Mandeln: Reiche Ernte für die Armen

Spende direkt vom Baum: Fincabesitzer können Mandeln und Johannisbrot der Sozialvereinigung „Dignitat i Feina" überlassen

25.09.2015 | 13:45
Wenn die Netze auf hochgewachsenem Unkraut ausgebreitet werden müssen, ist die Ernte beschwerlich. Miquel und Bernat freuen sich trotzdem auf die Einnahmen aus den verkauften Mandeln

Jeden Freitag wird geerntet. Doch die verwilderte Mandelplantage nahe Artà, die heute an der Reihe ist, wird nicht viel abwerfen. Das durch die Sommersonne hart und trocken gewordene Unkraut auf dem Grundstück behindert zudem das Auslegen der Netze. Obendrein pikst es durch dicken Stoff direkt in die Haut.

Am Eingangstor stehen Fahrräder, vier junge Männer bearbeiten die Äste der Mandelbäume mit langen Metallstangen. Die Besitzer des Anwesens haben dem gemeinnützigen Verein Dignitat i Feina („Würde und Arbeit") ihre Ernte überlassen. Diese gibt den Erlös unter Einbehalt von 15 Prozent an die Helfer weiter. Die Vereinigung beschäftigt derzeit fünf Fachkräfte, die die Helfer einweisen, und stellt Werkzeug, Arbeitsmaterial sowie Transportfahrzeuge.

Auf den Feldern rund um Artà, Capdepera, Son Servera und Sant Llorenç ist Dignitat i Feina seit sieben Jahren aktiv. In dieser Saison sind im Inselosten 35 Helfer wochentags von 7 bis 14 Uhr im Einsatz. Dieses Jahr kamen zudem Fincas bei Llucmajor hinzu, zehn Arbeiter stehen dort bereit. Im Vorjahr wurde auf insgesamt 130 Inselplantagen geerntet.

Auf dem Feld bei Artà arbeiten zwei junge Spanier – Miquel und Bernat – sowie zwei Marokkaner – Nador und ein weiterer Landsmann, der jedoch seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, weil er sich illegal auf Mallorca aufhält.

„Auch wer keine Papier besitzt, kann bei uns arbeiten", sagt Pere Vallespir. Er ist Pfarrer in Cala Millor, Cala Bona, Sa Coma und Cala Morlanda sowie Mitglied des Franziskanerordens. Der 53-jährige in Valldemossa geborene Pater wohnt im Konvent von Artà. Der Weg zum Ess- und
Wohnzimmer des Klosters, in das er zum Gespräch einlädt, führt durch viele Gänge und Stockwerke. Unter anderem durch einen Arkadengang zu mehreren Räumen, auf deren Fußboden Werkzeug ausgebreitet ist. Derzeit sind noch die Handwerker zu Gange, bevor hier wieder die Kinder­gartenkinder Einzug halten.

Vallespir ist einer der Verantwortlichen der 2009 von Tomeu Pastor gegründeten Vereinigung Dignitat i Feina. „Wir unterstützen unsere Leute auch bei den Anträgen für Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen", sagt der Franziskaner. Doch dies gelänge höchstens in ein, zwei Fällen im Jahr. Denn die meisten illegalen Helfer stammten aus Marokko und müssten erst zurück in ihr Land ein- und danach mit einem Arbeitsvertrag legal nach Spanien ausreisen. Und dafür fehle häufig das Geld.

Dignitat i Feina ist jedoch nicht nur für Einwanderer von außerhalb der EU da, sondern für alle, die im Inselosten und in der Umgebung von Llucmajor keine Arbeit finden. Eine Bedingung stellt die Vereinigung: Die Mitarbeiter dürfen nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein.

Der 21-jährige Nador war immer schon legal auf der Insel. Er ist bereits als Kind mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder nach Mallorca gekommen. Sein Onkel leitete ein Baugeschäft auf der Insel, deshalb konnte sein Vater mit einem Arbeitsvertrag einreisen. Erst arbeitete der junge Marokkaner mit Onkel und Vater, doch dann wurden die Aufträge weniger, und er arbeitslos. Jetzt übernimmt Nador Transporte für die Vereinigung.

Wenn die Mandeln unter Dach und Fach sind und das Johannisbrot an die Kooperative verkauft ist, stellt man in den Räumen des ehemaligen Klosters Ses Josefines in Artà gemeinsam mit den Mitarbeitern das weihnachtliche Süßgebäck Turrón her. Die Zutaten bestehen – ganz traditionell – ausschließlich aus Mandeln und Puderzucker. Doch noch ist es nicht soweit, bis Ende Oktober stehen noch viele Erntetage an.

Der Ertrag der Mandelbäume wird in diesem Jahr – nicht nur auf dem Feld bei Artà, sondern auf der ganzen Insel – spärlich ausfallen. Das wirkt sich günstig auf den Preis aus: Etwa 1,65 Euro werden derzeit für ein Kilo almendras bezahlt. Die vier Erntehelfer auf der Plantage bei Artà können es pro Tag auf eine Menge von 60 bis 90 Kilo bringen. Ob sie mehr als ein Existenzminimum von 100 Euro pro Kopf und Woche verdienen, hängt vom Zustand des Mandel­feldes ab. Sind die Bäume gut im Schuss, können die Netze rasch ausgelegt und die Säcke schneller gefüllt werden.

„Die Idee des Gründers Tomeu Pastor war von Anfang an, dass die Felder auf der Insel wieder gepflegt werden und dadurch Menschen in Lohn und Brot kommen", sagt Vallespir. Die Ernte sei dabei nur eine der vielen Arbeiten, die zur Landschaftspflege notwendig sind. „Die Fincabesitzer können uns auch ganzjährig mit der Pflege ihrer Güter beauftragen", sagt er, und appelliert an die Solidarität: „Für Wale oder andere vom Aussterben bedrohte Tiere setzen sich viele ein. Wir kümmern uns um Menschen, die es nötig haben."


Erntehelfer buchen

Für Felder bei Artà, Capdepera, Son Servera und Sant Llorenç: Pere Vallespir im Convent von Artà: Tel.: 696-90 79 45, fraperetor@yahoo.es. Für die Gegend um Llucmajor: Guillem Ramis, Tel.: 626-84 08 18, guillemramisfeliu@gmail.com

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