07. August 2019
07.08.2019

Sicheres Strandbad: Die Playa de Muro macht's vor

In Sachen Überwachung der Badegäste ist die Gemeinde im Norden von Mallorca auf der Insel das Maß aller Dinge. Wir haben uns erklären lassen, was zu beachten ist

07.08.2019 | 01:00
Vom Hochsitz an der Operationszentrale am Strandabschnitt „Sector I" kann ein Großteil der Playa de Muro überblickt werden.

Ehrliche Antwort: Schauen Sie sich am Zugang eines Strandes die Schilder mit den vielen Symbolen und Erläuterungen zu den Besonderheiten dieses Küstenabschnitts an? An der Playa de Muro im Norden von Mallorca würden Sie jedenfalls einige Minuten stehen, bis Sie alle auf Deutsch übersetzten Sicherheitshinweise gelesen haben. Doch es lohnt sich. Denn danach können Sie an dem beliebten Strand, sofern Sie sich gemäß der Anweisungen verhalten, ruhigeren Gewissens baden.

Wie auch anderswo auf Mallorca treten an diesem fünf Kilometer langen Strandabschnitt immer wieder gefährliche Strömungen auf. Um Badeunfällen vorzubeugen, investiert die Gemeinde jährlich fast 400.000 Euro. Mittlerweile sind die Programme der Rettungsschwimmer so ausgereift, dass sie sogar in der Karibik kopiert werden. Auch andere Gemeinden auf Mallorca nehmen sich ein Vorbild an der Playa de Muro.

Das bedeuten die roten Ringe

Im Juli und August sind an der in vier Abschnitte eingeteilten Playa de Muro zwischen 10 und 19 Uhr insgesamt 15 Rettungsschwimmer im Einsatz. Aus Port d'Alcúdia kommend Richtung Can Picafort gelangt man zunächst an die „Platja de Muro Sector I", dann zum Abschnitt „Sector II". Der daran angrenzende, nicht bebaute Küstenabschnitt heißt „Es Comú", ihm folgt vor Can Picafort „Es Capellans".

In jedem Abschnitt gilt ein eigenes Gefahrenniveau – auch an anderen Stränden auf den Balearen symbolisiert durch rote, unterbrochene Kreise. „Ein Ring bedeutet ,niedriges Gefahrenniveau', zwei ,mittleres', drei ,hohes'", sagt Toni Carrió, der Beauftragte für Strandsicherheit und Chef der Wassereinheit der Ortspolizei der Gemeinde Muro. Allerdings handelt es sich hier um einen hauptsächlich auf der Unfallstatistik basierten Indikator, der nur bedingt etwas über konkrete Gefahren wie etwa Strömungen aussagt. „Wenn sich mehr Badegäste an einem Strandabschnitt aufhalten, kommt es tendenziell auch zu mehr Unfällen", erklärt Carrió.

Auch die Zahl der dort in der Vergangenheit tödlich verunglückten Menschen sei bei der Vergabe der Ringe entscheidend. Das hat zur Folge, dass die besonders gut besuchten Strandabschnitte I und II mit drei Ringen gekennzeichnet sind, obwohl das Meer hier meist ruhiger ist. Der etwas weniger frequentierte Sektor Es Comú hat einen Ring und Es Capellans zwei – dabei treten hier häufiger gefährliche Strömungen auf.

Orientierung an Hochsitzen

Dass die Präventions- und Rettungsprogramme der socorristas von Muro über die von anderen Gemeinden hinausgehen, wird vor allem beim Besuch des im Sektor I liegenden Operationszentrums COSýS deutlich. Hier, ein wenig nördlich des Hotels Iberostar Playa de Muro, ist auch der Hochsitz aufgebaut, von dem die Rettungsschwimmer den gesamten Strand noch am besten überblicken können. Er ist wetterfest: „Wenn es stark regnet, verlassen die anderen Rettungsschwimmer ihre Hochsitze. Nur hier können sich die socorristas durch bewegliche Plastikfenster vor Regen schützen", sagt Toni Carrió.

Eine weitere Besonderheit in Muro, die laut Carrió schon in anderen Gemeinden Anklang gefunden hat, ist, dass die alle 700 bis 800 Meter stehenden neun Hochsitze zur besseren Orientierung in unterschiedlichen Farben angestrichen und mit Nummern versehen wurden. „Muss ein Badegast die Notrufnummer 112 rufen, kann er einfach die Nummer oder Farbe des Turms durchgeben", sagt der 51-Jährige.

Zum im Naturpark Albufera gelegenenen Abschnitt „Es Comú" gibt es von der Straße aus nur wenige Zugänge. Auch Hotels und andere Gebäude sucht man hier vergeblich. Daher stehen dort alle 50 Meter nummerierte schwarz-weiße Grenzpfosten, die den Leitpfosten am Straßenrand ähneln. Auch sie erleichtern die Weitergabe präziser Informationen.

Kampf den Strömungen

Damit auch die Badegäste selbst in Not geratenen Menschen helfen können, gibt es an viel besuchten Abschnitten, an denen es öfter zu Rückströmungen kommt, „Rote-Hilfe-Punkte" (puntos rojo de auxilio) mit Rettungsringen und Schwimmwesten. Auch eine Winde mit einer Kurbel und einem 200 Meter langen Seil ist dort vorhanden. An ihm können sich herbeigeeilte Rettungsschwimmer festhalten, während sie einem Ertrinkenden zur Hilfe eilen. Mit der Kurbel kann man Retter und Gerettete dann auch gegen die Strömung wieder aus dem Wasser ziehen.

„Wir dokumentieren seit 2011 den genauen Ort, die Intensität und Häufigkeit der Strömungen", sagt Fran Miguez, Verantwortlicher des Teams von „SPSalvament". Neben einer blauen „Strömungs"-Flagge stecken die Rettungsschwimmer eine gelbe oder rote Flagge an die Gefahrenstelle. „Bei Gelb dürfen Badegäste in der angezeigten Richtung noch mit besonderer Vorsicht baden, bei Rot ist das Baden streng verboten", so Miguez. Besonders in der Gegend von Es Capellans treten oft gefährliche Strömungen auf. Daher testen die Rettungsschwimmer dort gerade fest installierte Bojen, die Schwimmnudeln ähneln. In Not geratene Badegäste können sich darauf retten.

Generell gilt: Wer in eine Rückströmung gerät, sollte nicht gegen sie ankämpfen, sondern seitlich aus ihr herausschwimmen. Bei aller gebotenen Eile die Ruhe bewahren, das gilt ebenfalls für Strandbesucher, die Ertrinkende aus dem Wasser holen. Sie müssen Kräfte und Hilfsmittel einschätzen und Verstärkung mobilisieren – „logisch handeln", nennt das Toni Carrió.

Auch eine Drohne hat die Gemeinde im vergangenen Jahr eingesetzt, um die Strände zu überwachen. „Die kann aber 30.000 Euro kosten. Wir müssen daher noch prüfen, wie wir sie effizient einsetzen können und ob wir sie anschaffen oder nur leihen", sagt Carrió.

Bedeutung der Flaggenfarben

Die Grund-Flaggen bedeuten überall das gleiche. „Grün" steht für Entwarnung, „Gelb" bedeutet Risiko und mahnt zur Vorsicht, „Rot" Badeverbot. Weht die orangefarbene Flagge, ist der beaufsichtigende Rettungsschwimmer gerade nicht am Platz. Normalerweise kommt er schnell wieder. Weht auch nach Feierabend des socorristas die gelbe oder rote Flagge, zeigen in Muro sogenannte „Pre/post aviso"-Schilder die Gefahr beim Baden bis zum darauffolgenden Morgen um 10 Uhr an.

Barrierefreiheit & Armbänder

Am Operationszentrum COSýS gibt es für die Fortbewegung im Sand angepasste Krücken, Rollatoren und Rollstühle sowie Schwimmwesten. „Falls es notwendig ist, etwa weil ein Besucher stark übergewichtig ist, haben wir nur hier auch einen Hebekran, mit dem wir ihn besser in den Rollstuhl setzen können", sagt Carrió. Auch die Stranddusche ist durch einen Sitz behindertengerecht, die Toiletten in den Holzhäuschen ebenfalls. Die ersten beiden Liegen neben dem Holzweg und der dazugehörige Sonnenschirm sind für Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit reserviert. Ihre Nutzung ist wie die der anderen Utensilien kostenlos. Außer im Abschnitt „Es Comú" gibt es an der Playa de Muro in jedem Abschnitt eine dieser barrierefreien Zonen (puntos de accesibilidad).

Um neben Menschen mit Behinderung auch Kinder besonders zu schützen, können Eltern und Begleiter bei den socorristas aller vier Strandabschnitte kostenlos ein orangefarbenes PSID-Armband (Programa de seguridad infantil y discapacitados) beantragen. Es kann während des gesamten Urlaubs am Handgelenk getragen werden. Auf jedes Armband (pulsera) ist ein separater Code gedruckt. Die Rettungsschwimmer können damit die Kontaktdaten der Eltern oder Begleiter ermitteln und sie benachrichtigen, wenn die Träger des Armbands in Schwierigkeiten sind.

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