Real Mallorca: Wieder mal ganz unten

Der Verein kommt auch diese Saison nicht in Gang. Erstmals bekommt Präsident Utz Claassen den Volkszorn zu spüren. Doch noch hält er am erfolglosen Trainer fest

05.11.2015 | 17:33

Die mallorquinischen Fußballfans sind ja bekanntermaßen einiges gewöhnt und noch dazu ein friedliebendes Völkchen, doch angesichts der unterirdischen Vorstellung von Real Mallorca am Samstag (26.9.) beim 0:1 gegen Aufsteiger Huesca im Son Moix-Stadion ist vielen von ihnen der Geduldsfaden gerissen. Nach dem Schlusspfiff holten zahlreiche Anhänger weiße Taschentücher heraus und winkten, untermalt von einem Pfeifkonzert, in Richtung Präsidentenloge, wo Utz Claassen mit versteinerter Miene den Volkszorn zur Kenntnis nahm. Auf dem Weg in die Katakomben wurde der Deutsche von mehreren Fans beschimpft. Es fehlte nicht viel, und Claassen wäre tätlich angegangen worden. Vizepräsident Monti Galmés ließ sich gar zu einem Verbalduell mit einem aufgebrachten Anhänger des Inselclubs hinreißen.

Viele Fans mussten Dampf ablassen angesichts der Tatsache, dass der selbsternannte Aufstiegs­aspirant nach dem sechsten Spieltag wieder einmal ganz unten in der Liga Adelante angekommen ist. Und wenn man denn wenigstens von unglücklichen Niederlagen sprechen könnte, die zu Tabellenplatz 22 geführt haben. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus: Real Mallorca ist vor dem gegnerischen Tor ungefährlich wie kein anderes Team in der Liga. Zwei Tore nach sieben Spielen – Pokal mit eingerechnet – lassen auf ein tiefergehendes psychologisches Problem schließen, das bereits von den Cluboberen wahrgenommen wurde. Das Team spiele ja bis zum gegnerischen Strafraum recht ansehnlich, doch dann finde plötzlich kein Pass mehr sein Ziel, hörte man zuletzt Stimmen aus der Führungsetage.

Trotzdem: Ein Trainerrausschmiss ist vorerst nicht unbedingt zu erwarten. Der von Sportdirektor Miguel Ángel Nadal und Präsident Utz Claassen penibelst ausgewählte Albert Ferrer genießt zumindest nach außen hin weiter das Vertrauen der Führungsriege im Club – auch wenn Claassen klarstellte, dass seine „Geduld Grenzen" habe. Doch derzeit ist man offenbar noch überzeugt davon, dass der 45-jährige Übungsleiter den Karren aus dem Dreck ziehen kann. Das ergaben Krisengespräche unmittelbar nach Spielende am Samstag sowie am Montag (28.9.). Zwei Stunden lang saßen Ferrer, Nadal und Claassen zusammen. Der deutsche Club-Eigentümer und Präsident machte dabei dem Trainer unmissverständlich klar, dass ab sofort Punkte eingefahren werden müssen. Auch mit den vier Kapitänen des Clubs sprachen Claassen und Nadal über die Situation.

Vieles kommt nun auf die nächste Partie des Inselclubs am Sonntag (4.10.) um 12 Uhr an. Schon wieder geht es zu einem Aufsteiger, Real Oviedo in Asturien. Sollte Ferrer mit seinem Team dann wieder eine deutliche Niederlage kassieren, dürfte er seinen Kredit aufgebraucht haben. Positiv von Claassen angerechnet wird dem ehemaligen Barça-Profi derzeit noch, dass er die in den Jahren zuvor stets schwimmende Abwehr deutlich stabilisiert hat, und dass er im Gegensatz zum im vergangenen Jahr geschassten Miquel Soler den Rückhalt der Mannschaft besitzt.


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