16. Oktober 2019
16.10.2019

Kindertheater auf Mallorca ist alles andere als Kasperkram

Vier Tage lässt das Kinder- und Jugendtheater-Festival FIET in Vilafranca de Bonany nicht nur die Puppen tanzen. Viele der Stücke behandeln aktuelle Themen, aber es gibt auch einiges zum Staunen

16.10.2019 | 18:36
Die Kompanie Xip Xap erzählt in „Hamelí" die Geschichte des Rattenfängers von Hameln.

Dass das Kinder- und Jugendtheaterfestival FIET in Vilafranca de Bonany zu den hochkarätigsten Kulturevents des Herbstes auf Mallorca gehört, ist kein Geheimnis. Bereits zum 17. Mal findet das Festival, das zum großen Teil durch die Bewohner des kleinen Örtchens im Herzen Mallorcas getragen wird, ab diesem Donnerstag (17.10.) bis Sonntag statt. So lange hält sich solch ein Event nur, wenn man ­beständig Qualität liefert. Und sich nicht auf ­Kasperletheater beschränkt.

Kinder und Jugendliche wollen gefordert werden – und das Festival bietet in diesem Jahr zahlreiche Stücke, die sich auf kreative Weise mit aktuellen Themen auseinandersetzen. Etwa die valencianische Kompanie La Negra, die sich Jule Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer" vornimmt und daraus Nautilus macht – ein Abenteuer rund um den Schutz der Umwelt (Freitag, 17 und 20 Uhr, Schule Es ­Cremat, ab 5 Jahren, Katalanisch).

Hochinteressant dürfte das Stück Gazoline werden (Do., 19.15 Uhr, Sportplatz, ab 13 Jahren, Span.). Die Madrider Kompanie ­Lajoven ­erzählt von fünf Jugendlichen in einem Außenbezirk von Paris, die nachts ausziehen, um die Autos von Reichen abzu­fackeln. Ein Stück über die soziale Schere und die schwierigen Lebenslagen von Immigranten.

Die katalanische Kompanie Xip Xap sucht eine poetische Analyse der Realität. In Hamelí (Do., 17 Uhr, Dorftheater, ab 4 Jahren, Katal.), einer Neuinterpretation des „Rattenfängers von Hameln" mit Handpuppen, stellen sich die ­Bewohner des Dorfes die Frage: Was, wenn das Böse schon die ganze Zeit unter uns war und nicht als Plage über uns hereingebrochen ist?

Die Großeltern sind sehr wichtige Menschen im Leben eines Kindes. Doch wie geht man damit um, wenn sie irgendwann nicht mehr da sind? Die Kompanie El Patio aus La Rioja untersucht diese Fragen im Objekttheaterstück Conservando Memoria (Fr., 18.30 und 21.30 Uhr, Ca Ses Monges, ab 12 Jahren, Span.). Das Stück gewann beim Theaterfestival in Lleida den Goldenen Drachen.

Am Sonntag gibt es ein zweites Stück der Kompanie. Das Objekttheater Hubo (12 und 13.30 Uhr, Schule Es Cremat, ab 8 Jahren, ohne Worte) behandelt die Einsamkeit einer Frau, die auf einem kleinen Felsen gestrandet ist. Auch dieses Stück wurde prämiert – beim ­Festival Feten.

Um Einsamkeit geht es auch in Italino Grand Hotel (Sa., 18.30 und 20 Uhr, Dorftheater, ab 6 Jahren, Katal.). Ein Mensch lebt einsam in der Waschküche eines verlassenen Hotels und hat sich dort eine eigene Welt eingerichtet.
Das Stück Vint dies de guerra von Dues Cares (Sa., 18.30 und 23.15 Uhr, Gemeindesaal, ab 15 Jahren, Katal.) handelt vom Beginn des Spanischen Bürgerkriegs auf Mallorca.

Nicht nur bitterernst

Das Festival bietet neben den nachdenklich machenden Themen auch einfach nur Un­terhaltsames. Das Musiktheater Tango (Sa., 12 und 13.30 Uhr, Ca Ses Monges, ab 0 Jahren, Katal.) von No Som Tres aus Menorca, erzählt etwa von zwei Pinguinen, die gern gemeinsam singen und planschen.

Eine fantasievolle, bisweilen surrealistische Welt zeigt die katalanische Gruppe ­Imaginart im Tanztheater Little Night (So., 12., 12.45, 16, 16.45 und 17.30 Uhr, Sportplatz, ab einem Jahr, ohne Worte). Sterne verreisen hier mit eigenem Gepäck. Herren mit Regenschirmen fallen aus dem Himmel.

Nicht weniger kurios ist das mehrfach preisgekrönte Baobab ( So., 10.30 und 20 Uhr, Sportplatz, ab 6 Jahren, Katal.) von La Pera Llimonera. Darin geht es um einen Pilz und ein Eichhörnchen, die sich nach einem Krieg gemeinsam auf die Suche nach einem neuen Baum machen, auf dem sie leben können.

Der Clown Guillem Albà setzt sich in seinem wortlosen Ein-Mann-Stück Calma! (Fr., 23 Uhr, Sportplatz, ab 12 Jahren) humorvoll mit einem Thema auseinander, das die meisten Menschen betrifft: die Eile.

Und Tian Gombau – L'home dibuixat – erzählt in seinem mehrfach ausgezeichneten Objekttheater Sabates Noves (Do., 18.30 Uhr, Schule Es Cremat, ab 3 Jahren, Katal.) die Geschichte eines Jungen, der neue Schuhe bekommt. Mit ihnen zieht er durch die Welt und sammelt Erfahrungen. Seine Füße werden immer größer und damit auch seine Schuhe.

Insgesamt 42 Stücke sind bei der diesjährigen Ausgabe zu sehen. Der Eintritt kostet jeweils 9 Euro, einige Aufführungen auf der Straße sind auch kostenlos. Ein Festivalpass für zehn Vorführungen kostet 60 Euro. Die Tickets kann man während des Festivals an der zentralen Information im Carrer Principal kaufen. Vorab kann man sie auch auf der Website www.fiet.es erwerben.

Auf der Website finden Interessierte ­zudem das komplette Programm sowie ­zahlreiche hilfreiche Zusatzinfos, unter ­anderem einen Lageplan, um alle Veranstaltungsorte leicht ausfindig zu machen. Der Einlass bei den Vorführungen fängt jeweils 20 Minuten vor Beginn an. Die Veranstalter weisen darauf hin, dass man nicht mehr ­hereingelassen wird, wenn das Stück schon begonnen hat.

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