Contadors Ziehsohn Enric Mas

Der Radsportler überzeugte bei seinem Debüt bei der UCI World Tour. Jetzt kommen die großen Gegner

09.03.2017 | 20:28
Enric Mas machte bei seinem ersten Auftritt bei der UCI World Tour in Australien eine gute Figur.

Enric Mas ist Mallorcas große Radsporthoffnung in dieser Saison. Dieses Jahr tritt der Sportler aus Artà für den belgischen Rennstall Quick-Step Floors als einziger Mallorquiner in der höchsten Radsportliga an. Der 22-jährige Profi gab Ende Januar bei der Tour Down Under in Australien sein Debüt in der UCI World Tour. Mit dem 26. Platz der Gesamtwertung war er zugleich der beste Fahrer seines Teams.

Keine große Leistung, wie Mas im Gespräch mit der MZ meint. Aber: „Das heiße Klima hat uns allen böse mitgespielt. Beim Rennen am vorletzten Tag hatte ich aufgrund der Hitze Krämpfe. Ohne sie hätte ich vielleicht noch an der Spitzengruppe um Ritchie Porte dranbleiben können." Der Australier nutzte den Heimvorteil und gewann nicht nur die Etappe, sondern auch die ganze Tour. Daneben überzeugte der junge australische Fahrer Caleb Ewan mit vier Etappensiegen.

Zu Saisonbeginn haben die Neulinge in der World Tour mehr Chancen auf ein gutes Abschneiden, weil sich viele Veteranen noch in der Vorbereitung befinden oder ihre Form suchen. Andere gestandene Profis wie der Deutsche André Greipel, der Kolumbianer Nairo Quintana oder der Spanier Alejandro Valverde haben auf einen Start in Australien verzichtet, um bei der Playa de Palma Challenge auf Mallorca in die Saison einzurollen. „Mit dem nahenden Frühling nehmen die Top-Profis dann aber an den World-Tour-Rennen teil", sagt Mas. „Wenn ein Alberto Contador mitfährt, steigt das Niveau noch mal beträchtlich."

Zuletzt fuhr der 22-jährige Mas bei der Algarve-Rundfahrt. Auch in Portugal hinterließ der Mallorquiner mit einem 33. Platz in der Gesamtwertung und dem vierten Rang unter den jungen Fahrern einen guten Eindruck. Derzeit verweilt Mas in der Heimat. Das nächste Rennen in seinem Kalender ist die Katalonien-Rundfahrt ab dem 20. März. Bis dahin trainiert er auf der Insel – alleine. „Es liegt viel Arbeit vor mir. Da ist es mir lieber, individuell zu trainieren. Bei leichten Trainingseinheiten habe ich dann aber doch ganz gerne meine Teamkollegen um mich." Über die App Trainingpeaks bekommt er jeden Tag seinen Tagesplan. „Täglich wechselt die Belastung. Ich bekomme die Stunden und die Kilometer vorgeschrieben, die ich zurücklegen muss."

Eine besondere Motivation könnte in Katalonien das erste sportliche Aufeinandertreffen mit Alberto Contador sein. Denn die 34-jährige Radsportlegende hatte Enric Mas 2013 unter seine Fittiche genommen. Damals wechselte der Mallorquiner in das Jugendteam der Stiftung von Contador. „Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mich sogar ins Trainingslager seines damaligen Rennstalls Tinkoff mitgenommen hat." In der Akademie entwickelte sich Mas zum Profi. Den Namensgeber des Teams bekam er aber eher selten zu Gesicht. „In den zwei Jahren habe ich ihn vielleicht zehn Mal gesehen, und das war immer im Verbund mit den anderen Teammitgliedern. Ein Einzelgespräch mit ihm hatte ich nie."

Nach der Zeit in Contadors Jugendteam startete Mas für den tschechischen Rennstall Klein Constantia – dem Farmclub seines jetzigen Teams – in den zweitklassigen UCI Continental Circuits. Durch Siege bei der Savoyen-Rundfahrt und der Rundfahrt im Alentejo machte der 1,77 Meter große Profi auf sich aufmerksam, und Quick-Step Floors beförderte ihn nach nur einem Jahr in die Königsklasse. „In der zweiten Liga sind die Rennen unberechenbarer", so Mas. „Jetzt in der World Tour ist das alles kontrollierter." Die größten Umstellungen gab es im taktischen Bereich und in der Geschwindigkeit. „Wenn die Führungsgruppe Gas gibt, fällt es mir schwer dranzubleiben." Mas zählt aber auch nicht zu den Sprintern, sondern hat seine Stärken am Berg. „Diese Etappen markiere ich mir im Kalender, weil ich dem Team dann wohl am besten helfen kann."

Bis zur Tour de France hat der 22-Jährige seine Termine von Quick-Step Floors erhalten. Nach der Katalonien-Rundfahrt tritt er bei den World-Tour-Rennen im Baskenland, Frankfurt, Kalifornien und Dauphiné an. Für die Tour de France selbst hat er noch keine Startzusage erhalten – und rechnet sich auch wenig Chancen aus. „Das ist nur etwas für Fahrer mit Erfahrung", sagt Mas. „Kaum jemand darf in seinem ersten Profijahr da mitfahren." Mit einem Auge schielt er auf eine Teilnahme an der Vuelta a España. „Vielleicht nimmt mich Quick-Step Floors mit. Aber das ist mehr Traum als Realität. Im nächsten Jahr stehen die Chancen da besser."

Dafür muss Mas seine Debüt-Leistungen in den anstehenden Rennen bestätigen. „Ich bin gerade in guter Form und will vorne mitfahren." Große Sorgen, dass er der einzige Mallorquiner in der ersten Radsport-Liga bleibt, macht sich Enric Mas nicht. „Wir haben viele gute Fahrer auf der Insel. Ich bin sicher, dass Leute wie Lluís Mas nächste Saison in der World Tour fahren."

So lange muss der 28-Jährige Namensvetter gar nicht warten. Sein Rennstall Caja Rural, der in der zweitklassigen Continental Circuit startet, wurde bereits zu den spanischen Rennen eingeladen. So fahren die nicht verwandten Mas und Mas im März schon gegeneinander.

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