Neue Mühlenroute: Aus Ruinen auferstanden

Sechs mallorquinische Mühlen sind kürzlich in eine Route der Euroregion Pyrenäen–Mittelmeer aufgenommen worden. Wir sind sie abgefahren

10.03.2016 | 18:00

Große Mühlen haben den Vorteil, dass sie schon aus der Ferne unübersehbar sind. So ist das auch bei der Molí de Can Nofre, die am Südende des schon aus der Ferne beeindruckenden Hügeldorfs Montuïri liegt. Gemeinsam mit fünf anderen Mühlen ist sie nun in eine europäische Mühlenroute aufgenommen worden. 19 weitere Mühlen sind rund um Tarragona in Katalonien und vor allem in Südfrankreich zu bewundern.

Die Dörfliche
Wie alle anderen dieser zumeist erst jüngst restaurierten Mühlen diente auch die 1647 errichtete Molí de Can Nofre (C/. des Molinar, 35) der Produktion von Weizenmehl. Sie gehörte über mehrere Generationen einer Müller-Familie. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war sie in Betrieb, dann verfiel sie. Mallorcas Inselrat restaurierte den Bau und den Antriebsmechanismus im Jahr 2002. Beim MZ-Besuch ist Besitzer Joan Mesquida nicht anwesend, doch er öffnet das Bauwerk und ein angeschlossenes Mini-Museum mit landwirtschaftlichen Geräten gern nach Vereinbarung (Tel.: 635-53 13 48). Die mit massigen Holz­flügeln versehene Mühle ist von Gebäuden umgeben. So wie vor einigen Tagen feierlich vom Inselrat verkündet, befindet sich vor der Mühle ein Schild mit Basis-Informationen in fünf Sprachen (Katalanisch, Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch) und einem QR-Code, mit dem detailliertere Informationen aufs Smart­phone geladen werden können.

Die Majestätische
Fährt man von der Nofre-Mühle am Westrand des Bilderbuchdorfes vorbei, gelangt man in etwa fünf Minuten zur zweiten in die Route aufgenommenen Mühle. Die ebenfalls im 17. Jahrhundert gebaute Molí d´en Fraret thront majestätisch auf einem Hügel am Nord­rand von Montuïri, unweit eines Kreisverkehrs (C/. Emili Pou). Bis in die 60er-Jahre wurde noch Weizen gemahlen, heute ist hier das Museum der Talaiot-Siedlung Son Fornés untergebracht (www.sonfornes.mallorca.museum). „Wir haben montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr geöffnet", sagt Silvia Gili, die den Komplex allein managt und beim Auftauchen der Reporter gerade die Fensterläden wischt. „Der Eintritt kostet 3,50 Euro, es kommen auch viele deutsche Urlauber." Sie bietet gleich noch eine mehrstündige spanisch- und englischsprachige Dorftour an, bei der auch ein altes Stadthaus und eine Traditionswirtschaft besichtigt werden (8 Euro, Anmeldungen unter Tel.: 971-64 41 69). Wir aber ziehen weiter zu den nächsten zwei Mühlen, in Mallorcas zweitgrößter Stadt
Manacor.

Die Städtische
Im Carrer Riera de Conies, den wir über die nördliche Umgehungsstraße der nicht durchgehend ansehnlichen Stadt erreichen, gibt es gleich noch eine Molí d´en Fraret, „Mönchsmühle". Die wuchtige, aber ob der städtischen Umgebung dennoch klein wirkende Mühle wurde im 18. Jahrhundert errichtet und war bis 1937 in Betrieb. Parkplätze sind hier Mangelware. Beim MZ-Besuch sitzt nebenan auf einer Bank der nach eigenen Angaben arbeitslose Joan. „Ich war früher mal ein schlechter Mensch", sagt er ungefragt, „jetzt vertreibe ich mir hier jeden Tag die Zeit." Auch diese Mühle beherbergt Ausstellungsräume: die der volkskundlichen Abteilung des örtlichen stadtgeschichtlichen ­Museums. Mit Schautafeln, Fotos und Metall- sowie Holzgegenständen wird hier anschaulich der Zyklus der Mehlproduktion erklärt (montags und freitags 10–12.30 Uhr, mittwochs 17–19.30 Uhr im Winter, 18–20.30 Uhr im Sommer).

Die Chillige
Wer die Umgehungsstraße nach Osten weiterfährt, gelangt auf die Route nach Porto Cristo. Zwei Kilometer östlich von Manacor ragt die vierte Routen-Mühle in die Höhe, die Molí d´en Sopa. Sie gehörte früher einer Familie namens Pastor. Das Anfang des 19. Jahrhunderts errichtete Gebäude ist heute eingebettet in ein mit Musik beschalltes Areal, auf dem sich weiterhin ein großer Parkplatz, Springbrunnen, mit weißen Polstern versehene Sofas und ein Restaurant befinden (Tagesmenü ohne Getränke: 18,50 Euro). Mehrere große Säle stehen für private Feiern zur Verfügung. In die bis in die 20er-Jahre hinein funktionstüchtige Mühle schlug 2007 ein Blitz ein, sie ging in Flammen auf und musste danach wiederhergerichtet werden. Was damals übrig blieb kann, wie auch ein kleiner Wohnraum, kostenlos besichtigt werden. Während des
MZ-Besuchs zeigt Mühlen-Manager Toni Lozano dem Mallorquiner Rafel aus Esporles und seiner aus Indien stammenden Freundin Manjit gerade einen der großen Säle. „Für eine Hochzeit gibt es auf Mallorca kaum etwas Besseres", findet der bereits überzeugte Rafel (Tel.: 971-55 01 93, www.molidensopa.com).

Die Authentische
Hochzeiten werden auch auf dem Gelände einer ebenfalls kostenlos zugänglichen und voll funktionstüchtigen, aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenden Mühle östlich von Porreres ­gefeiert, wenn auch authentischer. Pep Julià, der Besitzer des an der Straße nach Felanitx am Kilometer 4 gelegenen Anwesens Son Gornals, brachte die etwas abseits der Gutshäuser und als einzige der Routen-Bauten besteigbare Mühle mit eigenem Geld und vom Inselrat gestellten Arbeitern 2007 auf Vordermann. „Das Mehl der Mühle war früher nur für die possessió bestimmt", erzählt Julià. In den vergangenen Jahren hätten schon mehrere Filmteams hier hingefunden, darunter auch ein deutsches (Kontakt: Tel.: 634-37 14 93).

Die Versteckte
Gut 25 Kilometer von Porreres entfernt liegt am Camí de sa Torre etwa zwei Kilometer vor dem Hilton-Hotel unweit von Llucmajor uneinsehbar eine Finca namens Can Garra Seca (trockene Kralle). Dort steht die letzte Routen-Mühle. Es handelt sich um eine der wenigen auf den Balearen mit einem schmalen Turm und Flügeln, die mit weißen Segeltüchern bestückt werden. Anders als in anderen Mühlen befindet sich der Antriebsmechanismus unterhalb des Turms. Der obere Teil kann mithilfe eines Holzstabs um die eigene Achse gedreht werden, um die Mühlenflügel optimal hin zum Wind auszurichten. „Es ist die einzige funktionstüchtige Mehl-Mühle dieser Art auf den Inseln", sagt Jaume Pericòs, der Besitzer des Anwesens. Die Mühle wurde 1831 gebaut und 2010 vom Inselrat restauriert. „Einer der Querbalken aus Olivenbaumholz war zuvor heruntergefallen", sagt der Besitzer. „Mit dem gleichen Material wurde alles wieder ­gerichtet."

Pericòs lässt nur Besucher auf sein Gelände, die mit ihm vorher telefonisch einen Termin vereinbaren. Er zeigt ihnen dann nicht nur die Mühle, sondern auch einen uralten Kalkofen aus talaiotischer Zeit und ebenfalls aus jener Epoche stammende Wasserbecken (bassas). (Kontakt: Tel.: 651-89 06 59).

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