Siesta: Die Kunst, tagsüber die Augen zu schließen

10-07-2008  
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Einfach, praktisch, gut: Egal wo man es sich zur Siesta gemütlich macht, danach fühlt man sich zufrieden und erholt.  DM

Diese vier, fünf Sekunden, wenn das Bewusstsein langsam wegsackt, die Geräusche von der Straße leiser werden und man die Hitze auf der Haut nicht mehr spürt. Der Kopf liegt Kilogramm schwer im Kissen und zieht einen immer weiter hinab. Das ist für Margalida González der schönste Moment der Siesta. Die 34-jährige Spanierin hält schon seit Studentenzeiten mittags ein kleines Schläfchen und ist überzeugt, dass sie deshalb kaum eine Falte im Gesicht hat, fast immer gut drauf ist, einen netten Mann hat, Erfolg im Job ...

JUTTA CHRISTOPH ýIch würde auf die Siesta nicht verzichten, auch wenn man mir 500 Euro im Monat mehr zahlte." Als selbstständige ­Juristin in Palma teilt González ihre Zeit so ein, dass sie zwischen halb drei und drei Uhr auf dem Sofa ein Nickerchen halten kann. ýFernseher einschalten, Schuhe ausziehen, hinlegen", beschreibt Margalida González das Ritual der mittaglichen Heimkehr. ýNach spätestens zehn Minuten bin ich eingeschlafen." Und wenn sie wieder aufwacht, ganz automatisch nach etwa 20 Minuten, fühlt sie sich fit, erholt und glücklich.

Auch Victor Bonnard muss ýzwischendrin mal den Kopf leer machen". Der Polizist aus Madrid legt sich mittags gerne für ein halbes Stündchen hin. ýIch döse, lese etwas oder gucke Fernsehen", erzählt der 25-Jährige. ýDas tut auch der Verdauung gut, man fühlt sich nach einer kleinen Pause einfach viel wohler."

Was González und Bonnard beschreiben, zählt zur natürlichsten Sache der Welt. Der Wunsch nach Mittagsruhe entspricht dem Bio-Rhythmus: Zwischen 13 und 15 Uhr senkt der Körper die Temperatur, der Blutdruck sinkt. Dabei wird der Wunsch nach einem Nickerchen ganz automatisch ausgelöst, egal, ob man vorher etwas gegessen hat oder nicht. Wissenschaftler raten, diesem inneren Drang zum Minutenschlaf nachzugeben. Danach sei man konzentrierter, merkfähiger und wieder fit.

Bereits die Römer wussten, auf die biologische Uhr des Körpers zu hören. Sie waren es auch, die den Tag erstmals vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang in zwölf Stunden einteilten. Zur sechsten Stunden, lateinisch sexta, wenn die Sonne am höchsten stand, wurde eine Pause eingelegt. Und aus der sexta entstand später, vor allem in Spanien und Italien, der Begriff Siesta.

ýPower-Napping", wie der erfrischende Kurzschlaf heute neumodisch heißt, ist in Südeuropa allerdings vom Aussterben bedroht. Immer mehr Firmen führen durchgehende Arbeitszeiten in klimatisierten Büros ein. Die Siesta fällt so vielerorts der europaweit einheitlichen Produktivitätssteigerung zum Opfer. Anders in Asien und den USA: Dort stellen viele Firmen ihrem Personal Liegesessel, Yogamatten und kleine Zelte zur Erholung bereit. Und Einkaufszentren bieten nach dem Mittagslunch Schlafröhren und Massagesessel an.

Sich mittags in eine Röhre zu legen, statt auf ihr geliebtes rotes Sofa - diesen Gedanken findet Margalida González ziemlich abwegig. ýOhne die Nachrichten im Fernsehen kann ich eh nicht einschlafen", gibt die Juristin mit einem Augenzwinkern zu bedenken. Außerdem sei die Siesta ein ganz persönlicher Moment, der sich nicht einfach auf eine Liege im Supermarkt verlegen lasse. So ähnlich sieht das auch der französische Philosoph und Schriftsteller Thierry Paquot. In ýSiesta. Die Kunst des Mittagsschlaf" schreibt er: ýSiesta bedeutet, am hellichten Tag mit dem Schlaf gemeinsame Sache zu machen, ihm Ehre zu erweisen, indem man in seiner Begleitung eine Pause einlegt und die Tür für Träumereien offen lässt."

Übrigens: Wer Angst hat, nach einem Zehn-Minuten-Schlaf nicht automatisch wieder aufzuwachen, dem ist der so genannte ýSchlüssel-Trick" zu empfehlen. Dafür legt man sich bequem im Stuhl oder auf einem Sessel zurück, lässt die Arme über die Lehne baumeln und nimmt einen Schlüsselbund in die Hand. Kurz bevor man in die Tiefschlafphase sinkt, beginnt sich die Muskulatur zu entspannen. Auch die Finger lockern sich, die Schlüssel fallen herunter - und schon ist man wieder wach.

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