26. Oktober 2019
26.10.2019

Wie Kriegsfotograf Robert Capa die Welt in Farbe sah

Das CaixaForum in Palma zeigt in einer großen Ausstellung Farbaufnahmen des Fotografen Robert Capa. Sie geben einen Einblick in die Arbeit des großen Kriegsreporters in Zeiten des Friedens

26.10.2019 | 01:00
Wie Kriegsfotograf Robert Capa die Welt in Farbe sah

Jahrzehntelang habe die Kiste im Archiv gestanden, erzählt Cynthia Young. „Keiner mochte sie wirklich öffnen. Es waren nur vergammelte Negative drin", erzählt die Konservatorin des International Centre of Photography (ICP) in New York. Was in der Kiste drin war, wussten sie und ihre Kollegen schon, es stand drauf: Farbbilder von Robert Capa. Aber wollte man das sehen – Farbbilder?

Ernsthafte Fotografie – das war Schwarz-Weiß-Fotografie, so jahrzehntelang die vorherrschende Meinung. Und mit Schwarz-Weiß-Bildern war Robert Capa (1913–1954), der eigentlich Endre Ernô Friedmann hieß und aus Budapest stammte, zu dem berühmtesten Kriegsfotografen der Welt geworden. Sein Bild eines sterbenden republikanischen Soldaten im Spanischen Bürgerkrieg, genau in der Sekunde geschossen, wo die Kugel einschlägt, ist eine Ikone des Fotojournalismus – auch wenn es möglicherweise gestellt war. Ebenso ins kollektive Gedächtnis eingebrannt sind die verschwommenen Bilder von der Landung der US-Soldaten am D-Day in der Normandie. Robert Capa war dabei.

Ein zweiter Blick in die Kiste

Eines Tages schauten Cynthia Young und ihre Kollegen vom ICP, das von Capas jüngerem Bruder Cornell Capa gegründet worden war und den Nachlass des Fotografen verwaltet, dann doch mal in die Kiste. Die Technologie hatte sich weiterentwickelt. Die vernachlässigten Negative einzuscannen und digital zu reparieren, war inzwischen vergleichsweise einfach. Im Februar 2014 eröffnete das ICP die Ausstellung „Capa in Color". Sie war so erfolgreich, dass sie seither um die Welt tourt. Seit Freitag (18.10.) ist sie nun im CaixaForum in Palma de Mallorca zu sehen. Den Besucher erwarten auf zwei Stockwerken insgesamt 200 Bilder. Kuratorin ist auch hier wie bei der ersten Ausstellung in den USA, Cynthia Young.

Dass Capa auch in Farbe fotografierte, war auch vor der Ausstellung kein Geheimnis – schließlich hatte er viele Reportagen in Magazinen wie „Life" veröffentlicht. Erste Erfahrungen mit der Farbfotografie sammelte er 1938. Zuvor hatte ihm ein Schweizer Kollege, mit dem er gerade in China arbeitete, von der ­neuen Technik erzählt.
Damals war Farbfotografie noch ein teurer und mühsamer Prozess, erklärt die Kuratorin. „Man musste den Film bei Kodak bestellen. Wenn er belichtet war, schickte man ihn an die Firma zurück, wo es drei bis vier Wochen dauerte, bis er entwickelt war. Erst dann konnten die Bilder in einem Magazin gedruckt ­werden." Anders gesagt: Für eine tagesaktuelle ­Berichterstattung war Farbfotografie gänzlich ungeeignet.

Keine Perfektion

Das erklärt auch, warum die meisten Bilder andere Geschichten erzählen als jene, die man von den meisten Veröffentlichungen über ­Robert Capa gewöhnt ist. Reiche junge Menschen beim Skiurlaub in der Schweiz und in Österreich. Berühmte Persönlichkeiten wie Pablo Picasso oder Ernest Hemingway in privaten Momenten. Setbilder von Filmdrehs mit Stars wie Ava Gardner. Humphrey Bogart und Peter Lorre. Aber auch Alltagsszenen aus Paris, aus Israel oder auch aus Marokko. Geschichten also, die auch mit einiger Verzögerung erscheinen konnten.

„Capa ging es nie um Perfektion", sagt ­Cynthia Young, „deshalb war er auch ein ziemlich lausiger Modefotograf. Aber er wollte das Leben als solches einfangen." Als Beispiel führt die Kuratorin das Bild einer Frau in einem Schweizer Skigebiet an (siehe oben), das groß in der Ausstellung zu sehen ist. An ihrem Arm hat sie eine große Schramme, wie es nun ­einmal passieren kann beim Skifahren. „Für viele Verleger von Zeitschriften oder Büchern wäre es undenkbar, so ein Bild zu drucken. Aber Capa störte das nicht. Ihm ging es um das pure Leben, das die Frau ausstrahlt. Und um die Spiegelung der Berglandschaft in der Sonnenbrille."

Der Mann mit den zwei Kameras

Das heißt nicht, dass Capa nicht auch den Krieg in Farbe festgehalten hat. Er hatte stets mindestens zwei Kameras dabei, darunter eine mit Farbfilm. In der Ausstellung sind etwa Bilder eines Kriegsschiffs im Zweiten Weltkrieg zu sehen. Oder auch eines der aller­letzten Fotos von Robert Capa, aufgenommen im Indochinakrieg, am 25. Mai 1954 um 14.55 Uhr: von hinten fotografierte vietnamesische Soldaten, die auf einem Feld in Nord­vietnam vorrücken. Kurz danach tritt Capa auf eine Landmine und stirbt. „Wenn deine ­Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah ­genug dran", lautete die häufig kolpor­tierte Maxime des Kriegsfotografen.

Begleitet sind die Bilder von zahlreicher Korrespondenz: Briefe an seine Familie, in denen er sowohl von seiner Arbeit als auch von seinem Befinden berichtet, außerdem Korrespondenz mit seinen Auftraggebern und Kollegen. In einem Brief macht Capa ­Reportagevorschläge, in einem anderen fragt ein Kollege der Fotografenagentur Magnum höflich nach, wann man denn mal wieder etwas von ihm hören würde. Die ­Briefe vermitteln: Robert Capa war ebenso Abenteurer wie Aufklärer. Ein hart arbeitender Fotograf, aber auch ein Lebemann. In dieses Bild passen auch die Fotos von den Menschen beim Skifahren, die so gar nicht passen wollen zu dem, was man sonst mit Robert Capa verbindet, oder auch mit menschlichem Leid und einer noch sehr konservativen Gesellschaft. Sie suggerieren Ungezwungenheit, Spaß, ein gutes Leben.

Das Begleitprogramm

Wie immer begleitet das CaixaForum die ­Ausstellung mit einem umfangreichen Rahmenprogramm. Die baskische Fotografie- Expertin Érika Goyarrola hält zwei Vorträge. Am 31.10. spricht sie über Fotoagenturen und -publikationen in den 40er- und 50er-Jahren und am 7.11. über den Farbfotografie-Pionier ­Stephen Shore. Am 21.11. gibt es eine Podiumsdiskussion über den Beruf des Fotografen in der Zeit der Bilderflut, an der der mallorquinische ­Fotograf Toni Amen­gual teilnimmt. Eine Woche später wird das Werk von Gonzalo Juanes präsentiert, der Spanien in den 60er-Jahren fotografisch porträtierte. Die Vorträge beginnen jeweils um 19 Uhr.

Auch die jüngeren Besucher kommen wieder auf ihre Kosten. Gegen Ende der Ausstellung gibt es einen Bereich, in dem die Kinder Fotos zu neuen Geschichten zusammenlegen können. Zudem bietet das CaixaForum Workshops und Führungen für Familien an.

Führungen für Erwachsene finden jeden Dienstag auf Spanisch und jeden Samstag auf Katalanisch statt. Beginn ist jeweils um 18 Uhr. Anmeldung unter caixaforum.es/es/palma. Der Eintritt zur Ausstellung kostet 6 Euro, Kunden der CaixaBank haben freien Eintritt.

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