31. Januar 2020
31.01.2020

Neues Buch: Peter Maffay ist im "Hier und Jetzt" angekommen

Eine Art Vermächtnis: Der Mallorca-Fan singt ein Loblied auf die Natur und die bayerische Heimat - und nimmt auch ein wenig Abschied von der Insel

31.01.2020 | 10:13
Liebt die Landwirtschaft: Peter Maffay.

Peter Maffay ist an einem Punkt im Leben angelangt, wo viele Bilanz ziehen. Der Musiker, Wohltäter und Mallorca-Fan hat das vergangenes Jahr aus Anlass seines 70. Geburtstages in etlichen rückblickenden Interviews getan, darunter auch eines in der Mallorca Zeitung, und er hat ein Album veröffentlicht, das eine vertonte Standortbestimmung ist („Jetzt"). Nun folgt auch noch ein Buch: „Hier und Jetzt. Mein Bild von einer besseren Zukunft" (Lübbe Verlag, 20 Euro).

"Kleine intakte Welt"

Es ist zunächst einmal eine Ortsbegehung: Mit seiner Stiftung und auch einem Teil seines Privatvermögens hatte Peter Maffay 2015 das Gut Dietlhofen bei Weilheim in Oberbayern gekauft. Diese „kleine, intakte Welt, eingebettet in eine wunderschöne Landschaft" will er teilen, nicht nur mit Kindern in schwierigen Lebenssituationen wie in den anderen drei Häusern der Stiftung auf Mallorca, in Rumänien und in Bayern, sondern mit all jenen, die womöglich den Bezug zur (Bio-)Landwirtschaft und der Natur verloren haben.

Das ist der Rahmen. Darüber hinaus geht es um - so ziemlich alles. Maffay teilt seine Ansichten zum Gebrauch von Seife, Shampoo und Waschmitteln (besser nicht so viel, wegen des Mikroplastiks), erklärt die Vorteile der Gründüngung (zieht Insekten an, lockert den Boden, bildet Humus) und macht einen Vorschlag, um die Folgen der Automatisierung für die Rentenkasse abzufedern (Produktivitätssteigerungen besteuern). Er nimmt zur Aufnahme von Geflüchteten und Einwanderern Stellung („Alles hat ein Limit"), bekennt sich zu Gott („Der Motor meines Lebens ist der Glaube") und stellt Betrachtungen zum Leben im Allgemeinen an („Menschen, die sich keine Ziele setzen, laufen Gefahr zu verkümmern").

Ganz privat bleibt außen vor

Eingestreut ist Persönliches, Erinnerungen an seine Kindheit in Rumänien, die eine oder andere Mallorca-Anekdote (inklusive des „Flops" mit dem Bioladen in Pollença), Einrichtungsdetails aus seiner Wohnung am Starnberger See. Es geht um Freundschaft, etwa mit Sigmar ­Gabriel. Und natürlich Liebe – zum Vater, zu seiner 38 Jahre jün­geren Lebensgefährtin Hendrikje ­Balsmeyer, der gemeinsamen Tochter Anouk sowie auch seinem Sohn Yaris, der mit seiner Mutter Tania Spengler, Maffays vierter Ehefrau, weiter auf Mallorca lebt. Das alles liest sich dennoch eher anekdotisch als existenziell: Die einstige Alkoholsucht, ein unverschuldeter tödlicher Autounfall 1975, die sicherlich auch schmerzhaften Trennungen von seinen vorherigen Frauen sind ausgespart. Der wirklich private Peter Maffay, er bleibt außen vor.

Die Marke Maffay

Er hat das Buch nicht allein geschrieben, Co-Autorin ist seine PR-Agentin Gaby Allendorf. In der ­Eigendarstellung auf der Website ihrer Agentur heißt es: „Zusammen mit unseren Klienten erarbeiten mein Team und ich individuelle Konzepte für die Entwicklung von Menschen zu Marken, sogenannten Human Brands." Peter Maffay also als human brand, als „menschliche Marke". Im Buch verdichtet ist das der erfolgreiche, vermögende und disziplinierte, zugleich aber geerdete und bodenständige Rockstar, der im Angesicht der Klimakrise noch vehementer für einen bewussteren und behutsameren Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten eintritt und dazu aufruft, sich für ­unsere Mitmenschen zu engagieren. Glaubwürdig sind Marken nur, wenn Taten dahinterstecken. ­Maffay kann da einiges vorweisen.

"Ich bin angekommen und möchte bleiben"

Die MZ hat Peter Maffay vergangenes Jahr für sein Engagement auf der Insel ausgezeichnet. Im Gespräch ließ er schon damals durchblicken, dass er Mallorca schon wegen seines Sohnes Yaris weiter im Herzen trägt, sich aber zugleich immer weiter von der Insel und der Tabaluga-Stiftung in Pollença entfernt. So liest sich auch „Hier und Jetzt". Vor einigen Jahren hätte er noch gesagt, dass Heimat dort ist, wo „ich selbstbestimmt ­leben und mich verwirklichen kann". Das hätte Mallorca sein können, Kanada oder auch anderswo. Nun stelle er fest, dass die Gegend vom Starnberger See bis Oberbayern ihm so vertraut ist, dass er ein Teil davon geworden sei: „Ich bin angekommen und möchte bleiben."

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