Die Wunderknolle, die Sa Pobla veränderte

Der Kartoffelboom im Inselnorden begann in den 20ern. Trotz Konkurrenz, die den Gewinn drückt, floriert das Geschäft weiter

19.05.2016 | 11:17

Wenn Pere Antoni Aguiló nicht gewesen wäre, wäre Sa Pobla vielleicht nie Mallorcas Kartoffelhochburg geworden. Der pfiffige Ladenbesitzer bemerkte Anfang der 20er-Jahre, dass der Heißhunger der Briten auf die Knolle fast unersättlich war. „Also pflanzte er Royal-Kidney-Kartoffeln nahe dem Dorf an und verdiente ordentlich Geld damit", so die Journalistin Margalida Socías.

Die Eltern der 51-Jährigen waren selbst Kartoffelbauern, sie hat im Eigenverlag das Buch „De Sa Pobla patates" veröffentlicht (bestellbar unter sociamirf@gmail.com). Andere Landwirte kamen auf den Geschmack und machten es Aguiló nach, obwohl die Menschen in der Gegend zunächst gar nicht kartoffelaffin gewesen seien. „Zuerst glaubten die Bauern nicht so recht daran." Man kannte das im 16. Jahrhundert von den Spaniern aus Peru mitgebrachte Gewächs zwar, aber das war´s dann auch.

Vor dem in den 20er-Jahren zunehmend auf Touren kommenden Knollenboom wurden im Raum sa Pobla vor allem Baumwolle, Zwiebeln, Erbsen, Erdnüsse und in dem ab Mitte des 19. Jahrhunderts von Briten trockengelegten Gebieten der Albufera Reis angebaut. „Bis 1891 die Reblaus alles vernichtete, wurde hier auch Weinbau betrieben, wenn auch nicht allzu intensiv", so Margalida Socías.

Dass die Landwirte von Sa Pobla nicht vom Kartoffelanbau abließen, liegt daran, dass immer neue Märkte hinzukamen. „Ab den 80ern wurde auch nach Deutschland, Holland und später auch Polen exportiert", so die Expertin. Inzwischen gibt es fünf spezialisierte Unternehmen, die die Kartoffeln der Bauern kaufen und dann ausführen. „Sie übermitteln auch, welche Kartoffelarten der Markt gerade verlangt, und beraten die Bauern in dieser Hinsicht." Denn die Konkurrenz schläft nicht. „Landwirte in Ländern wie Ägypten oder Israel drücken mit ihren Kartoffeln auf die Preise." Dies mittlerweile so sehr, dass in Sa Pobla manch Landwirt überlegt, wieder vermehrt Reis anzubauen.

Doch noch ist die Kartoffel weiter unangefochten die Nummer eins. Davon zeugen auch die örtlichen Essgewohnheiten und die über die Jahre ersonnenen Rezepte für Kartoffel-Bunyols und Kartoffel-Cocas. „Auf dem Feld aß man während der Ernte auf offenem Feuer zubereitete patatas rotas mit butifarrón-Wurststückchen", so Margalida Socías. Und auch in den Sonntagsreis arròs de marjal gebe man in Sa Pobla Kartoffeln hinzu. Unbestrittener König der zubereiteten Kartoffel war ein 2015 verstorbener Leichtathlet und Koch namens Pere Crespí Gost, den alle nur Pixeris nannten. Er veredelte die regionale Kartoffelküche und kochte auch wiederholt für den heutigen König Felipe VI. ", weiß Autorin Socías.

Sie versteht ihr Buch als Kniefall vor der Lebensleistung ihrer Eltern. „Vom Bücken bei den Ernten tut meiner Mutter noch immer der Rücken weh", sagt sie. Auch ihren Händen sehe man an, wie hart sie jahrzehntelang gearbeitet hätten. Als neue Technologie eingeführt wurde, die das Ernten und Pflanzen erleichterte, sei das für ihre Eltern wie ein Geschenk des Himmels gewesen. Ihr, Margalida, hätten die Einnahmen immerhin ermöglicht, sich ein Studium der spanischen Philologie und Literatur erlauben zu können. Und auch ihre Schwester Xisca habe auf die Universität gehen können.

Die harte Konkurrenz im Weltkartoffelgeschäft macht der Autorin zunehmend Sorgen – so sehr, dass sie nach kreativen Lösungen sucht. Ihr schmeckt es nicht, dass die Kartoffelbauern von Sa Pobla und die Hotelbetreiber so wenig zusammenarbeiten. „Mein Heimatort profitiert viel zu wenig vom Tourismus, das muss sich ändern." Wieso so viel exportieren – „die Transportkosten verringern den Gewinn" – anstatt die Kartoffeln auf der Insel an Mann und Frau zu bringen? Den Urlaubern, denkt sich Margalida Socías, müssten die in Jahrzehnten ersonnenen Rezepte doch ebenso gut schmecken.

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