Wildpflanzen auf Mallorca: Farbige Hingucker am Wegesrand

Ein neuer Pflanzenführer stellt 150 seltene Gewächse und ihre Lebensräume auf der Insel vor

11-05-2011  
Die Mallorquinische Nieswurz
Die Mallorquinische Nieswurz Foto: Beniston

BARBARA POHLE Auf den Lichtungen der Inselwälder streckt derzeit das Immergrün seine blassblauen Sterne der Sonne entgegen. Es ist die erste Wildpflanze des Jahres, die nach der Winterruhe auf Mallorca Blüten zeigt – im April und Mai blühen die wilden Gewächse dann in großer Zahl.

Rund 1.500 Arten gibt es auf der Insel. 150 von ihnen hat die Autorin Nicole T. Beniston in ihrem bei Editorial Moll kürzlich erschienen Pflanzenführer „Plantas silvestres y paisajes de Mallorca" beschrieben. Die Fotos stammen von William S. Beniston. Die britischen Autoren sind auf der Insel keine Unbekannten. Sie haben den ebenfalls im Verlag Moll im Jahr 2000 erschienen Klassiker „Wild Orchids of Mallorca" in englischer Sprache verfasst. Der Pflanzenguide wird jetzt neu aufgelegt, eine Übersetzung ins Spanische ist in Vorbereitung. „Der Orchideenführer war so erfolgreich, dass wir jetzt zusätzlich das umfangreiche Wildpflanzen-Fotoarchiv des Ehepaars Beniston mit Beschreibungen in Englisch und Spanisch veröffentlicht haben", sagt Lluís Pérez von Editorial Moll. Es gebe derzeit kein Buch auf dem Markt, das eine derart große Zahl von einheimischen Pflanzen vorstelle. Die botanischen Namen im Buch können mit Wikipedia problemlos ins Deutsche übersetzt werden.

Der Pflanzenführer ist nach Lebensräumen gegliedert: Der Leser kann sich beispielsweise im Sumpfgebiet s´Albufera auf die Suche nach der gelben Wildiris sowie seltenen Orchideenarten machen.

Die Dünen und Felsabbrüche an der Küste zeichnen sich dagegen nicht durch Artenreichtum aus. Die Lebensbedingungen sind hier für die Gewächse extrem hart, trotzdem ist dort beispielsweise die weiße Trichternarzisse und der Gelbe Hornmohn anzutreffen.

Die Pflanzen der Serra de Tramuntana ordnen die Autoren nach Wald- oder Kulturlandschaften sowie nach der Macchie (einer immer grünen Strauchformation), in der man das Balearen-Alpenveilchen, viele Ginster-, aber auch die eine oder andere Orchideenart finden kann. Felsen und Bergabhänge sind dagegen eher spärlich bewachsen. In den Bachbetten der Sturzbäche (torrentes) kann man jedoch Pflanzenschönheiten wie den giftigen Fingerhut sehen.

Im milden Klima des Flachlandes (plá) wachsen viele Pflanzen. Wegen der landwirtschaftlichen Nutzung findet man jedoch wenig Artenreichtum.

Als garrigue bezeichnet man Vegetationszonen, in der Sträucher wie das Balearen-Johanniskraut, Lavendel, Rosmarin und verschiedenen Zistrosen üppig gedeihen. Sie sorgen das ganze Frühjahr über für Farbenpracht. Zusätzlich kann man hier – mithilfe des Pflanzenbuches – das Knabenkraut oder die wilde Anemone finden und bestimmen.

Der erste Pflanzenführer des Ehepaars Beniston erschien in französischer Sprache. Bevor Nicole und William Beniston in den 80er Jahren auf die Insel kamen, lebten sie im saudi-arabischen Riad und in Algier. „Wir entdeckten damals bei unseren Streifzügen durch die Wüste im Frühjahr völlig überraschend ein Blütenmeer", sagt Nicole Beniston. So entstand ihr erster Führer über die Flora Algeriens. Danach führte das Paar auf Mallorca seine Studien fort.

In Capdellà – die heute 83-jährige Autorin erinnert sich genau – war es eine Orchidee, die ihr Interesse für die Wildpflanzen der Insel weckte. Ihr Mann fotografierte die winzige Schönheit mit dem Makro-Objektiv seiner Pentax. „Von da an waren wir wie Jäger auf der Suche nach Orchideen und anderen seltenen Gewächsen", sagt die Autorin. Mit Fachliteratur machte sie sich kundig, immer darum bemüht, dem Laien Botanik verständlich zu vermitteln. Es entstand über Jahre hinweg ein riesiges Archiv von Diapositiven. Das Paar wollte seine Pflanzenstudien auch auf das spanische Festland ausweiten. Doch 2002 starb William Beniston, und es blieb bei den Wildpflanzen Mallorcas.

„Plantas silvestres y paisajes de Mallorca", Editorial Moll, Mallorca 2010, ISBN 978-84-273-0905-0, Preis: 16 Euro.

In der Printausgabe vom 3. Februar (Nummer 561) lesen Sie außerdem:
- Anatomie eines Augenblicks: Der Putschversuch vor 30 Jahren
- Das langsame Sterben des Zirkus Williams
- Kindermenü: Das besondere elefon 116 000

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