Mallorcas Vereine, Teil 12: Integration im Sattel

Mallorca ist international für den Radsport bekannt. Doch nicht nur Touristen, auch viele Insulaner finden Freude am gemeinsamen Strampeln

11.03.2016 | 16:05
Dem Sonnenaufgang entgegen: Teilnehmer der Inselrundfahrt Mallorca 312 in der Bucht von Alcúdia.
Dem Sonnenaufgang entgegen: Teilnehmer der Inselrundfahrt Mallorca 312 in der Bucht von Alcúdia.

Die Zeitungen vermelden wieder neue Rekorde bei Radsporttouristen aus Nord- und Mitteleuropa. Über 140.000 werden in diesem Frühjahr auf Mallorca erwartet. So genau zählen kann das eh niemand. Aber nicht nur die Auswärtigen haben Freude an den Landschaften und dem milden Klima der Insel. Auch die Mallorquiner selbst sind begeisterte Radsportler. Und das keineswegs erst seit Kurzem, wie Xavier Bonnin vom Balearischen Radsport-Verband erzählt. „Der Radsport ist schon seit Jahrzehnten auf der Insel verwurzelt. Allerdings hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Lizenzen verdoppelt."

Die offiziell Aktiven
Zurzeit gebe es 2.200 beim Verband gemeldete Radsportler – eine Zahl, die natürlich keinerlei Anhaltspunkt auf die tatsächlich radfahrenden Mallorquiner gibt. Balearenweit sind rund 80 Clubs registriert, gut 60 davon auf Mallorca. Wer in einen dieser Clubs eintreten will, muss über eine Lizenz verfügen. Die berechtigt nicht nur zur Teilnahme an Rennen, sondern beinhaltet auch eine Unfall- und eine Haftpflichtversicherung.

Zu den Radsportlern, die in einem Club organisiert sind, gehört auch der Deutsche Jan-Eric Schwarzer, ehemals Deutscher Stehermeister. Nicht nur aus sportlichen Gründen. Als Schwarzer 2011 nach Sineu zog, wollte er möglichst schnell Anschluss finden und so meldete er sich bei der Agrupación Ciclista Sineu an. „Ich kann das nur allen Neuankömmlingen raten. Wenn du selbst den ersten Schritt machst, wirst du bereitwillig aufgenommen und jeder bemüht sich um dich, auch wenn es am Anfang mit der Sprache hapert." Sein Club trifft sich nahezu jedes Wochenende zu Ausfahrten, meist am Samstagmorgen. Los geht es zur wenig christlichen Zeit von 8 oder 8.30 Uhr. „Damit die Familienväter zum Mittagessen wieder zu Hause sind", erklärt Schwarzer. Dazwischen liegen je nach Tag und Route 70 bis 140 Kilometer. Die Strecken wählen die Vereinsmitglieder im Wechsel aus.

In nahezu allen Vereinen auf der Insel läuft das ähnlich ab. Die meisten treffen sich vormittags am Wochenende zu einer Tour. „Das ist eher ein soziales Ereignis. Die Schnelleren fahren voraus, die Langsameren im Windschatten hinterher." In Sineu gibt es immerhin zwei Leistungsgruppen, damit das Niveau nicht so auseinanderklafft. Auch ist es üblich, dass sich Radsportler über Vereinsgrenzen hinweg zusammenschließen und dann etwas ambitioniertere Touren unternehmen.

Der Nachwuchs
Los geht es mit dem lizenzierten Radsport bereits mit 6, 7 Jahren. Ab diesem Alter können Kinder in der Kategorie mit dem schönen ­Namen promesas (Versprechen oder Hoffnungsträger) fahren. „Das sind aber noch keine Rennen im eigentlichen Sinne. Wir organisieren für die Kleinen eher Fahrsicherheitsveranstaltungen oder Hindernisrennen um Hütchen", sagt Bonnin. Später werden dann kleine Rennen veranstaltet und die Kinder langsam an die Rennserien herangeführt.

Die Rennen
Wer sich mit Gleichgesinnten messen will, der findet auf Mallorca zahlreiche Möglichkeiten. Neben dem Profirennen Challenge Mallorca, bei dem sich die weltweite Radelite auf die europäische Saison vorbereitet, gibt es viele Gelegenheiten, selbst an Wettkämpfen teilzunehmen. Zu unterscheiden sind Rundfahrten ambitionierter Hobbysportler, die von privaten Organisatoren veranstaltet werden, und inselweite Rennserien. Die Veranstaltungen von privaten Organisatoren dürfen aus Lizenz-Gründen nicht als Rennen bezeichnet werden. Darunter fallen zum Beispiel die Inselumrundung Mallorca 312 oder auch die Hürzeler Classics im April. Und dann gibt es die vom Verband organisierten Rennserien, die sich großer Beliebtheit erfreuen: etwa die drei Rennen umfassende „Hivern a Mallorca", eine Frühjahrsserie, und die sechsteilige Serie Es Pla, die im Mai startet und vor allem im Sommer ausgetragen wird.

Bahnradsport
Mallorca hat eine große Vergangenheit als Bahnrad-Hochburg, auf die hier nicht weiter eingegangen werden kann. Heute sind nur noch die Bahnen in Sineu und in der Palma Arena wirklich wettkampftauglich, doch der Bahnrad-Olympiasieger Joan Llaneras hält den ciclismo de pista mit einer Nachwuchsgruppe am Leben. Etwas weniger ambitioniert geht es im Sommer zu, wenn in Sineu Rennen ausgetragen werden.

Mountainbike
Auch Mountainbiken und Querfeldeinfahren kommen zunehmend in Mode. Sogar eigene Clubs sind entstanden, so etwa Kartoffen´s Bike in Manacor. Die Gruppe steht jedem Mountainbike-Begeisterten offen, egal ob Deutscher oder Mallorquiner, Profi oder Anfänger. „Wobei sich ein Profi oder Fortgeschrittener wahrscheinlich schrecklich langweilen würde bei uns", sagt Club-Mitglied Tolo Pascual. Die sonntäglichen Ausfahrten des Clubs sprachen sich schnell in Manacor herum, und so wurden es von Mal zu Mal mehr Mitstreiter. Die Touren beschränkten sich bald nicht mehr nur auf die unmittelbare Umgebung der Kleinstadt. Und auch nächtliche Ausfahrten gehören mittlerweile zum Repertoire der Gruppe.

Die Kosten
Wer eine Lizenz beantragt, muss an den Verband zwischen 20 Euro (Kinder und Jugendliche) und 85 Euro (Elite- und Masters-Kategorie) im Jahr zahlen. Die meisten Vereine erheben zusätzlich einen kleinen Unkostenbeitrag.

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