Tafeltrauben auf Mallorca: Die Herbstsorten sind reif

Mit oder ohne Kerne: Auf die großen Beeren kommt es an. Ein Besuch auf der Plantage von Rafel Socíes

28.09.2017 | 02:30
Im Rebenwald: Hier reift gerade die Sorte Red Globe.

Beeren vom hellen Gelb bis zum tiefen Blau

  • Dunkelrot sind die Beeren der frühen Sorte Cardinal (mit Kernen), die in Kalifornien gezüchtet wurde.
  • Noch früher reift die in Italien gezüchtete Sorte Early Cardinal.
  • Die samenhaltigen Beeren der im Frühsommer reifenden Traube Victoria sind goldgelb und oval. Sie zeichnet sich durch festes Fruchtfleisch und hohen Zuckergehalt aus.
  • Die kernhaltige Italia – ihr Name weist auf ihre Züchtung in Italien hin – besticht durch sehr große Beeren, die dicht an die Trauben wachsen. Ihrer Süße wegen nennt man sie auch italienische Muskateller-Traube.
  • Im September ist die Sorte Red Globe reif, sie wurde in Kalifornien gezüchtet und hat hellrote, mittelgroße bis große, kernhaltigen Beeren.
  • Die Autumn Blanca ist dagegen eine spätreifende weiße, kernlose Sorte (sin pepita). Ihre Beeren sind hellgrün und lange lagerfähig, ohne ihr Aroma zu verlieren.
  • Die Autumn Negra mit ihren ovalen, großen, dunkelblauen Beeren wird auf der Insel im September und Oktober geerntet. Beide Autumn-Sorten stammen aus Kalifornien.

Das Blätterdach sorgt für Schatten, darunter hängen dicke, purpurrote Trauben. Die knorrigen Stämme der Rebstöcke sind in regelmäßigen Abständen gepflanzt. Gemeinsam mit den Trauben wirken sie wie eine unwirkliche ornamentale Kulisse. Doch das Ganze ist real: Am Ortsrand von Sa Pobla reifen die Früchte auf Mallorcas größter Plantage für Tafeltrauben (uva de mesa span., raïm de taula kat.), die im Deutschen auch Speisetrauben heißen.

Sie werden roh als Obst gegessen und nicht zu Wein gekeltert. Botanisch handelt es sich dabei um dieselbe Pflanze: die Weinrebe (Vitis vinifera bot., vid span., parra kat.), die verschiedene Zuchtformen bietet. Tafeltrauben haben größere Beeren, winzige oder gar keine Kerne und viel festes Fruchtfleisch, das von einer zarten Haut umgeben ist. Weinbeeren, die Winzer anbauen, verfügen über einen wesentlich höheren Säure- und Fruchtzuckergehalt.

Doch in den Rebgärten von Sa Pobla dreht sich alles um die Tafeltraube. Während der Erntezeit von Juli bis Oktober schiebt Plantagenbesitzer Rafel Sociés wochentags jeden Nachmittag seine Schubkarre zu den Reben. Die Beeren, die zuoberst an den Trauben sitzen, reifen als Erstes. Erst wenn auch die untersten zuckersüß sind, pflückt er sie. Am Tag darauf liefert der 40-Jährige das Obst um fünf Uhr morgens in Palmas Großmarkt Mercapalma ab. Hier wird es unter anderem unter dem Logo der Kooperative Agroilla vertrieben. 200 Tonnen hat Sociés im vergangenen Jahr an die Großhändler der Insel geliefert.

„Trauben, die wir heute ernten, sind morgen in den Inselgeschäften und auf den Obstständen Mallorcas", sagt Sociés. Die Beeren von der Insel haben gegenüber denen, die von außen geliefert werden, einen Heimvorteil, denn sie kommen frisch in die Kühltheken und auf Wochenmärkte. Denn Trauben reifen nach dem Pflücken nicht mehr nach. Sie verderben zwar nicht so rasch wie Erdbeeren oder Aprikosen, verlieren bei länger dauernden Transporten oder Lagerung im Kühlhaus jedoch Aroma und Geschmack.

Damit während der vier Monate andauernden Erntezeit immer frisch geliefert werden kann, pflanzte der Mallorquiner Rebsorten (siehe Kasten) mit verschiedenen Reifeterminen. Doch der diesjährige extrem lange und heiße Sommer brachte einiges durcheinander. „Die Sorten wurden alle gleichzeitig reif", sagt der Züchter. Derzeit pflückt er die Sorte Red Globe. Sie ist es, die so eindrucksvoll unter dem Blätterdach des Rebgartens hängt. Etwas später werden die ersten kernlosen, weißen und blauen Autumn-Sorten reif sein.

Bei allen Züchtungen achtet der Mallorquiner darauf, dass sich große Beeren bilden. Denn der Verbraucher will das so. Dies lernte Socíes in all den Jahren, in denen er sich mit Speisetrauben beschäftigt: Vor 20 Jahren pflanzte er die ersten Rebstöcke auf dem Hof seiner Eltern zwischen Sa,Pobla und Llubí. Hier erntete er von 1.700 Rebstöcken rund 80 Tonnen jährlich. Als die Rebstöcke zu alt wurden, um noch reichlich Früchte zu tragen, und die Erde ausgelaugt war, begann er am Ortseingang von Sa Pobla mit neuen, größeren Plantagen. Er verlegte Bewässerungsanlagen, die jedoch nur zum Anwachsen und bei extremer Hitze zum Einsatz kommen. Denn Rebstöcke brauchen wenig Gießwasser, weil sie ihre Wurzeln tief in die Erde graben. Nährstoffe liefert gehäckseltes Schnittgut im Winter. Gegen Schädlinge und Krankheiten kommen chemische Mittel zum Einsatz, die keine Rückstände hinterlassen.

Reben sind Kletterpflanzen, sie brauchen Stützen. In Sa Pobla wählte Socíes zweierlei Systeme: Direkt bei den Gebäuden werden die Weinstöcke nach dem Prinzip der Winzer angebaut. Insgesamt 12.000 Pflanzen halten sich an quer gespannten Drähten fest. Die vom Boden abstrahlende Wärme trägt zur Reife der Trauben bei.

Bei der zweiten, vom Gutshof etwas weiter entfernten Plantage handelt es sich um den eingangs beschriebenen ornamentalen Rebenwald. Hier wurden etwa zwei Meter lange Alustangen in der Erde gefestigt, die oben mit Drähten verbunden sind. Hier befestigte man die jungen Triebe von 4.000 Reben. Sie brauchen mehr Platz als die in Winzermanier gepflanzten. Doch dieses System hat auch seine Vorteile: Während des Pflückens am Nachmittag kommt Socíes nicht ins Schwitzen, und das dichte Blätterdach hält Vögel mit Appetit auf süße Beeren fern.

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |