Zielscheibe Manhattan: Das Leben des Peter Brill

Der Luftwaffenpilot war Teil eines Geheimprojekts der Nazis, New York zu bombardieren. Seine letzten Jahre verbrachte er auf Mallorca

03.02.2017 | 08:39
Brill im Interview auf der beigelegten DVD.

Manhattan sollte brennen. So wie London gebrannt hatte. Oder Warschau. Das war Hitlers Traum. Im Jahr 1943 fing die Luftwaffe ein geheimes Training mit fünf Piloten an. Ihre Mission war es, Bomben auf New York zu werfen, den Feind der Nazis im eigenen Land zu treffen.
Einer der Piloten war Peter Brill.

Dessen Geschichte erzählt nun das Buch „El diario de Peter Brill". Geschrieben hat es der katalanische Journalist Pere Cardona mit dem argentinischen Filmemacher Lau­reano Clavero. Letzterer war 2009 auf Brill gestoßen, der damals in Barcelona lebte. „Ich war damals mit Recherchen zu einem Dokumentarfilm über in den Pyrenäen abgestürzte deutsche Flugzeuge beschäftigt, als ich die Chance bekam, Brill zu interviewen", sagt der Regisseur. In einem Nebensatz erwähnte der Pilot, er sei beauftragt gewesen, für einen Angriff auf New York zu trainieren. Clavero wurde hellhörig.

Dem Buch liegt eine DVD mit einer halbstündigen Fassung des Interviews bei. Vier Monate sei er im Training gewesen, erzählt Brill im Film in perfektem Spanisch. Zu dem Zeitpunkt habe der Pilot nicht gewusst, wofür er sich vorbereitet habe, sagt Clavero. „Erst nachdem die Nazis festgestellt haben, dass ihre Flugzeuge allein schon wegen ihrer Reichweite nicht für den Angriff gerüstet waren und das Projekt abbrachen, hat man Brill von den Plänen unterrichtet."

Peter Brill nahm nach dem viermonatigen Training an anderen Kampfeinsätzen teil, unter anderem an dem verlustreichen „Unternehmen Bodenplatte" auf Flugplätze der Alliierten am 1. Januar 1945.

Nachdem Clavero das Interview geführt hatte, arbeitete er nicht gleich an der Geschichte weiter. Erst 2013 befasste er sich wieder mit dem Thema. Brill war zu dem Zeitpunkt schon gestorben. Zusammen mit dem Journalisten Cardona machte sich Clavero dennoch ans Werk.

Ende 2005 hatte der Pilot bereits der katalanischen Zeitung „La Vanguardia" von seinen Erfahrungen im Krieg erzählt. Auch andere Publikationen gewannen ihn für ein Interview. Schließlich überzeugte ihn seine Schwägerin, die Erlebnisse aufzuschreiben. Es sind diese Notizen, zusammen mit Briefen aus dem Krieg an die Eltern, welche die Grundlage für das neue Buch liefern.

Nach Kriegsende wurde Brill in der Tschechoslowakei von US-Truppen festgenommen und an die Rote Armee übergeben. Drei Jahre verbrachte er in Kriegsgefangenschaft, dann wurde er im Rahmen eines deutsch-sowjetischen Abkommens entlassen.

Zurück in Deutschland begann er eine Ausbildung in einer Gerberei. Anfang der 50er-Jahre bekam er ein Jobangebot aus Valencia. Hier begann er ein neues Leben, seine Kinder wurden geboren. 1964 schloss er sich einem Flugverein an und nahm seine Leidenschaft wieder auf, die er bis kurz vor seinem Tod nicht mehr aufgeben sollte.

Dass er sich gegenüber Journalisten öffnete, war ungewöhnlich. „Uns hatte er zuvor nie etwas vom Krieg erzählt", sagt Jochen Brill, einer der beiden Söhne des Piloten, der seit den 70er-Jahren auf Mallorca lebt. „Als er dann doch mit der Sprache herauskam, hat er alles sehr heruntergespielt. Was ich nie aus ihm herausbekommen habe war, wie es wirklich war, wenn man da oben war."

Im Film gibt Brill einen kleinen Hinweis, wie das Gefühl gewesen sein muss: „Wenn man die Kabine zu macht, schließt man den Sarg." Den Krieg habe er nicht sehr politisch gesehen, sagt sein Sohn. Offenbar sei es eine Mischung aus Pflichterfüllung und Abenteuerlust gewesen, die ihn angetrieben habe. Im Film sagt Brill selbst, er habe den Krieg von Anfang an für eine dumme Idee gehalten.

Ein bisschen, so Jochen Brill, trage er es seinem Vater nach, dass er nicht mehr erzählt habe. „Er hat der Geschichte von der geplanten Bombardierung New Yorks nicht so viel Bedeutung beigemessen, da es ja nicht dazu kam. Man kann nicht viel erzählen, wenn nichts passiert ist. Erst als die Journalisten ihm sagten, dass das spannend sei, hat er mehr berichtet."

Die letzten Lebensjahre verbrachte Brill auf Mallorca. Jochen Brill und sein Bruder Werner holten die Eltern aus Altersgründen auf die Insel. „Ihm hat es hier gut gefallen", sagt der Sohn. Peter Brill starb im Februar 2013 im Alter von 88 Jahren. Er ist in Llucmajor begraben.

Cardona/Clavero: El diario de Peter Brill, Dstoria Edicions, 224 S., 23 Euro in La Librera del Savoy, Palma. Präsentation am 18.2. um 18.30 Uhr im Kulturzentrum Ciutadà Il·Legal (C/. Major, 1, Marratxinet)

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