Daniel Glaubitz auf Mallorca: Aus Spaß an der Freude

Der Radsportler hat bei der Peña Ciclista Establiments eine Heimat auf der Insel gefunden. Zum Beruf machen wollte er seine Leidenschaft nie. Es lohnt sich schlicht nicht

27.02.2014 | 01:00
„Selbst wenn ich ein erfolgreicher Fahrer wäre, käme ich nicht an ein Lehrergehalt heran": Daniel Glaubitz
„Selbst wenn ich ein erfolgreicher Fahrer wäre, käme ich nicht an ein Lehrergehalt heran": Daniel Glaubitz

Als Daniel Glaubitz im Sommer 2012 auf der Insel ankam, kannte er hier keine Menschenseele. Eine Stelle als Englisch- und Sportlehrer an einer deutschen Schule hatte den 29-Jährigen nach Mallorca gelockt, nachdem er nach seinem Studium in Freiburg keine Planstelle an einem Gymnasium bekam. Er suchte Anschluss, doch das war schwierig für jemanden, der kein Wort Spanisch sprach. Den Weg mitten in die mallorquinische Gesellschaft ebnete dem gebürtigen Aachener seine Leidenschaft, der Radsport.

Zunächst hatte sich Glaubitz einer bunt zusammengewürfelten Trainingsgruppe angeschlossen. Hier lernte er Verantwortliche des Teams Requena Pirates kennen, unter anderem einen australischen Teambetreuer, mit dem Glaubitz aufgrund seiner noch mangelhaften Spanisch-Kenntnisse schneller in Kontakt kam. Der suchte noch Fahrer, und so kam der Deutsche zu seinem ersten Rennstall auf der Insel.

Profi-Vertrag wäre möglich
Nach seiner ersten Saison heuerten ihn im Herbst 2013 zwei Rad­kollegen an, mit denen er regelmäßig trainierte – zwei bekannte mallorquinische Fahrer: Albert Muntaner und Vicenç Pastor. In den vergangenen drei Jahren hatten sie im Viererteam mit den balearischen Bahnrad-Koryphäen David Muntaner und Albert Torres jeweils überlegen die spanische Meisterschaft in der Mannschaftsverfolgung geholt. Beide fahren mit der Peña Ciclista Establiments auch auf der Straße, und wollten Glaubitz dabeihaben.

Zusammen mit Muntaner, Pastor sowie Xavi Cañellas und Sebastian Ordinas bildet der Deutsche nun den harten Kern der Truppe, die in der gerade gestarteten Saison bei den zahlreichen Rennen auf der Insel vorne mitfahren soll. Dazu kommen noch mehrere talentierte Jugendfahrer und mit Mar Bonnín und Cata Rayo auch zwei junge Frauen. Außer Glaubitz sind es aber ausschließlich Mallorquiner, mit denen er seine Leidenschaft im Team teilt.

Eine Leidenschaft, die Glaubitz auch zu seinem Beruf hätte machen können, wenn er gewollt hätte. Der Tour de France-Sieg von Jan Ullrich 1997 war der Auslöser für ihn, mit dem Radsport zu beginnen. Ein Jahr lang gehörte er der holländischen U23-Mannschaft an. Und in Freiburg fuhr er für das Team BQ Cycling – doch stets aus Spaß an der Freude. Noch heute hätte der 29-Jährige wohl Chancen auf einen Vertrag bei professionellen Rad­ställen, zumindest in der drittklassigen Continental-Kategorie. Mit dem Rennstall Kuota etwa, der in dieser Klasse antritt, steht Glaubitz im engen Kontakt. Als die Truppe aus Rheinland-Pfalz, die bei der Mallorca Challenge an den Start ging, im Februar ihr Trainingslager auf Mallorca veranstaltete, fuhr er oft mit den überwiegend deutschen Sportlern über die Insel. Florian Monreal, Teamchef von Kuota, bestätigt der MZ: „Daniel könnte ohne Probleme bei uns im Team mithalten. Seine Stärke sind die Steigungen, er ist ein echter Kletterer."

Gerade mal 1.000 Euro brutto
Doch das ist nicht sein Ziel. „Ich habe das schon vor Jahren durchkalkuliert. Selbst, wenn ich ein wirklich erfolgreicher Fahrer wäre, käme ich nicht an ein Lehrergehalt heran." So verdienten die Sportler bei Continental-Teams oft nicht einmal 1.000 Euro brutto im Monat, auch wenn sie viele Preis­gelder einstreichen würden. „Ich kenne sogar Sportler, die ohne Gehalt fahren." Und selbst eine Kategorie höher, in der ­Profesional Continental-­Kategorie sei nicht viel mehr zu holen. Richtig lohnen würde sich eine Profi-Karriere nur bei einem der Teams, die in der UCI World Tour mitfahren. Aber an das Niveau von Fahrern in Teams wie Astana, Sky oder Lotto-Belisol kommt Glaubitz nicht heran, auch wenn er mit seinem Kumpel aus Freiburger Studienzeiten Andrey Zeits, der für das kasachische Team Astana fährt, hin und wieder auf der Insel trainiert.

So lässt er es inmitten seiner mallorquinischen Freunde eben ruhiger angehen. Integriert sei er inzwischen bestens, selbst eine mallorquinische Freundin hat er bereits gefunden. „Nur manchmal, wenn meine Teamkollegen unter­einander mallorquí sprechen und ich nur das Wort guiri verstehe, dann frage ich sie, ob sie über mich reden. Sie sagen dann immer: ´Nein, wir meinen echte guiris. Du bist ja fast Mallorquiner.´ "

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 27. Februar (Nummer 721) lesen Sie außerdem:

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