Straßensperrungen wegen Mallorca 312: Die Insel wird zum Velodrom

6.500 Teilnehmer, Taiwan als Sponsor: Das größte Radrennen auf Mallorca wird noch größer. Veranstalter sind ein Sportlehrer und ein Verein aus Artà

28.04.2017 | 09:40
Schon 2015 wurde es bei Mallorca 312 voll auf den Straßen. An diesem Samstag sind mehr als doppelt so viele unterwegs.

Volksrennen mit partyfreudigen Profis

  • Geldpreise gibt es bei Mallorca 312 nicht. Der Erste und der Letzte erhalten eine kleine Trophäe in Form eines Kilometersteins. Ein Schlussfahrer kontrolliert, dass niemand absichtlich Letzter wird. „Er sucht einen Fahrer aus dem hinteren Feld aus, der besonders gekämpft hat", sagt Lliteras.
  • Ganz hinten mit dabei sind die ehemaligen Profis. Dieses Jahr treten Miguel Indurain und Stephan Roche an. „Sie kennen die Insel von ihrer aktiven Karriere, sind die Rennen aber mit einem Tunnelblick gefahren." Bei Mallorca 312 genießen sie die Landschaft, pausieren in den Bars zum Quatschen und spielen auch mal die mallorquinische Trommel ximbomba.

Die vielen leeren Fahrradständer vor der Post lassen erahnen, was Playa de Muro am Samstag (29.4.) erwartet. Hier, an der Nordostküste­ der Insel, startet und endet am Samstag (29.4.) die achte Ausgabe des Radrennens Mallorca 312.

6.500 Teilnehmer haben sich diesmal eingeschrieben. So viele waren es noch nie – und nicht wenigen graut schon im Vorfeld vor diesem Ansturm.

Veranstalter Xisco Lliteras empfängt die MZ in der Correos-Filiale, die zum Lager und Hauptquartier von Mallorca 312 umfunktioniert worden ist. An den Wänden stehen aufgereiht Kisten mit T-Shirts, Rucksäcken und Handbüchern für die Teilnehmer. Im ersten Stock sind etwa 20 Freiwillige damit beschäftigt, Willkommenstüten zu packen. Eine Frau am Schreibtisch führt darüber Buch. „3.000 haben wir schon", sagt sie zu Lliteras. Einer der jugendlichen Helfer scherzt: „Schreit uns der Chef jetzt an, dass wir schneller arbeiten sollen?"

Dass die Organisation des Radrennens solche Ausmaße annimmt, ist für Lliteras neu. Vor zwei Jahren waren es noch 3.000 Teilnehmer, im Vorjahr 4.400. Am Samstag sind es noch einmal gut 2.000 Sportler mehr. Aus Sicht von Lliteras hat das drei Gründe. „Wir bieten ein qualitativ hochwertiges Rennen, das erst durch die gute Zusammenarbeit mit Polizei, Landesregierung und Inselrat möglich ist. Zweitens zieht Mallorca als Austragungsort. Wir haben eine ausgezeichnete Infrastruktur, auch was die Hotels betrifft. Und zuletzt ist da die Sicherheit. Es gibt nicht viele Rennen, die auf gesperrten Straßen gefahren werden."

Letzteres war freilich nicht immer so. Bis 2015 mussten sich die Radfahrer auch bei Mallorca 312 die Straße mit den Autofahrern ­teilen. Erst vergangenes Jahr erzwang die Guardia Civil die Sperrung. „Die Beamten hatten in den Rennen zuvor schlechte Erfahrungen mit den Radfahrern gemacht." Schon bei 3.000 Teilnehmern verlor man schnell die Kontrolle, immer wieder kam es zu Streit und Gefährdungen, weil die Radfahrer die Spur nicht hielten und den Verkehr behinderten."

Die Lösung erwies sich vergangenes Jahr zunächst als Rückschritt. „Wir hatten nur drei Wochen Zeit, um eine neue Strecke mit Straßensperrungen zu organisieren", sagt Lliteras. Das in aller Eile erarbeitete Konzept ging nicht auf. Valldemossa, Sóller und Alcúdia waren fast den ganzen Tag von der Außenwelt abgeschnitten. Auch die Fähre, die zwischen Port d´Alcúdia und Menorca verkehrt, musste verspätet auslaufen, weil zahlreiche Autofahrer nicht rechtzeitig zum Hafen gelangten. Der inselweite Unmut war groß. „Derart umfangreiche Straßensperrungen wird es nicht noch einmal geben", sagte damals die im Inselrat für die Infrastruktur zuständige Dezernentin Mercedes Garrido.

Folgende Straßen sind am Samstag gesperrt:

Da die Ortszentren von Palma, Calvià und Llucmajor nicht gesperrt werden können, verlaufen die 312 Renn-Kilometer nunmehr nicht mehr rund um die Insel. Der Rundkurs beschränkt sich jetzt auf die Tramuntana und den Norden Mallorcas. Lliteras bedauert die Änderung. „Früher konnten unsere Teilnehmer sagen, sie sind einmal um die Insel gefahren. Jetzt sagen sie nur noch, dass sie bei Mallorca 312 dabei waren. Da fehlt mir der romantische Touch."
Der Popularität des Rennens tut das keinen Abbruch. Auch ohne große Werbung waren Ende November, anderthalb Monate nach Beginn der Einschreibungsfrist, alle Plätze vergeben. 700 Fahrer landeten auf der Warteliste. Der Großteil der Teilnehmer kommt aus Spanien. Darunter sind etwa 1.500 Mallorquiner. Zweitgrößte Gruppe sind die Briten mit knapp 2.300 Teilnehmern, gefolgt von den Deutschen mit etwa 1.100 Fahrern.

Um die Organisation kümmern sich das ganze Jahr sechs Vollzeit-Mitarbeiter, die am Samstag von etwa 1.000 Freiwilligen und Polizisten unterstützt werden. Chef Xisco Lliteras selbst ist nur Teilzeitkraft und hat lediglich im April für das Rennen Zeit. Eigentlich ist der 37-Jährige Sportlehrer. „Es hilft, dass die Osterfeiertage und die Schulferien im Vorfeld sind. Die eine Woche, die dann noch bleibt, lasse ich mich unbezahlt
freistellen."

Aus Spaß an der Freude

Den großen Verdienst hat er mit dem Rennen nicht. Da Mallorca 312 von einem Fahrradverein in Artà organisiert wird, dürfen keine Gewinne gemacht werden. Der Wettkampf wird durch die Einschreibegebühr von 60 bis 75 Euro finanziert. Und von Sponsorengeldern: Dieses Jahr ist sogar der Inselstaat Taiwan dabei. „Mit Merida und Giant kommen zwei der weltweit größten Fahrradhersteller aus Taiwan", erzählt Lliteras. „Beide Firmen waren schon in den vergangenen Jahren bei Mallorca 312 dabei, Giant hat jetzt nun auch das dortige Tourismusministerium an Bord geholt."

Dass hier an einem derart großen Rad gedreht wird, erzürnt nicht wenige Umweltschützer. „Der Massentourismus nimmt kein Ende. Die Insel wird zum Velodrom", sagt Marga Ramis von der Umweltschutzorganisation Gob. „Wir müssen dem ein Limit setzen." Die Schuld sieht sie weniger beim Veranstalter, sondern bei den Politikern, die Veranstaltungen wie Mallorca 312 bewerben.

„Die Insel nimmt durch unser Rennen viel Geld ein", entgegnet Lliteras und rechnet vor; „Laut einer Studie der Balearen-Universität UIB kommen pro Teilnehmer statistisch noch einmal 1,8 Begleiter hinzu. Sie bleiben sieben Tage und geben im Schnitt täglich 160 Euro aus. Multipliziert man das mit den 5.000 auswärtigen Teilnehmern, kommt man auf knapp 15,7 Millionen Euro." Laut UIB hätten zudem 80 Prozent der Teilnehmer einen Universitätsabschluss. „Der Radsportler hat den Golfer als idealen Touristen abgelöst", findet Lliteras.

„Ein bisschen Geduld"

Bleibt die Frage, ob es wieder zum Verkehrschaos kommen könnte. Die Route verlaufe diesmal nicht durch Alcúdia und „über weniger befahrene Straßen", so Mercedes Garrido vom Inselrat. Einige Orte wie Sóller und Esporles seien aber für die Strecke unvermeidbar. Um den Zeitraum der Straßensperrungen um zwei Stunden zu verkürzen, startet das Rennen in zwei Wellen. Die Teilnehmer über die 312 Kilometer fahren um 7 Uhr los. Um 9 Uhr folgen die Fahrer über die halbe Strecke und die 225 Kilometer. Am frühen Morgen kommt es deswegen um Pollença herum zu längeren Sperrungen, dafür ist der Großraum Sa Pobla am Nachmittag kürzer gesperrt. Mercedes Garrido bittet deswegen schon mal im Vorfeld um ein „bisschen Geduld".

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