Palmas Extremsegler Hugo Ramón

06-11-2008  
Will im kommenden Jahr die ?Mini-Transat
Will im kommenden Jahr die ?Mini-Transat" gewinnen: Hugo Ramón im Real Club Náutico in Palma.  Foto: John

ANDREAS JOHN Emotion – der Schiffsname ist Programm. Seit fast fünf Jahren segelt Hugo Ramón (Palma, 1985) auf einer sechseinhalb Meter langen Mini den Emotionen hinterher. Starken Emotionen. 2003 schrieb er als jüngster Teilnehmer bei der „Mini-Transat“ Geschichte, einer alle zwei Jahre ausgetragenen Einhand-Hochseeregatta, die 4.000 Meilen über den Atlantik führt. Seitdem geht Ramón auch beruflich der Leidenschaft des Single-Segelns nach. Ende Oktober beendete er die diesjährige Saison mit dem Gewinn der „Mini-Barcelona“, einer 300 Meilen langen Regatta zwischen Menorca und Barcelona.

Warum war dieser Sieg für Sie so wichtig?

Weil er gezeigt hat, dass ich gegen jeden gewinnen kann. An der ‚Mini-Barcelona‘ nahmen die besten Einhandsegler Europas teil, viele von Ihnen werden auch bei der nächsten ‚Transat‘ im Oktober Jahres 2009 an den Start gehen.

Welches Ziel haben Sie sich gesteckt?

Ich will gewinnen, nur darauf werde ich hinarbeiten.

Warum segeln Sie überhaupt in der Mini-Serie, statt wie andere Profis das Geld bei internationalen Großveranstaltungen wie zum Beispiel dem MedCup zu suchen?

Weil in dieser Kategorie der eigentliche Reiz des Segelsports liegt. Die Minis sind pure Regattaboote, Rumpf, Pinne, Mast. Mehr nicht. Hier entscheidet nur der Mensch, und nicht die Technik wie bei TP-52-Racern. Ich bin an Bord nur auf mich allein gestellt. Mir hilft keine Elektronik. Das Boot ist die Verlängerung meines Körpers.

Wird es an Bord nie langweilig?

Einhand-Offshoresegeln ist ununterbrochene Action, ein stetiger Kampf mit dem Wind und dem Meer.

Worauf kommt es besonders an?

Ausdauer. Natürlich muss du astrein segeln können, aber das ist eine Sache von Talent und Erfahrung. Es ist das psychische und physische Durchhaltevermögen, worauf es da draußen, tausende Meilen vom nächsten Hafen entfernt, ankommt.

Wie erreicht man das?

Tägliches Training. Körperlich muss ich topfit sein. Ausdauertraining, Kraftsport, Balance-Übungen. Jeden Tag gehe ich ein paar Stunden ins Fitness-Studio.

Und psychisch?

Ich habe einen Coach. Er hat mir beigebracht, wie ich mit meiner Energie haushalten kann. Ich habe gelernt, alle drei Stunden exakt 20 Minuten zu schlafen, um meine Akkus aufzuladen. Diesen Rhythmus wende ich bereits ab der ersten Stunde an Bord an. Nur so kann man es schaffen, bis zu 30 Tage lange Etappen ununterbrochen durchzusegeln.

MP3-Player oder einen Schmöker haben Sie aber dabei?

Von wegen. Ich darf mich keinen Augenblick lang ablenken. Keinen einzigen. Dafür ist das Meer zu unberechenbar. Man muss da draußen alles im Auge behalten, tausende Gefahren lauern auf einen.

Zum Beispiel?

Im Frühjahr dieses Jahres bin ich bei einer Regatta im Golf von Lyon gesegelt. Blauer Himmel, toller Wind. Ich flog mit fast 14 Knoten übers Meer, als ich mit dem Bug auf einmal gegen einen Container knallte, der einen halben Meter über der Wasser-oberfläche trieb. Irgendein Frachter hatte ihn verloren. Solche Container treiben zuhauf in den Meeren. Man entdeckt sie oft erst, wenn es schon zu spät ist.

Was ist passiert?

Ich habe es unter Einsatz meines Lebens gerade noch zurück an die französische Küste geschafft. Das Boot musste ich anschließend aufwendig reparieren.

Wie sieht es unterwegs mit der Ernährung aus?

Astronauten-Nahrung. Also ein Cocktail aus hochkonzentrierten Nährstoffen wie Proteinen, Eiweißen, Vitaminen, Mineralien. Außerdem natürlich jede Menge Wasser aus meiner kleinen Entsalzungsanlage an Bord. Ein paar Red Bull für stürmische Nächte habe ich auch dabei.

Und keine Schokolade?

Ein paar Müsliriegel. Ansonsten muss ich Gewicht sparen, wo ich kann. Seit einem Jahr habe ich auf Anraten meines Coaches noch zwei Leckerbissen dabei, die mich da draußen in den ganz schweren Momenten an meine Heimat erinnern.

Und die wären?

Ein paar Scheiben Jamón Serrano und eine Tüte Quely-Kekse.

Kann man vom Segelsport leben?

Ich versuche es. Als ich 18 Jahre alt war, habe ich meine eigene Firma gegründet. Ich lebe von den Siegerprämien und von dem, was von den Zuwendungen der Sponsoren übrig bleibt. Bei der ‚Mini-Transat‘ im vergangenen Jahr hatte ich mit Volkswagen einen starken Partner an meiner Seite.

Wie viel kostet die Teilnahme an einer ‚Mini-Transat‘?

Für die Ausgabe im nächsten Jahr rechne ich mit rund 250.000 Euro. 99 Prozent davon gehen für Ausrüstung, Material und Begleiter-Team drauf. Reich werde ich also sicher nicht.

Was ist außer Segeln wichtig?

Segeln (lacht). Nein, im Ernst. Ich arbeite 24 Stunden für meine Firma, suche nach neuen Sponsoren, nehme an Fortbildungskursen teil, beispielsweise für neue Navigationstechniken. Außerdem halte ich Vorträge an Segelschulen und Universitäten in Spanien und Frankreich. Ich engagiere mich zudem für wohltätige Zwecke, unterstütze unter anderem den Verein von Eltern krebskranker Kinder (Aspanob). Mehr ist nicht drin.

Was empfinden Sie da draußen allein auf dem Meer?

Zwei Dinge: unendliche Freiheit und tiefste Einsamkeit. Es ist jedes Mal eine Reise in die Abgründe meiner Seele. Das ist unbeschreiblich.

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