Rumba Katxai: Von Natur aus tanzbar

Die mallorquinische Band erfreut sich bei Residenten großer Beliebtheit. Und könnte bald auch in Deutschland Erfolg haben

29.03.2017 | 01:00
International besetzt: die Cumbia-Band Rumba Katxai mit Leonardo (li.) und Gonzalo Zúñiga (re.).

Diesen Krach hält keiner aus, denkt sich der Nachbar, als die Band direkt unter seinem Fenster spielt. Mit einem Nudelholz bewaffnet jagt er die Jungs von Artà über Porreres über die ganze Insel. Bis er selbst dem Sound verfällt und zu tanzen beginnt. Mit dem Videoclip zu „¿Y pa´ke te poni así?" erlangte die mallorquinische Band Rumba Katxai Ende 2014 erstmals größere mediale Aufmerksamkeit.

Vergangene Woche hat die siebenköpfige Band ihr zweites Album „Siembra la semilla" (Pflanz den Samen) veröffentlicht. Es sei durchdachter, erwachsener, sagt Sänger und Gitarrist Leonardo Zúñiga. Aber deswegen nicht weniger tanzbar. Neun Songs sind es am Ende geworden, alle aufgenommen im Tonstudio Alquinia in Palma.

Nach vielen Besetzungswechseln kommen die Mitglieder von Rumba Katxai aus Brasilien, Italien, Spanien und, wie im Fall von Bandleader Zúñiga und seinem Bruder Gonzalo, aus Chile. Eigentlich verrät das schon der Bandname. Katxai, das ist eines dieser ur-chilenischen Wörter, ein chilenismo. Es kann am besten mit „kennst du?" übersetzt werden. Meistens wird es anders geschrieben. Ausgesprochen wird es aber immer katschai.

Seit 16 Jahren lebt Leo Zúñiga in Europa, hauptsächlich in Spanien, von ein paar Monaten in Hamburg einmal abgesehen. Vor zehn Jahren zog er nach Mallorca und fing in einer Firma an, die Sonnensegel herstellt. „Wir kommen aus einer Näherfamilie. Schon von klein auf wussten wir, wie man eine Nähmaschine bedient." Nach einiger Zeit brauchte er Hilfe und holte seinen kleinen Bruder Gonzalo dazu. „Wir hatten eine Gitarre bei der Arbeit dabei. In den Pausen haben wir uns zusammengesetzt und gespielt. So sind die ersten Songs entstanden."

Musikalisch geht die Band in eine Richtung, die gerade in Lateinamerika eine Renaissance erlebt: Cumbia. Das ist ein Rhythmus, der ursprünglich von der kolumbianischen Karibikküste kommt und afrikanische, europäische und indigene Einflüsse aufweist. „Am Anfang war es eine sehr sozialkritische ­Musik. Doch dann geriet sie durch die Kommerzialisierung in diese schäbige Liebeslieder-Richtung, für die sie heute bekannt ist", sagt Zúñiga. Erst in den vergangenen Jahren habe es eine Rückbesinnung auf anspruchsvollere Texte gegeben. Im Fall von Rumba Katxai geht es dabei vor allem um den Respekt vor der Natur.

Rumba Katxai mischt der Cumbia dabei Swing, Reggae, Punk und auch mal Samba bei. Letzteres hat der brasilianische Percussionist Rogerio Santos in den Sound der Band integriert. Aber auch hiesige Klänge wie etwa die katalanische Rumba haben Einfluss auf die Musik der Band. Cumbiafusión nennt sich das Genre.

Kurioserweise findet die Band ihr Publikum nicht so sehr bei der Latino-Community auf der Insel, sondern bei einem ganz anderen Publikum: „Grundsätzlich haben die Deutschen eine Vorliebe für unsere Musik. Wir spielen häufig auf Privatpartys bei Residenten. Es freut uns immer wieder, dass sie lieber unsere Musik hören als irgendeine Coverband, die nur Hits spielt." Ein wenig verwundert sei man auch über die Begeisterung für die Musik von einem anderen Kontinent. „Aber andererseits ist es so leicht wie nie, an Musik aus anderen Ländern heranzukommen. Und Cumbia ist eine Musik, die extrem in die Beine geht. Das macht sie ziemlich zugänglich."

Jetzt will die Band auch in Deutschland groß herauskommen. Seit wenigen Wochen arbeitet sie mit dem auf Mallorca ansässigen Eventmanager Sven Lehmann zusammen. Zweimal hat Rumba Katxai auch schon bei Festivals in Deutschland gespielt: 2014 in Kaiserslautern und vor Kurzem in Weil am Rhein.

Ein weitaus größeres Publikum könnte die Band im Mai finden: Dann tritt sie in der Auswanderer-Sendung „Goodbye Deutschland" auf. Im gleichen Monat hat sie auch die Chance, sich in der Heimat der Zúñiga-Brüder einen Namen zu machen. „Da werden wir für eine chilenische Auswanderer-Sendung interviewt. Es ist unser großer Traum, auch mal in Chile zu spielen."

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