Handball-EM ohne Mallorca: Ein Mann will das ändern

Wie der Sohn, so der Vater: Auf der Insel sorgt nur der Nachwuchs für Trubel im Handball. Nun sollen die Männer folgen

12.01.2018 | 16:29
Entfacht schon mal Begeisterungsstürme: die Jugend von Mata de Jonc.

Mallorca ist bei der am Freitag (12.1.) startenden Handball-EM dabei – allerdings nur als Zuschauer. Raúl Fullana, der Präsident des balearischen Handballverbandes, will sich das Turnier in Kroatien nicht entgehen lassen. Es ist eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, um den Sport auf Mallorca voranzubringen. Denn während sich bei der EM die Stars die Bälle um die Ohren werfen, steht auf der Insel der Handball noch ganz am Anfang.

Bei der Weltmeisterschaft 2015 in Katar traf der Präsident zufällig den ehemaligen deutschen Handballstar Stefan Kretzschmar. Beide träumten von einem Erstligaclub auf Mallorca. Sie verabredeten sich zu einem Treffen auf der Insel, doch der Deutsche kam nicht. „Er hatte das Interesse verloren, denn auch später hat er nichts mehr von sich hören lassen", sagt Fullana.

Der Präsident selbst weiß, wie es ist, auf Mallorca in der höchsten spanischen Liga zu spielen. „In den 70er-Jahren habe ich in einem von zwei Erstligateams auf Mallorca gespielt. Damals war Handball auch ein sehr verbreiteter Schulsport." Dann sei es vielen Eltern zu gefährlich geworden. Auch in den Handballclubs gingen die Anmeldungen zurück.

Über genau diesen Weg, den der Nachwuchsarbeit, versucht Fullana den Handball auf der Insel wiederzubeleben. Gemeinsam mit Palmas Sportamt IME wird an den Schulen für den Sport geworben. „Wir konnten die Anzahl der Mitglieder unseres Verbandes seit 2013 auf diese Weise um 70 Prozent auf 1.800 steigern", so Fullana.

„Wobei auf Mallorca fast alle Mitglieder in Palma spielen", wendet Óscar Mójer ein. Der 27-jährige Mallorquiner war im vergangenen Jahr als Trainer vom Männerteam Mata de Jonc aktiv. Mit sieben anderen Clubs aus Palma und Ibiza spielt der Verein in der balearischen Staffel der vierten und somit letzten spanischen Liga. „Nach einer Weile kennt man die Gegner in- und auswendig. Man macht immer den gleichen Spielzug, und der Gegner reagiert immer ähnlich. Mit mehr Gegnern würden die Spieler auf Mallorca mehr lernen." Im vergangenen Sommer bot sich für Mójer die Möglichkeit, bei einem Erstliga­club anzuheuern. Als Co-Trainer der ersten Mannschaft und Leiter des Nachwuchszentrums ist er nun bei BM Benidorm aktiv.

Präsident Raúl Fullana bedauert den Abgang. Mójer verfügt über einen Trainerschein vom ­internationalen Verband IHF. „Damit kann ich selbst Nationalteams und Vereine in der Champions League trainieren." Fullana hatte dem Mallorquiner einen Posten im Verband angeboten. „Ich sollte ein Leistungszentrum führen. Das wäre allerdings ein langjähriges Projekt gewesen. Mit dem Angebot von Benidorm hatte ich eine einmalige Chance, die ich wahrnehmen musste."

In Palma hat Mójer eine solide Nachwuchsarbeit hinterlassen. „In der vergangenen Saison sind sechs Spieler in das Blickfeld der spanischen Juniorennationalmannschaft gerückt. Einer davon wurde zu einem Trainingslager mit dem spanischen Team eingeladen."

Den Sprung von den Junioren von Mata de Jonc zu den Herren in die Liga Asobal hat im vergangenen November Pere Vaquer geschafft – und das beim spanischen Vorzeigeclub FC Barcelona. „Das war nicht einfach. Vor allem, wenn man aus einer Region kommt, wo Handball eine Randerscheinung ist", sagt der Spieler, der eigentlich der Top-Torjäger der zweiten Mannschaft des FC Barcelona ist. „Ich bin der einzige Mallorquiner in der ersten Liga, weil es zu wenig Spieler, zu wenig Wettbewerb und dadurch kaum Möglichkeiten zur Werbung für den Sport gibt."

Dass die Mallorquiner durchaus wieder Geschmack am Handball finden könnten, zeigen die Spiele der Jugendmannschaft Mata de Jonc. „Zu Saisonbeginn war die Halle leer. Zu den Finalspielen der Balearen-Meisterschaft haben die Leute dann aber gar hinter den vollen Rängen gestanden", sagt Mójer.

Noch mehr los ist auf Ibiza. Dort zeigt der Einsatz des Präsidenten erste Erfolge. Mit Bfit-Muchoticket Puchi spielt ein Frauenteam in der ersten Liga, bei den Herren hat der HC Eivissa den Aufstieg in die dritte Liga geschafft. „Das wäre auch auf Mallorca möglich. Von den Bedingungen besteht eigentlich kein Unterschied", sagt Fullana. Bis auf einen: „Auf Mallorca findet sich kein Sponsor."

So wird sich Fullana wohl noch eine Weile damit begnügen müssen, bei internationalen Begegnungen seinen Landsmännern vom Festland zuzujubeln. „Eine Neuauflage des Finalspiels 2016 Deutschland gegen Spanien würde ich sofort unterschreiben. Dann wäre mir sogar egal, wer gewinnt." Deutschland startet am Samstag (13.1., 17.15 Uhr, live im ZDF) gegen Montenegro ins Turnier. Spanien trifft eine Stunde später auf Tschechien.

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