04. November 2010
04.11.2010

Mallorcas Kunstproblem

Nach 15 Jahren: Joanna Kunstmann öffnet ihre Galerie für Interior Design. Den Kunstmarkt sucht sie außerhalb der Insel

04.11.2010 | 02:00

Sie ist eine der wenigen Ausländerinnen im harten Kern der Kunsthändlerszene auf Mallorca. Nach 15 Jahren verabschiedet sich ­Joanna Kunstmann nun aus dem Galerie-Alltag, jedoch nicht aus dem Markt. Die Galerie Kunstmann in Palma erhält mit Iris Stewen eine neue Betreiberin und einen neuen Geschäftszweck: Interior Design plus Kunst. Kunstmann behält weiterhin einen Fuß in der Galerie, deren Name vorläufig nicht geändert wird. Im ­Gespräch erklärt die Deutsche ihre Zukunftspläne und spricht über einen der großen Fehlschläge der insularen Kulturszene.

Dem neutralen Beobachter wird schwer klarzumachen sein, dass Ihr Schritt überhaupt nichts mit der Krise zu tun hat.
Ich will das Wort gar nicht in den Mund nehmen, muss aber zugestehen, dass derzeit in Spanien anderes wichtiger ist als Kunst, und dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, um mein Projekt umzusetzen. Als alles lief, blieb ja nichts anderes übrig, als in der Galerie zu sitzen und Kunst zu verkaufen.

Und das funktioniert heute nicht mehr?
Der Punkt ist ein anderer: Ich bin zum Schluss gekommen, dass ich in der gegenwärtigen Situation als Vermittlerin zwischen Interessenten und Künstlern effizienter agieren kann, wenn ich nicht in einer Galerie sitze. Indem ich mich dieser Anwesenheitspflicht entledige, kann ich verstärkt Sammler und Museen betreuen und auch Künstler in ihren Ateliers besuchen. Und die sitzen nicht nur auf Mallorca, sondern in Deutschland, in England, überall. Diese Art der direkten Kontaktpflege ist durch nichts zu ersetzen, und diese Arbeit habe ich lange vernachlässigt.

Personal ist keine Lösung?
Nicht im Kunstgeschäft. Das fiel mir schon auf, als ich eine Zeit lang in Santanyí und Palma zwei Standorte zugleich betrieb. Eine fundierte Beratung ist nur mit fundierten Kenntnissen möglich. Ich kenne meine Sammler, ich kenne die Künstler, ich habe Kunstgeschichte studiert, und ich habe die Galerie gegründet und gelebt – ein Angestellter kann das selbst bei besten Voraussetzungen nicht bieten. Deshalb will der Kunde von der Galeristin beraten werden.

Nun sind Sie aber ganz weg.
15 Jahre Galeristentätigkeit haben den jetzigen Schritt ermöglicht, ich will diese Jahre nicht missen. Doch letzthin war meine Laufkundschaft mehr Schaukundschaft als Kaufkundschaft. Mein neues Konzept erfordert Bewegungsfreiheit. Ich will wieder als Kuratorin tätig sein und auch als Art Consultant, also Kunden unabhängig von meinem Portfolio global beraten. Und ich bin eben nicht weg, arbeite nur anders.

Sind Sie eigentlich frustriert vom hiesigen Kunstmarkt?
Mallorca hatte die Chance, sich international gut zu positionieren, und hat diese Chance – aus welchen Gründen auch immer – nicht wahrgenommen. Der interessante Markt ist heute woanders, die Entwicklung ist an der Insel vorbeigelaufen. Auch deshalb will ich nicht an ein Geschäftslokal in Palma gebunden sein.

Was ist schiefgelaufen?
Die Kunstmesse Art Cologne Palma im Jahr 2007 war ein Schlüsselereignis. Sie fand keine Fortsetzung. Auf den Kunstmarkt der Insel hat sich dieser Fehlschlag nachhaltig negativ ausgewirkt.

Manche Galeristen hegen Zweifel am Nutzen von Kunstmessen.
Dort werden wichtige Kontakte geknüpft. Man sieht das in schwierigen Zeiten wie dieser: Künstler, deren Galerien die Kunstmessen abklappern, haben trotz der aktuellen Situation kaum Probleme. Die anderen müssen sich dringend etwas einfallen lassen oder mit anderen Berufen ihr Auskommen sichern.

Was hätte eine ständige Art Cologne Palma bewirkt?
Alleine die Ankündigung der Art Cologne, in Palma eine Kunstmesse zu veranstalten, rief enorme Erwartungen hervor. Ich kenne mehrere namhafte deutsche Galeristen, die sich damals ernsthaft mit dem Gedanken trugen, auf Mallorca eine Dependance zu eröffnen. Als klar wurde, dass die Art Cologne Palma eine Eintagsfliege war, wandten sich dieselben Leute schlagartig ab. Das Thema Mallorca war abgehakt, man hatte kein Interesse mehr.

Was sagen eigentlich Ihre Künstler dazu, dass deren Arbeiten nun in einem Geschäft mit Designmöbeln hängen? Überschreiten Sie damit nicht eine Schwelle?
Die alte Diskussion: Darf Kunst nur Kunst sein, oder darf sie auch dekorieren? Ich gebe zu, dass ich früher sehr puristisch gedacht habe. Nur muss man sich über eines im Klaren sein: Dass ein Kunstwerk gekauft wird, weil es gut übers Sofa passt, das wird es immer geben, daran kommt kein Künstler vorbei, so namhaft er auch ist. Meine Künstler haben mit der neuen Situation kein Problem.

Zumal sie weiter bei Ihnen präsent sind.
Wir werden weiterhin Ausstellungen machen, drei oder vier im Jahr. Und für diese Anlässe die Präsenz der Designobjekte zurücknehmen.

Am Donnerstag (4.11.) ab 19 Uhr feiert die Galerie Kunstmann in Palma mit den Interior-Designern Iris und Patrick Stewen eine Vernissage mit dem neuen Konzept „Interior Design und Kunst?.

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