29. Februar 2020
29.02.2020

Die Hundeflüsterin mit dem gewissen "Klick"-Faktor

Andrea Keller ist mit Mischling Möhrchen in Spanien unterwegs, um Tierhaltern ihre Hilfe anzubieten. Eigentlich wollte sie eine Pension für Vierbeiner eröffnen. Doch das Leben auf Achse hat es ihr angetan

29.02.2020 | 01:00
Hundedame Möhrchen und Andrea Keller machen Station in Porreres.

„Klick, Klick" – und Möhrchen ist hellwach. Der 16 Jahre alte Mischlingshund blickt erwartungsvoll mit seinem verbliebenen gesunden Auge zu Andrea Keller. Die Hundetrainerin lobt ihren Schützling mit einer kurzen Streicheleinheit für seine Aufmerksamkeit, dann legt sich Möhrchen wieder auf sein Kissen in die Sonne und schläft weiter. „Bei meinem Training dreht sich alles um positive Bestärkung", sagt Andrea Keller. Die 49-jährige Deutsche betreibt eine Hundeschule auf sechs Rädern und bereist mit ihrem Wohnwagengespann Spanien. Vor zwei Monaten ist sie auf Mallorca angekommen. Die Insel ist ein vertrauter Ort, von 1997 bis 2012 hat sie hier gelebt und ein eigenes Zahnlabor in Palma betrieben. Heute (13.2.) macht sie in ihrer neuen Tätigkeit Station in Porreres, um einer Familie zu helfen, die Probleme mit ihrem Hund hat.

„Mein wichtigstes Werkzeug ist der Marker", sagt sie. Mit dem kleinen Gerät erzeugt sie Klickgeräusche, auf die sie die Hunde konditioniert. „Mit jedem Klick kommt eine Belohnung daher. Das kann ein Leckerli sein, lobende Worte oder eine Streicheleinheit." Gutes Verhalten wird belohnt, falsches aber nicht abgestraft, sondern am besten ignoriert. „Die Erziehung beginnt vor dem Fehlverhalten." Ihre Methoden basieren unter anderem auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen des russischen Physiologen Iwan Petrowitsch Pawlow und seiner behavioristischen Lerntheorie, nach der ein bestimmtes Verhaltensmuster durch äußere Reize aktiviert werden kann.

Ihre Ausbildung zur Hundetrainerin hat sie vor fünf Jahren in Deutschland begonnen. „Ich lebte damals in Bremen, arbeitete in einem Zahnlabor und die Beziehung, für die ich von Mallorca in die Hansestadt gezogen war, zerbrach." Ärzte diagnostizierten ein Burn-out, Andrea Keller begab sich in eine Therapie.

Danach wollte sie nicht mehr in ihrem Beruf zurückkehren. „Eine Freundin von mir betrieb einen Hundesalon, dort habe ich ausgeholfen." Schon als Jugendliche hatte Andrea Keller die Hunde ihrer Eltern auf einem Hundeplatz ausgebildet. Nach der Schule wollte sie eigentlich zur Hundestaffel der Polizei, wo sie aber nicht angenommen wurde.

Im Hundesalon bei Bremen entdeckte sie ihre alte Leidenschaft wieder. Für die Kunden begann sie, auf die Tiere aufzupassen. „Mithilfe des Rententrägers habe ich eine Umschulung zur Dogwalkerin begonnen." Sie besuchte die Schule von Anne Rosengrün in Nürnberg, wo die positive Bestärkung der Tiere gelehrt wird. Weitergebildet hat sie sich dann unter andern bei Ute Blaschke-Berthold, einer Expertin für Tierverhaltenstherapie. 

Nach vier Jahren Ausbildung und mit dem Hundetrainerschein gemäß Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes in der Tasche, arbeitete sie zunächst für die Hundeauffangstation „Häuser der Hoffnung" in Bernau am Chiemsee. Dort wird eine ganzheitliche Medizin für die Tiere angewandt. Homöopathie mit Globuli-Kügelchen für Hunde? „Funktioniert", so Andrea Keller.

Obwohl ihr der Job in der Schule gefallen hatte, wollte sie zurück in die Sonne nach Mallorca. „Mein Plan war, hier eine Hundepension zu eröffnen. Dafür habe ich den Wohnwagen gekauft, der mir als erstes Büro dienen sollte." Ihre Wohnung und das Labor auf der Insel hatte sie damals verkauft. 2.100 Euro gab sie für den Wohnwagen aus, 1.000 Euro steckte sie zusätzlich hinein, um eine Solaranlage zu installieren, die Stromkabel neu zu verlegen und den Innenraum etwas hübscher zu gestalten.

Am 11. April 2019 fuhr sie mit Möhrchen los. „Der Reise von Deutschland bis hierher war für mich so etwas wie der Jakobsweg", erzählt sie. Zunächst ging es über die Pyrenäen nach Santander an der Küste im Nordwesten entlang. Über Facebook bot sie an, private Kurse für Hundehalter zu geben. „Ich wurde von einem Deutschen in Madrid angeschrieben, also bin ich dahingefahren." 45 Euro nimmt sie für 90 Minuten Training, nach vier bis sechs Einheiten verspricht sie eine signifikante Besserung im Verhalten der Tiere. „Dabei flüstere ich weniger den Hunden zu als den Menschen. Die Hunde kapieren schnell, worum es geht."

Ein typisches Problem vieler Hundehalter sei etwa, dass das Tier an der Leine zieht – vor allem, wenn sich ein anderer Hund nähert. „Früher wurde gelernt, dass ein kurzer, harter Ruck an der Leine hilft." Doch das sei nicht die richtige Methode. „Der Hund verbindet den Schmerz am Hals nicht mit seinem Fehlverhalten, sondern mit dem anderen Hund, der eh schon negativ wahrgenommen wird und jetzt erst recht zum Feind wird." Stattdessen wird der andere Hund mit etwas positivem verbunden, wie dem Klicken und Leckerli geben. Am Ende freut sich der Hund über die Begegnung. 

Andrea Keller gibt auch Tipps, wie man das Hochspringen am Bein verhindert, wie man den Tieren das Bellen abgewöhnt, wenn sie alleine sind, oder wie man es schafft, dass der Hund beim Rufen sofort zurückkommt. „Dann gibt es natürlich einen wahren Keksregen oder besonders hochwertige Leckerli", sagt sie. Dabei kann die Belohnung auch aus etwas anderem als einem Leckerli bestehen. 

Der erste Kunde in Madrid hat sie an Freunde weiterempfohlen, 15 Kunden konnte sie auf dem Festland gewinnen, von Cadiz bis Valencia. Darunter auch viele Spanier. Auch auf Mallorca habe sie um die 15 Klienten. „Viele wollen, dass ich länger als ein, zwei Wochen bleibe. Doch dann ziehe ich meist wieder los.

Das Reisen im Wohnwagen zwingt sie dazu, minimalistisch zu leben. „Man muss sparsam mit seinen 20 Liter Wasser sein, die in den Tank passen." Sie sei aber noch nie so glücklich gewesen. „Ich nehme mir viel Zeit zwischen den Terminen bei den Kunden und halte an den schönsten Plätzen." In den eineinhalb Jahren, die sie unterwegs ist, wurde sie nur zweimal von Polizisten ermahnt, dass sie weiterfahren solle. Angst habe sie generell keine. „Ich höre auf mein Bauchgefühl. Einmal habe ich wie hier auf einer unbenutzten Fläche geparkt, da ist ein Auto mit zwei Männern mehrmals langsam vorbeigefahren. Da habe ich mein Abendbrot wieder eingepackt und bin woandershin."

Bald verlässt Sie die Insel wieder, ab dem 18. März geht es zurück aufs Festland, um die anderen Klienten zu besuchen. Sie ist gespannt, wohin sie ihr Weg als rollender Hundecoach noch führen wird.

Kontakt: kellerdogacademy.com

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