14. Januar 2020
14.01.2020

Mit "Walking on Words" Mallorca literarisch erkunden

Das Angebot der App und Webseite wird immer weiter ausgebaut, auch für ein deutsches Publikum

14.01.2020 | 01:00
Carme Castells im Garten ihres Arbeitsplatzes, dem Museum zu Ehren von Llorenç Villalonga, einem Psychiater und Schriftsteller aus Palma. Auch er kommt in einigen Routen vor.

„Eineinhalb Jahre hatte ich keine Reise mehr gemacht, das letzte Mal war ich, weil es mir doch der idealste Ort ist, in Palma. Im November, wenn uns der Nebel auf die grausamste Weise unter- und niederdrückt, bin ich im offenen Hemd durch Palma gelaufen und habe tagtäglich auf der berühmten Borne im Schatten der Platanen meinen Kaffee getrunken €" Thomas Bernhard, „Beton"

Wie erlebte der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard Mallorca? Einen Hinweis darauf gibt die App „WoW! Mallorca" (Abkürzung von „Walking on Words", Wandeln auf Wörtern). Mit ihr kann man sich auf insgesamt sieben Touren über die Insel begeben und sich fast flächendeckend auf literarische Spurensuche machen. Neben den Zitaten und Gedanken vieler mallorquinischer und spanischer Autoren finden sich auch Betrachtungen von internationalen Schriftstellern wie ­Agatha Christie, Albert Camus, Rubén Darío, Jorge Luis Borges oder Julio Cortázar. Und es werden immer mehr Einträge und Möglichkeiten. ­Carme Castells, die Leiterin der Stiftung Mallorca Literària, baut das von ihr 2015 ins Leben gerufene Projekt kontinuierlich aus.

Für Januar geplant

Dazu gehört die Übersetzung ins Deutsche. Auf der Website Walkingonwords.com ist sie bereits erfolgt, nun soll im Lauf des Januars auch die App folgen, die es bisher nur auf Katalanisch, Spanisch und Englisch gibt. Sowohl auf der Website als auch in der App werden die Texte auch vorgelesen, immer im Original und immer von Muttersprachlern (die Übersetzung erfolgt über Untertitel). Im Fall von ­Jaume Alcover oder Guillem d'Efak also auf Mallorquinisch, bei Anaïs Nin oder Robert Graves auf Englisch. „Der Klang der Originalsprache war uns ganz wichtig", sagt Castells. Die mallorquinischen Texte lesen zudem Menschen, die zu Verfassern oder Orten einen besonderen Bezug haben, selbst kulturell bewandert und inselweit bekannt sind.

Zudem ist das Angebot in der App größer geworden. Statt 72 Anlaufstellen, wie noch 2015, gibt es mittlerweile 150. „Es sind auch neue Autoren hinzugekommen", so Castells. Neben den literarischen Zitaten gibt es praktische Informationen zu den Denkmälern und Orten, etwa dem Baustil der Kathedrale. Je nach Interessen können Nutzer in der App verschiedene Filter aktivieren und so etwa nach Ortsnamen suchen, nach den Anlaufpunkten, die sich in ihrer unmittelbaren Umgebung ­befinden, oder nach Themenkategorien (etwa Archäologie, Architektur, Kunst, Landschaft).
Die sieben von Castells erarbeiteten Routen seien nur Vorschläge, so die 43-Jährige. Sie starten in Binissalem, Palma, Sant Joan, Manacor, Santanyí, Deià und Pollença. Jede hat einen eigenen Charakter, den die Landschaft und die Texte vorgeben. „Zwischen Deià und Valldemossa (Route W2) kommen zum Beispiel Robert Graves, Jules Verne, Ramon Llull, George Sand und Frédéric Chopin zu Wort", so Castells. Noch sind die Routen vor allem für die Fahrt mit dem Auto ausgelegt. „Damit sind sie an einem Tag gut zu schaffen", sagt Castells. „Für die Zukunft wollten wir in der App auch Vorschläge machen, wie man die Routen mit einer Wanderungen verbinden kann."

Wer sich innerhalb der App registriert, kann bald im „My WoW"-Bereich seine Lieblingsorte markieren oder eine eigene Route ­erstellen. Auch die Interaktion zwischen den Nutzern ist neu. Unter #FesWoW und #wowmallorca können sie Fotos ihrer Ziele in den sozialen Netzwerken miteinander teilen.

Live dabei

Walking on Words organisiert auch Führungen mit leibhaftigen Guides. Interessenten können die in der ersten Jahreshälfte zu festen Zeiten mit einem Fremdenführer stattfindenden Touren bereits buchen (Anmeldung: http://mallorcaliteraria.cat/activitats/index.php?i=ca&s=agenda, https://entradium.com/ca/organizers/fundacio-mallorca-literaria). Einige der Angebote gehen neuerdings auch mit Übernachtung oder einer Bootsfahrt auf dem Meer einher, etwa die am 18. April und 9. Mai mit Aufenthalt im Refugio Son Amer oder die am 14. Juni mit einer Überfahrt von der Bucht von Pollença aus zum Leuchtturm von Formentor. Die bislang nur auf Katalanisch und Spanisch stattfindenden Führungen soll es in Zukunft auch auf Deutsch und Englisch geben.

Für die Kleinen

Über die „WoW! Mallorca"-App haben Nutzer auch Zugang zu den Legenden-Routen, auf denen die Spiel-App „L'illa dels tresors" (Die Insel der Schätze) für Kinder basiert. Sie stellen magische Orte vor, die man virtuell oder dank einer interaktiven Landkarte real kennenlernt. Die kleinen Nutzer müssen den Spielfiguren – Helden und Märchenfiguren – helfen, Aufgaben und Herausforderungen zu meistern. Nach getaner Arbeit bekommen sie Goldmünzen für die Schatzkiste. Letztlich sucht man die zehn Teile von Mallorcas Märchenkarte, die ­Sagenfiguren versteckt haben. Hat man sie ­zusammen, werden auch die Sagenfiguren befreit. „Auf einer der Abenteuerrouten geht es um Hexen, in der anderen um Meeresgeschöpfe. Ähnlich wie bei der App ,Pokémon Go' kann man auch Figuren befreien", erklärt Castells. Wer sich tatsächlich über die Insel bewegt, statt auf dem Sofa sitzen zu bleiben, sammelt mehr Punkte. „Wir stellen die App auch in den Schulen vor", erzählt Castells. Auch bei der Kinder-App sind einige Änderungen geplant: Die Animationsfilme etwa soll es ab Mitte 2020 auch auf Deutsch geben. Noch ist die App ausschließlich auf Katalanisch verfügbar und daher vor allem für Insel-Kids geeignet.

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