11. September 2019
11.09.2019

Mit den Urban Sketchers mal fix Mallorca zeichnen

Hobby- und Profi-Zeichner der internationalen Künstlerbewegung porträtieren, allein oder in der Gruppe, spontan Menschen und Sehenswürdigkeiten. Seit 2013 gibt es auch einen Mallorca-Ableger

11.09.2019 | 01:00
Das Bild ent­stand beim MZ-Interview.

Manchmal ist Feliu Renom, wenn er auf Mallorca im Stehen seine Umgebung zeichnet, so konzentriert, dass sein Bein einschläft, ohne dass er es merkt. „Einmal hatte ich gerade zwei Deutsche fertig gezeichnet, die am Schloss Bellver die Treppen heruntergelaufen sind, und wollte weiterlaufen. Dann bin ich plötzlich hingefallen", erinnert sich der 66-Jährige. „Ich war so fokussiert auf das Hier und Jetzt, dass ich alles um mich herum völlig vergessen habe. Sie kamen dann angerannt und fragten, ob ich mich verletzt hätte. Ich lächelte etwas beschämt und erklärte ihnen per Handzeichen, dass nur mein Bein eingeschlafen war."

Oft, wenn wohl viele Menschen ihr Smartphone herausholen würden, um sich die Zeit zu vertreiben, zückt der pensionierte Lungenfacharzt lieber Bleistift und Zeichenheft und skizziert das nieder, was er gerade vor sich sieht: Menschen, die im Flugzeug aufs Abheben warten, Touristen, die sich auf der Plaça Cort tummeln, die Aussicht auf die Kathedrale beim Kaffeetrinken auf der Terrasse des Hotels Almudaina im Carrer Jaume III. Anschließend bedruckt er die fertige Zeichnung mit einem Stempel und lädt sie dann in die Facebook-Gruppe „Urban Sketchers Mallorca" (dt. städtische Skizzenmaler) hoch.

Renom hat den lokalen Ableger der 2007 in Seattle ins Leben gerufenen internationalen Künstlerbewegung „Urban Sketchers" gegründet. Der gemeinnützige Verein will professionellen, aber auch Hobby-Künstlern weltweit eine Plattform bieten. Auf ihr können sie die Eindrücke aus ihrer unmittelbaren Umgebung, ihrem Wohnort oder von ihren Reisen miteinander teilen, sie kommentieren und sich gegenseitig Tipps geben.

In einem Zeitungsartikel von „El País" hatte Renom 2010 zum ersten Mal von der Bewegung gelesen und sich dann mit Kollegen der Comic-Szene der Insel, in der er schon länger aktiv war, darüber ausgetauscht. 2013 rief er dann mit zwei Freundinnen den Mallorca-Ableger der städtischen Skizzenmaler ins Leben. „Je näher mein Renteneintritt rückte, desto mehr wollte ich mich dem Zeichnen widmen. Doch oft fehlte mir dazu alleine die Motivation", sagt Renom, der 1977 auf die Insel kam und bis 2015 als Lungenspezialist im Hospital Joan March in Palma arbeitete.

Etwa einmal pro Monat organisiert er für die Hobby-Zeichner ein Treffen. Beim letzten seien 15 Teilnehmer gekommen. „Ich bin eines der ältesten Mitglieder. Wir haben auch einige unter 30-Jährige", sagt der Hobby-Zeichner. Die Mallorca-Gruppe sei sehr international. Neben Insulanern sind auch Japaner, Deutsche, Argentinier und Briten vertreten. Bei ihren Treffen zeichnen sie oft die gleichen Motive. Dennoch gleiche das Gruppenzeichnen keinem Wettkampf um das schönste Bild. „Auch weil jeder seinen ganz eigenen Stil hat. Natürlich schaue ich trotzdem ab und zu mal zu einem Kollegen hinüber und denke mir ,Das hat er gut gelöst'", sagt Renom. Manchmal hängen sie die Bilder im Stadtviertel auf.

Bei Farbe wird's schwierig

Die Vorzeichnung mit Bleistift bekommt der 66-Jährige meist noch sehr souverän hin. Auch die definitivere zweite Schicht per Füllfederhalter, die das Gezeichnete konkretisiert, bereitet ihm meist keine größeren Probleme. Erst wenn Farbe ins Spiel kommt, wird Renom nervös. „Mir fällt es oft schwer, die Farbtöne vor Ort klar voneinander abzugrenzen und mich dann beim Ausmalen für einen zu entscheiden", so Renom. Also macht er am Ende meist mit seinem Handy ein Foto von der Umgebung, scannt die Zeichnung zu Hause ein und füllt sie erst dann von dort aus in Ruhe mit Farbe aus. So kann er die Rohzeichnung noch einmal ausdrucken, falls er sich vertan hat, oder auch mit dem Bildbearbeitungsprogramm Photoshop an ihr arbeiten.

Er hat eigentlich immer ein kleineres Heftchen in der Tasche. So kann er zum Beispiel Passagiere im Zug unauffälliger porträtieren, wenn er spontan Lust bekommt zu zeichnen. Natürlich wird so mancher von ihnen auf Renom aufmerksam, auch ohne das er wegen eines eingeschlafenen Beines umfällt. „Wenn ich merke, dass die Person, die ich zeichne, sich unwohl fühlt oder nervös wird, hilft meistens ein einfaches Lächeln", so Renom. Manchmal, wenn er wieder hoch konzentriert ist, erwischt es ihn selbst auch mal – etwa als Urban-Sketchers-Kollegin Paloma Díaz den 66-Jährigen beim Arbeiten auf einem Weinfass bei einem Event in Pollença im Juni porträtiert hat. Auch da musste er lächeln.

FB: Urban Sketchers Mallorca, nächstes Treffen:
7. September, El Terreno in Palma de Mallorca; www.urbansketchers.org

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