Paintball: Schnitzeljagd mit Bin Laden

09.10.2008 | 13:11
Ein bisschen Spaß am Freitagnachmittag: Jugendliche aus Sa Pobla bei der technischen Einweisung mit den Markierern.
Ein bisschen Spaß am Freitagnachmittag: Jugendliche aus Sa Pobla bei der technischen Einweisung mit den Markierern.

Vögel mit Hirschgeweih, Katzen mit Elefantenohren und Hunde mit Pinguinflossen. In einem Wald in der Nähe von Pollença scheint die Natur verrückt zu spielen. „Paintball Fantasy" steht auf dem Eingangsschild zu dem 18.000 Quadratmeter großen Areal, in dem man seit Anfang Oktober auf solche Fantasie-Tiere trifft. Das als sogenannte area recreativa von Mallorcas Inselrat ausgewiesene Grundstück am Ende der Bungalowsiedlung Subac ist weder für romantische Spaziergänge noch familiäre Picknicks geeignet. Es dient vielmehr als Spielwiese für eine der umstrittensten Abenteuersportarten weltweit, das Paintball. Dessen Spielregeln sind denkbar einfach: Teams von mindestens fünf Personen beschießen sich in einem zuvor abgesteckten Feld mit Farbkugeln aus Druckluftgewehren. Wer getroffen wird, hat verloren.



„Von dem paramilitärischen Image wollen wir uns ganz klar distanzieren", sagt Paintball-Fantasy-Chef Vicente García aus Esporles, der zusammen mit seinen Freunden Alex und Pepe vor zwei Jahren auf die Idee kam, Paintball als Freizeitvergnügen für Einheimische und Urlauber auf der Insel anzubieten. Eigentlich keine neue Idee, Dutzende ähnlicher Projekte scheiterten jedoch in den vergangenen zehn Jahren stets an fehlenden Genehmigungen und empörten Anwohnern, die in den mit Gesichtsmasken und Schutzwesten durchs Gelände laufenden Paintballern oftmals Nachwuchsterroristen oder kriegssüchtige Rechtsradikale vermuteten. Mit denen will man in Subac natürlich nichts zu tun haben.



Die von Pollenças Bürgermeister Joan Cerdà am Samstag (4.10.) offiziell eröffnete Paintball-Anlage erinnert auf den ersten Blick auch eher an ein Fitnesscenter. Ein großer geteerter Parkplatz führt zu einem modern eingerichteten Clubhaus. In seinem Innern befindet sich eine große Café-Lounge mit Rundum-Fensterblick auf den dahinterliegenden Steineichenwald. Sofa-Ecken, Bar, Umkleideräume und Duschen sind allesamt knallbunt angemalt. „Der Besucher soll bereits bei seiner Ankunft das Gefühl bekommen, eine Fantasie-Welt zu betreten", sagt García. Aus dem gleichen Grund habe man auch die im Wald stehende Fauna aus hölzernen Hirschvögeln und Pinguinhunden „erschaffen".



Doch worum genau geht es bei Paintball Fantasy? „Wir bieten Jugendlichen ab zwölf Jahren und Erwachsenen die Möglichkeit, ein faszinierendes Abenteuerspiel auszuprobieren", sagt García. Für 25 Euro erhalte man eine komplette Spielausstattung, die aus Schutzanzug, Schutzweste, Schutzmaske und dem sogenannten Markierer (siehe Kasten) besteht. Der enthält 200 Gelatine-Kapseln mit Farbfüllung. Rot ist wegen seiner Ähnlichkeit zu menschlichem Blut allerdings tabu.



Und dann geht es in Gruppen zu je fünf Spielern aufs Feld. Hier stehen drei Szenarien zur Auswahl: Ein Platz, so groß wie ein Tenniscourt, mit aufblasbaren Deckungsmöglichkeiten zum Speed-Ball-Spielen und zwei „Woodland"-Szenarien, abgesteckte Areale im Wald mit Holz-Palisaden, Brücken und Häuschen. Hier spielen die Mannschaften „Fahne-Erobern" oder verschiedene Arten von Schnitzeljagd, bei denen sie sich hunderte von paintballs um die Ohren ballern.



Nachladen für fünf Euro

Genau das hat auch die Gruppe von zwölf befreundeten Jugendlichen aus Sa Pobla vor, die an diesem Freitagnachmittag die Einweisung von Pepe erhalten. „Nicht aus weniger als fünf Meter Entfernung aufeinander schießen und um Himmels willen niemals die Gesichtsmaske abnehmen", warnt er. Und dann bittet Pepe um die Namen jedes einzelnen Spielers, die er in eine Liste einträgt, mit der man bei ihm später, auch während des Spiels, Munition nachkaufen kann. 100 Stück für fünf Euro. „Bin Laden", ruft ihm jemand zu, der in Wirklichkeit José heißt. Seine Mitspieler lachen.



Auch Sven Völker, Verkaufsleiter von JT Europa, einem Unternehmen, das sich auf den Verkauf von Paintball-Ausrüstung und -Zubehör spezialisiert hat, freut sich. Er ist extra zur Eröffnung von Paintball Fantasy nach Mallorca gekommen. „So eine Anlage gibt es europaweit wohl nur einmal", schwärmt er. In Deutschland seien kommerzielle Paintball-Felder verboten. „Im Gegensatz zu Spanien darf man bei uns unter 18 Jahren diese Sportart ja noch nicht einmal betreiben."



Und gerade deutsche Kunden will man bei Paintball Fantasy in Zukunft willkommen heißen. „Wir stehen bereits mit einigen kleinen Reiseeranstaltern in Kontakt, die uns Gruppen schicken wollen", sagt Vicente García. „Paintball besitzt ein ebenso großes Potenzial für den Tourismus auf Mallorca wie Golf oder Fahrradtouren", glaubt er.



Info und Reservierungen unter Tel.: 971-10 17 28 oder online www.paintballfantasy.com

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