17. Februar 2021
17.02.2021
Mallorca Zeitung

Übersetzungs-Boom: Lesestoff von Mallorca erlebt goldene Zeiten

Übersetzungen mallorquinischer Autoren in andere Sprachen sind trotz Corona-Krise schwer gefragt. Deutsche Verlage sind noch zögerlich, doch das soll sich schon bald ändern

17.02.2021 | 01:00
Ein Mann vor dem Stand der katalanischen Literatur bei der Frankfurter Buchmesse 2007, als Katalonien Gastland war. 2022 wird Spanien Ehrengast sein.

Das Reisen ist derzeit schwierig, doch dafür erobern die Bücher von Schriftstellern von Mallorca immer mehr neues Terrain. So erschienen zum Beispiel erst kürzlich „Lovely" von Antònia Vicens oder „Llefre de tu" (Ogre de toi) von Biel Mesquida in Frankreich, Werke von Carme Riera oder Carles Rebassa gibt es jetzt auf Arabisch. Und illustrierte Kinderbücher von der Insel erleben international eine ganz besondere Sternstunde: Canizales liest man von Brasilien über den Nahen Osten bis in die USA und Italien, Aina Bestard kennt man in Polen, Chile, Südkorea und Frankreich, und Víctor Escandell in China, der Ukraine, Polen, den Niederlanden und Ungarn.

Tatkräftig unterstützt wird die Verbreitung der lokalen Literatur in der Welt von Institutionen wie der Fundació Ramon Llull und dem Institut d'Estudis Baleàrics (IEB), die entsprechende Übersetzungsprojekte (neben neuen Buchprojekten) mit Subventionen fördern. Eine „Welle von Anträgen" sei 2020 auf die Schreibtische des IEB gespült worden, berichtet Cristina Gaviño, die dort für den Bereich Literatur zuständig ist. „Als der Alarmzustand begann, dachten wir, dass auch die Publikationen zum Erliegen kommen würden. Doch die Subventionen entsprachen praktisch dem Niveau von 2019. Im Hinblick auf die Situation der Pandemie hat uns die große Zahl der Antragsteller doch sehr überrascht", sagt sie im MZ-Telefonat. Mit einer Summe von insgesamt 170.000 Euro habe das IEB im vergangenen Jahr dezidiert Übersetzungen gefördert.

Verlage profitieren von Subventionen


Natürlich seien trotzdem einige Schwierigkeiten zu meistern gewesen, zum Beispiel konnten Autoren ihre Bücher nicht selbst auf Lesungen und Messen präsentieren. Aber im Verlagswesen sei zum Glück vieles aus dem Homeoffice möglich: „Ein Buch kann man in diesen Zeiten auch weiterhin machen", so Gaviño. Dabei sei zu bedenken, dass es das Ergebnis eines langen Prozesses mit vielen Zwischenschritten sei – vom Erwerb der Rechte über die Übersetzung und Korrektur bis hin zum Layout, Design und Druck. Was 2020 erschien, wurde also in der Regel schon weit früher begonnen. Und Ende Februar 2021 steht schon wieder die Ausschreibung der Subventionen für das laufende Jahr an.

Vor allem kleinere Verlage profitieren davon, weil die Hilfen bis zu 80 Prozent des Herstellungsprozesses finanziell abdecken können – darunter auch die Druckkosten, die je nach Aufwand der Publikation sehr hoch sein können. Zu den Empfängern zählen aber auch Selbstverleger und größere Traditionsverlage. Deutsche Verlage waren laut Gaviño im vergangenen Jahr keine dabei, das IEB hat zuletzt 2019 drei Übersetzungen ins Deutsche subventioniert: den Roman „Der Bienenleser" von José Luis de Juan, erschienen bei Edition Converso, „König Kohle", eine „Graphit-Novel" von Max, herausgegeben vom Avant Verlag, und den Roman „Verortungen" von Llucia Ramis, erschienen bei Orlanda Buchverlag UG.

Hoffnung liegt auf der Frankfurter Buchmesse 2022


Die Abwicklung der Zuschüsse ist dabei nur ein Teil der Arbeit des Instituts. Das zweite Aufgabengebiet besteht im Bewerben und der Verbreitung der Literatur von den Balearen. „Daher ist das IEB mit einem Katalog lokaler Autoren auf Buchmessen präsent, um Kontakte zu knüpfen und Verlagen zu erklären, wie sie die Subventionen erhalten können", sagt Gaviño. Ein Pflichttermin ist dabei die Frankfurter Buchmesse, die 2020 nur virtuell stattfinden konnte. Auch in diesem Jahr plant das IEB vorerst mit einer digitalen Präsenz, um im Zweifelsfall noch einmal auf einen analogen Stand umschwenken zu können.

Große Hoffnung in Bezug auf neue Projekte mit deutschen Verlagen setzt das IEB jedoch in das Jahr 2022, wenn Spanien Gastland bei der Frankfurter Buchmesse sein wird: „Diese Gelegenheit wollen wir nutzen, um den deutschen Buchmarkt noch stärker abzutasten". erklärt Gaviño. Das sei grundsätzlich nicht ganz leicht, obwohl es in der Vergangenheit schon viele Beispiele für eine gute Zusammenarbeit gegeben habe. „Aber traditionell richtet man in Deutschland den Blick eben mehr auf die angelsächsische Welt." Die spanische Regierung arbeite schon jetzt intensiv daran, der Einladung in Frankfurt bestmöglich gerecht werden zu können und die eigenen Autoren gut zu vermarkten.

Gaviño ist davon überzeugt, dass es für deutsche Leser noch viel Interessantes in Sachen mallorquinischer Literatur zu entdecken gibt. Nach wie vor auf großes Interesse stießen historische Themen wie der Spanische Bürgerkrieg und die Nachkriegszeit. Aber auch jüngere zeitgenössische Schriftsteller seien spannend, und Krimis sowieso immer beliebt. Sehr viel Potenzial liege auch in Deutschland im Bereich Comic und Illustration.

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