bio-Produkt des Jahres“. Verliehen wurde diese 2016 erstmals von der Vereinigung der Öko-Hersteller Mallorcas (Apaema). Der Preis beinhaltete Pressekontakte, beispielsweise zum Fernsehsender IB3 und anderen regionalen Medien.

Wie gelingt es, dass die Arbeitsbienen nur Gewächse aus biologischem Anbau anfliegen?
Die Bienenstöcke müssen auf einem Terrain stehen, auf dem Pflanzen ohne chemische Behandlung wachsen. Das garantiert, dass die Bienen keine Herbizide, Pestizide oder Schwermetalle aufnehmen, und diese an den Honig weitergeben. Das Öko-Zertifikat bekommt man nur dann, wenn sich die Stöcke in einem Gebiet befinden, das naturbelassen ist oder ökologisch bewirtschaftet wird. Es muss einen Durchmesser von drei Kilometern haben.

Wo gibt es das auf der Insel?
Vor allem auf großen Land­gütern, die wegen Wassermangel nie parzelliert worden sind. Wie beispielsweise die Finca Ses Cabanasses bei Petra, wo 50 meiner Bienenstöcke stehen. Mit der Finca pública de Son Real habe ich eine Vereinbarung, dass ich dort zwölf Bienenvölker unterbringen kann. Auf dem Landgut Planícia bei Banyalbufar stehen weitere 20.

Erkennt man den Bio-Honig am Geschmack?
Nein, das merkt man nicht. Für den Geschmack des Honigs sind allein Pflanzen verantwortlich, die den Nektar liefern. Bei der biologischen Honigproduktion steht nicht das Produkt an erster Stelle, sondern die art- und wesensgerechte Haltung der Bienen. Dass ihnen chemische Rückstände nicht gut bekommen, liegt auf der Hand. Nachgewiesen ist hingegen, dass Pflanzenvielfalt maßgeblich zu ihrer Gesundheit beiträgt.

Es bekommt ihnen also nicht, wenn US-amerikanische Imker ihre Bienenstöcke mit Lastwagen zu den blühenden Mandelbäumen karren?
Einheitskost ist absolut schädlich, nicht nur für die Bienen. Manche Imker stellen ihre Stöcke für die Gewächshäuser im Gemüseanbau zur Verfügung. Dann bestäuben sie ausschließlich Gurken oder Tomaten. Aber das ist schon wieder etwas aus der Mode gekommen. Die Gemüsezüchter bestellen sich jetzt in Holland Kisten mit lebenden Hummeln. Ist die Blüte vorbei, sterben sie.

Hilft Pflanzenvielfalt auch gegen die Varroa-Milbe, die ja bekanntlich Europas Bienen­bestände dezimiert?
Die Biodiversität ist nur ein Faktor von vielen. Entscheidend ist außerdem, wie stark man die Vorräte der Bienen ausbeutet. Auf der Insel ist beispielsweise der Sommer die härteste Zeit für die abejas, er zehrt an ihren Kräften. Damit sie genügend Kraft haben, diese Zeit zu überleben, überlasse ich ihnen die Hälfte ihrer Honigvorräte. Wenn die ­Tiere gut im Futter stehen, haben sie mehr Abwehrkräfte gegen Krankheiten und sind weniger anfällig für den Befall der Varroa-Milbe.

Es gibt ja auch Vorschriften für ökologische Bienenstöcke ...
Konventionelle Imker können vorgefertigte Wachswaben kaufen, die eco-apicultores nicht. Denn Fertigwaben könnten Krankheitskeime sowie Rückstände von Pestiziden oder Herbiziden enthalten. Ich stelle – gemäß den Vorschriften für Bio-Honig – die Waben aus dem Wachs meiner eigenen Völker her und stanze die sechseckigen Öffnungen maschinell ein. Im Gegensatz zur konventionellen Imkerei befinden sich in meinen Rahmen lediglich zwei Fingerbreit vorgefertigte Waben (Foto links). Der Selbstbau der Waben gehört zu den natürlichen Aufgaben der Bienen und fördert ihre Gesundheit. Das Holz der Bienenstöcke darf logischerweise nur mit natürlichen Mitteln behandelt werden.

Wie schmeckt der Milflores-Honig, den Sie jetzt im Sommer schleudern?
Da ist viel Mandelblüte drin. Aber das ist so eine Sache. Es kann passieren, dass die Bäume auf der Insel blühen, wenn es noch so kalt ist, dass die Bienen nicht ausfliegen können. Auf der Öko-Finca Ses Cabanasses ist die Chance auf Mandelblüten größer. Hier wachsen 500 im Februar blühende Mandelbäume, im März dann 1.500 spätblühende. Gleichzeitig öffnet die weiße Distel ihre Blüten und der Affodill. Beide sind bei Landwirten nicht beliebt, Ziegen verschmähen sie. Wenn der helle Honig jedoch einen spürbaren Anteil des Affodill-Unkrauts hat, schmeckt er so frisch und fruchtig wie Champagner.

Welche Geschmacksnuancen hat der Herbsthonig?
Der Honig von den Blüten des Johannisbrotbaums schmeckt ausgezeichnet. Der Johannisbrotbaum bietet den Bienen Nektar und Pollen. Die meisten Gewächse liefern nur das eine oder das andere. Gleichzeitig blüht das Heidekraut. Der Herbsthonig ist sehr dunkel und schmeckt würzig.

Lohnt sich die Herstellung von biologischem Honig eigentlich finanziell?
Die ökologische Honigherstellung ist nirgendwo rentabel. Schon gar nicht im Klima der Insel. Vergangenes Jahr regnete es im Frühjahr nicht, da konnte ich nur 60 Kilogramm produzieren, die nicht einmal die Spritkosten deckten. Dieses Jahr regnete es im Winter wenig, im Frühjahr dann aber doch noch, und ich kann vielleicht mit 350 Kilogramm Honig rechnen.

Sie produzieren auch konventionellen Honig ...
Ja, in der Nähe von Inca stehen 20 Bienenstöcke, in Sa Canova bei Artà zehn. Hier sind die Bienenweiden nicht ökologisch, die Bienen behandle ich aber genauso nachhaltig wie die anderen.

Was ist drin in dem Honig aus dem Supermarkt?
Auf den Plastikflaschen steht als Produktionsstandort „Spanien“. Aber es genügt, wenn fünf Prozent davon aus Spanien kommen. Viele Imker vom Festland verkaufen ihren Honig in Ländern Nord- und Mitteleuropas, weil sie dort bessere Preise erzielen. Woher der Honig im Supermarkt kommt, weiß niemand. Guten Honig erkennt man übrigens daran, dass er bei niedriger Temperatur kristallisiert.

Wie kamen Sie auf den Namen „Caramel“ für Ihren Honig?
Im Mallorquinischen bedeutet „caramel“, dass es sich um etwas ganz Vorzügliches handelt.

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