Das 'Café Lírico' in Palma macht dicht
Seit über 120 Jahren gibt es das beliebte Café. Eine Mieterhöhung - von 3.000 auf 11.000 Euro - soll die Geschichte nun beenden. Hat Palmas Innenstadt nur noch Platz für Großunternehmer?

Café Lírico Passeig Born Mallorca / Foto: G. Bosch
Mit dem 'Café Lírico' in der Verlängerung des Passeig del Born in Palma soll eines der ältesten Straßencafés auf Mallorca schließen. Eine für Ende 2017 angekündigte Mieterhöhung - von 3.000 auf 11.000 Euro - setzt für die Betreiberfamilie Ferrer Mas den traurigen Schlusspunkt für eine Bar, die über 120 Jahre lang ihre Kunden bediente. Unter dem Namen 'Ca s'Andritxol' machte die Wirtschaft 1894 auf. Die Familie Ferrer Mas betreibt sie unter dem aktuellen Namen bereits seit vor dem Spanischen Bürgerkrieg.
Hintergrund: Café Lírico - Endzeitstimmung im Künstler-Wohnzimmer
"Wir leben in anderen Zeiten und die Welt lässt sich nicht anhalten", erklärt Salvador Ferrer. Damit bezieht er sich auf den Einzug von großen Unternehmen, die den Straßenzug am Passeig del Born und die Avenida Antoni Maura in den vergangenen Jahrzehnten in Beschlag genommen haben. Der Mietvertrag laufe im Dezember 2017 aus und "verständlicherweise wollen die Eigentümer von dem Boom der Innenstadt profitieren und verlangen eine Miete, die dem entspricht, was aktuell im Zentrum bezahlt wird, aber die können wir nicht zahlen, das können nur die großen Unternehmen", erklärt Ferrer. Und sein Cousin Antoni Mas frage sich in Bezug auf die neuen Preise schon seit Jahren: "Wie viele Cafés muss man zu welchem Preis verkaufen, um solche Mieten zu zahlen?"
Hintergrund: Diese Cafés haben Geschichte geschrieben
"Das Leben geht weiter und man muss nach vorne schauen", meint Ferrer. Allerdings wisse er noch nicht, wie es jetzt weitergehe. Erst vor zwei Wochen war sein Vater, Sebastià Ferrer Mas im Alter von 84 Jahren gestorben. Dieser hatte das Lokal vor Jahrzehnten mit seiner Frau Margarita Bauzá von seinem Vater, Salvador Ferrer Artigues, übernommen. "Um die Übernahme der Bar zu zahlen, musste er drei Häuser verkaufen", erzählt nun der Enkel. "Schon damals war der Straßenzug sehr beliebt, weil gegenüber das Theater Lírico war und viele Künstler das Lokal nach den Aufführungen besuchten." /tg
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