06. August 2019
06.08.2019

Der illegale Alltag der Tiqueteros auf Mallorca

Als Promoter an der Playa de Palma für Partys, Ausflüge oder Elektroroller zu werben, ist ein beliebter Ferienjob auf der Insel. Ganz legal geht es dabei nicht zu. Und hart ist es auch. Eine junge Deutsche erzählt

06.08.2019 | 01:00
Die Promoter müssen sich vor der Polizei in Acht nehmen.

Alkohol als Zungenlöser, Angst vor Polizeikontrollen und Schwarzarbeit – man muss die Playa de Palma auf Mallorca schon sehr mögen, um sich als Promoter in der deutschen Urlauberhochburg durchzuschlagen. Die MZ hat eine 20-jährige Deutsche getroffen, nennen wir sie Yasmin Schlüter, die im vergangenen Sommer als tiquetera am Ballermann gearbeitet hat.

Anders als viele andere Arbeitskräfte an der Playa kam sie nicht für den Saisonjob auf die Insel. Schlüter studierte hier Tourismusmanagement. „Ich wollte ursprünglich nebenbei als Kellnerin arbeiten, aber Mitte April waren alle Stellen schon weg." Ein Bekannter riet ihr dazu, sich als Promoterin zu versuchen. „Ich hatte so etwas noch nie gemacht, aber da mein Spanisch nicht ganz so gut war, konnte ich so wenigstens auf Deutsch arbeiten." Beim Vorstellungsgespräch stellte der Chef der Promotion-­Firma das Arbeitsprogramm vor. „Wir haben Partybootausflüge angeboten, Roller und sonstige Elektrofahrzeuge angepriesen." Die dazugehörigen Geschäfte liegen auf Höhe von Balneario 0, 3 und 6. „Da ich keinen Vertrag hatte, gab es auch keine Regelungen zu den Arbeitszeiten", so Schlüter.

Sie arbeitete auf Provisionsbasis in zweifacher Hinsicht illegal. Schlüter zahlte keine Steuern, und die Benimmregeln an der Playa de Palma untersagen das Verteilen von Flyern am Strand und vor den Geschäften. Ein Probetag mit einem erfahrenen Promoter stellte die komplette Schulung dar. „Vor der Polizei sollten wir uns in Acht nehmen." Von den erfahrenen Promotern bekam sie den Tipp, keine Flyer mit auf die Straße zu nehmen, damit die Polizei bei einer Kontrolle nichts nachweisen kann. Zudem galt die Devise, bei einem Polizisten in Sichtweite so zu tun, als ob man selbst Urlauber sei.

Die schüchterne Deutsche hatte anfangs so ihre Probleme. „Ich habe in der ersten halben Stunde zaghaft zwei Leute angesprochen, die aber nicht stehen geblieben sind." Das sah der Chef und war wenig begeistert. „Er kam um 10.30 Uhr am Morgen, drückte mir einen Wodka Lemon in die Hand und sagte: ,Trink aus, damit du lockerer wirst.'" In der Folge stand der Chef hinter ihr und soufflierte ihr die Anmachsprüche ins Ohr, mit denen sie die Kunden zum Stehenbleiben bewegen sollte. „Meistens haben wir die albernen T-Shirts oder Schuhe gelobt." Der Alkohol am Morgen gehörte nach kurzer Zeit dazu. „Die meisten Kollegen tranken während der Arbeit, einige haben auch härtere Drogen genommen." Die Stimmung unter den tiqueteros sei aber gut gewesen. Prügeleien, wie sie angeblich in
Magaluf vorkommen, wo die Promoter um die besten Plätze an der Promenade kämpfen, habe es nicht gegeben.

Der Stundenverdienst der Deutschen hing von einer Mischung aus Glück und Verkaufstalent ab. „Ich habe in anderthalb Stunden im Durchschnitt 100 Leute angesprochen. Davon blieben etwa 15 stehen und davon wiederum kauften ein oder zwei etwas." Für jeden Verkauf bekam sie zwischen 10 und 20 Prozent, je nach Angebot. Eine Partybootfahrt kostet beispielsweise 60 Euro. „An guten Tagen hatte ich bis zu 100 Euro in der Tasche." Ausgezahlt wurde der Verdienst in bar.

Fünf Stunden pro Tag, jeden Tag die Woche, stellte sich Schlüter vor das Geschäft am Ballermann 6. „Natürlich gab es auch immer wieder Tage, an denen ich sinnlos rumstand und nichts verdient habe." Am besten haben sich die E-Roller mit dicken Rädern verleihen lassen. „Die waren der Renner." Nach zwei Monaten verlor Schlüter die Lust an dem Job. „Es hat nicht mit dem Studium gepasst. Letztlich stand ich einfach zu viele Stunden am Ballermann herum." Lust, noch einmal als Promoterin am Ballermann zu arbeiten, hat sie keine. Sie bereut aber auch die Erfahrung nicht. „Immerhin bin ich in dieser Zeit um einiges selbstbewusster geworden."

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