06. August 2019
06.08.2019

Neues Künstlerkollektiv verschönert Felanitx

„19art col·lectiu" will beweisen, dass die Kleinstadt im Inselosten viel mehr zu bieten hat, als viele Urlauber und Einheimische glauben

06.08.2019 | 01:00
Ein Teil des Künstlerkollektivs „19art col·lectiu": Kate Morgental, Sue Saunders, Caterina Amengual, Mary Komocki, Claudia Rönnberg und Joanna Hegemann. Die männlichen Mitglieder waren zum Fototermin nicht dabei.

Wer aufmerksam durch Felanitx im Osten von Mallorca schlendert, der kann sie an vielen Ecken entdecken: kleine Gemälde, Skizzen oder Zeichnungen an Hauswänden, diskret und doch dekorativ, daneben meist ein schwarz-rotes Logo. „Die Guerilla-Aktionen gehen auf unsere Kappe", sagt Joanna Hegemann mit einem Grinsen. Die 57-jährige Illustratorin lebt seit 15 Jahren in Felanitx. Sie mag das Leben hier, fühlt sich zu Hause in dem Ort, dessen Stadtbild durch zahlreiche heruntergekommene Hausfassaden getrübt wird. Meist stehe Felanitx, auch was Kunst angeht, im Schatten der schicken Nachbargemeinde Santanyí. Dabei, findet Hegemann, sei die Künstlerszene hier keineswegs zu unterschätzen. Sie sei eben nur weniger sichtbar. Genau das sollen die Hingucker an den Hauswänden ändern – und mit ihnen ein neues Künstlerkollektiv.

„19art col·lectiu" heißt die Gruppe, die sich Anfang des Jahres gegründet hat. Etwa zehn Kunstinteressierte und Kunstschaffende aus der Umgebung haben sich darin zusammengetan. Weil sie es leid sind, allein auf weiter Flur um Aufmerksamkeit, Anerkennung oder geeignete Ausstellungsflächen zu kämpfen. Weil sie an das Potenzial von Felanitx glauben. Und weil sie hoffen, mittelfristig auch mehr Besucher in den vergleichsweise wenig touristisch frequentierten Ort zu locken.

Ein halbes Dutzend der Kollektiv-Mitglieder ist auch beim MZ-Besuch anwesend. Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Nationalität haben sich im Hinterhof des Ladenlokals M.Art gleich neben der Kirche zusammengefunden. Es wird gelacht, geschwatzt und natürlich gemalt – statt Hauswänden sind diesmal drei Holzplatten dran, die später zentral an der Kirchwand angebracht werden sollen. „Das ist einer unserer ersten Gemeinschaftsaufträge", erklärt Claudia Rönnberg. Die bildende Künstlerin aus Mainz lebt seit gut anderthalb Jahren dauerhaft in Felanitx und hatte gemeinsam mit Hegemann im vergangenen Herbst erstmals die Idee, ein Kollektiv zu gründen. Zusammen organisierten sie erste Treffen.

„Ich hätte gar nicht gedacht, dass wir so schnell so viel auf die Beine stellen", sagt Rönnberg. Die bemalten Holzplatten hat das Rathaus von Felanitx für die Nit de l'Art am 23. August in Auftrag gegeben, ebenso wie ein großes plastisches Kunstwerk. „Das freut uns besonders, zumal unsere Wandzeichnungen zunächst auf behördlichen Widerstand gestoßen sind", so Rönnberg.

Nicht zuletzt Caterina Amengual sei es zu verdanken, dass der Kontakt zum Rathaus mittlerweile einwandfrei laufe. Die studierte Kunstmanagerin und Ladenbesitzerin ist die einzige Mallorquinerin im Kollektiv, auf dessen monatlichen Treffen wegen der zahlreichen Nationalitäten vor allem Englisch gesprochen wird. „Felanitx braucht solche Anstöße, ich habe das Gefühl, Projekte zur touristischen Belebung und zur Instandhaltung des Ortskerns pausieren seit Jahren. Mit unseren Aktionen können wir Anstöße geben, die der Gemeinde letztlich nur guttun", ist die 27-Jährige überzeugt. Dass nicht mehr Insulaner Interesse an der Gruppe zeigen, tut sie mit einem Schulterzucken ab. „Da ist eben die Sprachbarriere, Englisch schreckt viele ab."

„Sich gegenseitig helfen, inspirieren und natürlich Spaß haben", definiert die britische Grafikdesignerin Mary Komocki den Sinn des Kollektivs. Die Londonerin wohnt seit 22 Jahren in Felanitx und weiß, wie schwer es ist, geeignete und bezahlbare Ausstellungsräume für Vernissagen zu finden. „Zusammen kann man mehr erreichen." Die 31-jährige Produkt-Designerin Kate Morgental aus der Ukraine nutzt die neue Gruppe derweil vor allem dafür, Kontakte zu knüpfen. Sie ist bisher nur monateweise auf der Insel. Joanna Hegemann tunkt einen Pinsel in ein Glas mit weißer Farbe und blickt zufrieden auf das entstehende Kunstwerk auf den Holzplatten. „Wir wollen für Gesprächsstoff sorgen. Auf der Nit de l'Art, aber auch im Alltag", sagt sie.

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