Gehäkelte Kraken für die Frühchen auf Mallorca

Die Idee stammt aus Dänemark und überzeugt auch auf Mallorca: mit Tintenfischen Neugeborene beruhigen. Für Nachschub sorgt eine Telefonistin in Son Llàtzer

27.04.2017 | 11:57
Tentakeln als Nabelschnurersatz: Wenn Frühchen den Kraken umgreifen, fühlen Sie sich in den Mutterleib zurückversetzt.

Mitunter sind sie größer als die Patienten selbst: bunte Kraken, die Frühchen im Krankenhaus von Son Llàtzer die ersten Tage und Wochen in der neuen Umgebung erleichtern sollen. Die Tentakel des Tintenfisches erinnern die Babys an die Nabelschnur im Bauch der Mutter. Sie beruhigen sich, wenn sie die gehäkelten Arme des Kraken umgreifen.

Die Idee stammt aus Dänemark. 2013 riet dort eine Krankenschwester dem Vater eines Neugeborenen, einen gehäkelten Tintenfisch aufzutreiben, um die Nabelschnur zu imitieren. Der Mann wandte sich an eine Bloggerin und begeisterte Häklerin, die ihm postwendend einen Kraken anfertigte. Von Dänemark aus verbreitete sich die Idee in Nord- und Mitteleuropa, und nun werden auch in ­Spanien Kraken produziert.

Auf Mallorca hat Julia Acevedo bereits eine ganze Armada von pulpos gehäkelt. Die Telefonistin im Krankenhaus von Son Llàtzer erfuhr durch eine Freundin von dem Projekt. „Ich häkle gerne vor dem Fernseher", sagt Acevedo. Mehr als 40 Kraken hat sie bisher produziert. Alle nach einer genauen Anleitung. Weil die Frühchen durch nicht fachgerechte Kraken in Gefahr kommen können, müssen die Köpfe der Tiere mindestens sieben Zentimeter groß, die Tentakeln zwischen 16 und 22 Zentimeter lang sein. Der Kopf muss mit Baumwolle gefüllt und engmaschig gehäkelt sein, damit die Babys nicht mit den Fingern in die Maschen geraten und sie öffnen. Auch müssen die Tiere bei 60 Grad waschbar sein.

In Son Llàtzer in Palma läuft das Projekt seit einigen Wochen mit Erfolg. Die therapeutischen Effekte der Tintenfische sind erwiesen: Die Frühchen atmen gleichmäßiger, haben einen regelmäßigeren Herzschlag, wenn sie die Tentakeln umgreifen, und im Blut bildet sich mehr Sauerstoff. Hinzu kommt, dass die Babys von den Tentakeln abgelenkt werden und sich weniger oft Versorgungsschläuche herausziehen.

So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich auch in anderen Krankenhäusern auf der Insel kleine Kraken tummeln. „Wir warten noch auf die Erlaubnis der Klinikleitung, wir würden die Idee gerne aufgreifen", sagt der Leiter der Frühchenstation in Son Espases, Juan Carlos Berdeal, der MZ. Wer sich angesprochen fühlt, ebenfalls Tintenfische zu häkeln, findet im Internet unter pulpitossolidarios.es oder bei Facebook „Proyecto Abraza tu pulpo" Informationen und Telefonnummern zur Kontaktaufnahme.

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