08. November 2018
08.11.2018

So geht Fetisch auf Mallorca

Der spanische Leder-Fetisch-Verband hat zum ersten Mal den Mr. Baleares gewählt. Es wurde auch Deutsch gesprochen

08.11.2018 | 01:00
Tony (ganz rechts) überzeugte später mit Engelsflügeln und holte den Titel.

Auch ohne das Schild: „Frauen verboten, nur Männer", an der Kasse der Dark Cruising Bar in Palmas Stadtteil Bons Aires, ist ziemlich offensichtlich, dass hier heute Abend für 11 Euro ein spezielles Programm geboten wird. Auf einem großen Fernseher läuft ein Schwulenporno. Keiner der sanften Sorte. Das Publikum ist aber mehr mit sich selbst beschäftigt. Die meisten Männer sind halbnackt, wenn überhaupt wird Lack und Leder getragen. Der Altersdurchschnitt bewegt sich um die 35. Es wird laut geredet – viel Spanisch, aber auch immer wieder hört man deutsche Wörter. Musik spielt leise im Hintergrund. Zum Tanzen sind die gut 100 Männer nicht in die winzige Bar gekommen. Sie wollen an diesem Freitag (2.11.) den ersten Mr. Fetish Baleares wählen. Es ist das Highlight der ebenfalls zum ersten Mal stattfindenden „Mallorca Fetisch Week" vom 31.10 bis 4.11.

Veranstaltet wird das Spektakel vom spanischen Leder-Fetisch-Verband SLFC. „Den gibt es seit anderthalb Jahren in Barcelona", sagt der Präsident Janos Martemyi aus Ungarn in fließendem Deutsch. Er selbst war Mr. Fetish Spanien 2017 und moderiert die Wahl in einem Outfit, das Ausschnitte an Brust und Hintern aufweist. „Auf der Straße kann ich mich damit nicht blicken lassen. Aber Ledersachen trage ich auch auf Arbeit", sagt er. Er ist bei einem Autohaus in Barcelona im Personalwesen angestellt. Sex ohne Harness könne er sich nicht vorstellen, plaudert er drauflos.

Harness, das ist ein Gurt, der um die Brust geschnallt wird. Praktisch, wenn man jemanden anleinen will. Viele Besucher tragen ihn. Janos Martemyi geht auf die Bühne, die Wahl soll zweisprachig moderiert werden. „Englisch oder Deutsch?", fragt er. Bei Deutsch gehen vier Hände hoch, die Sache ist geregelt. Mario ist extra aus Bremen angereist, um einen der Kandidaten zu unterstützen. „Der Lederfetisch ist etwas typisch Deutsches", sagt er. Zumindest gebe es dort mehr solcher Partys als in Spanien. „Das liegt auch am Klima", sagt Mario. „Bei den Temperaturen auf Mallorca wird es in der Kluft schnell zu heiß."

Dann geht der Wettbewerb los, fünf Kandidaten stehen zur Wahl. Die Teilnahmebedingungen sind recht einfach: Spanier sein oder in Spanien wohnen. Die fünfköpfige Jury besteht unter anderem aus Mister Fetisch Spanien 2018 und einem Mitglied einer Organisation zur HIV-Aufklärung. Das Publikum kann mit Zetteln abstimmen.

Zuerst gibt es eine Vorstellungsrunde. Elipa präsentiert sich in einer ledernen Polizeikluft, German hat außer einer Unterhose nur einen Schulterschutz vom American Football an, und Moses versucht es in einem Ganzkörperanzug aus Latex. Pedro und Tony starten mit traditionelleren Leder-Outfits. In der zweiten Runde müssen die Kandidaten erklären, was sie als Mr. Fetish Baleares machen würden. Es gilt in erster Linie, gegen Vorurteile zu kämpfen. „Das zweite Coming-out ist meistens schlimmer", sagt Martemyi und meint damit, sich nach dem Schwulenbekenntnis auch als Leder-Fetischist zu outen. „Die meisten Leute denken, dass der Leder-Fetisch automatisch mit Sadomaso verknüpft ist. Aber nicht jeder von uns steht auf das Prügeln." Mario hat nichts dagegen. „Wir sind keine Monster und auch keine Antichristen. Ich möchte unsere Szene sichtbar machen", sagt Kandidat Moses. „Ich bin der Beweis, dass nicht alle Fetisch-Typen harte Kerle sind." Seinen Leder-Tick beschreibt er damit, dass er es mag, in den engen Klamotten kaum atmen zu können.

An der Reaktion des Publikums gemessen scheint Moses lange der Favorit. Für die letzte Runde wechseln die Kandidaten das Outfit. Pedro tritt in einem Fetzenrock auf, unter dem er noch eine Unterhose trägt. Unter dem Jubel des Publikums entledigt er sich noch dieser. „Zehn Punkte mehr", schreit Mr. Fetish Spanien von der Jury. Dann werden Fragen der Jury zum Umgang mit HIV, dem Coming-out und dem Lieblingsoutfit beantwortet. Tony schlägt sich am besten, gewinnt die Wahl und knutscht mit seinem Freund unter dem Jubel aller auf der Bühne. Er bekommt Gutscheine für Ledergeschäfte, einen Hotelaufenthalt auf Mallorca und ein Fotoshooting. Zudem darf er bei der „Mr. Fetish Spanien"-Wahl im März 2019 in Barcelona teilnehmen. Die anderen Kandidaten bekommen eine Ensaimada und eine Sobrassada. Nicht alle sind zu dem Zeitpunkt noch auf der Bühne, um die Preise entgegenzunehmen. Pedro esta ocupado, ruft jemand aus dem Darkroom nebenan, wo man sich bekanntlich gerne näherkommt.

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