30. April 2009
30.04.2009

"Walküre" im Kino: Dominik von Stauffenberg im Interview

05.02.2009 | 01:00
Dominik von Stauffenberg nach dem Kinobesuch.

Der Film "Walküre" ist auch in den spanischen Kinos gestartet. Im Mittelpunkt der amerikanischen Produktion steht Tom Cruise, der den Hitlerattentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg verkörpert. Dessen Name wird wie kein anderer mit dem Widerstand gegen Adolf Hitler verbunden. Zu den ersten Besuchern, die den Film auf Mallorca gesehen haben, gehörte Mallorca-Resident Dominik Schenk Graf von Stauffenberg, dessen Großvater ein Vetter des Hitler-Attentäters war.

Herr Stauffenberg, wie hat Ihnen der Film gefallen?

Im Großen und Ganzen sehr gut. Er hatte natürlich einen typisch amerikanischen Einschlag. Das heißt, er wurde mit sehr viel Pathos gemacht. Das ein oder andere Detail wurde auch kinogerecht hinzugedichtet. Aber das war zu erwarten, schließlich handelt es sich ja nicht um einen Dokumentarfilm.

Auch Historiker kritisieren historische Ungenauigkeiten. Welche hat Sie besonders gestört?

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg, die Frau des Attentäters, wurde so dargestellt, als ob sie von Anfang gewusst hätte, welche Pläne ihr Mann hatte. Dem ist sicherlich nicht so. Sie wusste zwar, dass er sich dem deutschen Widerstand angeschlossen hatte. Von den konkreten Plänen des 20. Juli hatte sie aber keine Ahnung. Ihr Mann hat sie schon deshalb nicht eingeweiht, um sie und die Familie nicht in Gefahr zu bringen.

Teile Ihrer Familie haben die Produktion bereits im Vorfeld sehr kritisiert. Wie wurde der Film von Ihren Verwandten aufgenommen?

Bisher habe ich nur sehr positive Reaktionen gehört.

Wie hat Ihnen Tom Cruise als Hauptdarsteller gefallen?

Ich finde, er hat seine Sache sehr gut gemacht. Er ist eben ein guter Schauspieler. Dennoch fand ich Sebastian Koch in der deutschen Version von Jo Baier überzeugender. Aber das ist für mich nicht weiter verwunderlich. Denn für einen Amerikaner ist es sehr schwer, sich in die Situation des Deutschen hineinzuversetzen. Sebastian Koch hatte sich seinerzeit im Vorfeld der Dreharbeiten sehr intensiv mit der Figur des Claus Schenk Graf von Stauffenberg auseinandergesetzt. Er hat allein über einen Zeitraum von zwei Wochen mit dessen Frau Nina über ihn gesprochen und sich ein sehr genaues Bild gemacht.

In der amerikanischen Version wird die Person Stauffenberg sehr stark in den Vordergrund gestellt. Zu Recht?

Nein, das ist ein weiterer Punkt, den ich kritisiere. Hinter dem Attentat stand nicht nur Stauffenberg als Attentäter. Es war eine Verschwörung, an der viele andere beteiligt waren, und die in dem Film in seinen Schatten gestellt werden. Da wird die Handschrift amerikanischer Filmemacher sehr deutlich. In Hollywood-Produktionen liebt man eben den einzelnen Helden: Einer allein gegen das Böse. So ist es nicht gewesen. Auch wird er als ein deutscher Rambo dargestellt, der er in Wirklichkeit nicht war.

Wie war er denn?

In meiner Familie wird er als ein sehr charmanter und intellektueller Mensch mit einem sehr einnehmenden Wesen beschrieben, der Leute mit seiner freundlichen Art für sich gewinnen konnte.

Werden Sie derzeit sehr oft auf den Film angesprochen?

Ja, das ist doch klar. Viele fragen mich nach meiner Meinung zu dem Film. Vor allem viele spanische Freunde.

Hat sich das historische Bild Deutschlands bei Ihren Freunden gewandelt?

Ich glaube schon, dass der Film eine wichtige Funktion erfüllt. Er macht deutlich, dass es in Deutschland eben nicht nur Nazis gab, wie man weithin annimmt, sondern auch Menschen, die sich gegen das Regime aufgelehnt haben.

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