18. Februar 2020
18.02.2020

In einer der letzten Videotheken von Mallorca stöbern

Pepe Massanet hält die Stellung in Palma de Mallorca. Mit Fachwissen hält er die Kunden. Wie lange noch?

18.02.2020 | 01:00
Pepe Massanet beim Einlegen einer DVD in eine der charakteristischen gelben Hüllen.

Pepe Massanet hat einen circa 40 Jahre alten Kunden, der sich in den vergangenen sieben Jahren 80 Mal den Film „Top Gun" ausgeliehen hat. „Der Mann hat eine geistige Behinderung und kommt immer mit seinen Geschwistern hierher. Für ihn ist der Besuch in meiner Videothek ein wichtiges Ritual", sagt Pepe Massanet. Ihm gehört Universal Video in Palma de Mallorca (Carrer de Simó Ballester, 8). Als er dem Kunden die DVD eines Tages schenken wollte, lehnte dieser ab. Auch ein Deutscher, der sich schon achtmal bei ihm alle acht Staffeln von „Game of Thrones" ausgeliehen hat, macht sich lieber auf den Weg zu Pepe Massanet. „In meiner Videothek vorbeizuschauen, ist eben nicht dasselbe, wie einen Film im Internet zu gucken", so der Mallorquiner.

Pepe Massanet hält sich wacker in der Zeit des Videothekensterbens. In Deutschland hat laut des Interessenverbandes des Video- und Medienfachhandels zwischen 2016 und 2017 fast jede dritte Verleihstelle zugemacht. Pepe Massanet bestätigt den Trend auch für Mallorca.

„Früher erschienen pro Monat noch rund 200 neue Filme, mittlerweile sind es gerade einmal 20", sagt Massanet. Schuld seien aus seiner Sicht nicht primär Netflix und ähnliche Plattformen, sondern das Internet generell und illegale Filmplattformen. „Es sorgt dafür, dass verschiedene kleine Geschäfte aussterben, ob Platten- oder Klamottenläden", so Massanet.

Von den insgesamt 29.000 Kunden, die seit dem Tag der Eröffnung Mitte der 90er-Jahre im Computersystem registriert sind, kämen pro Monat regelmäßig noch zwischen 2.000 und 3.000. „Von 80 Prozent meiner Kunden kenne ich die Kundennummer auswendig", sagt Massanet stolz. Der persönliche Kontakt und sein Fachwissen seien gefragt.

Die wenigsten kämen, um gezielt nach einem bestimmten Titel zu suchen. „Sie vertrauen vielmehr auf das, was ich ihnen vorschlage", sagt Massanet. Einen Großteil der 31.000 Filme, die er verleiht, hat er selbst gesehen. Von den übrigen hat er, bevor er sie ins Programm genommen hat, zumindest die Trailer und Kritiken ausführlich studiert. „Ich muss ja schließlich Bescheid wissen, wenn ein Kunde mich dazu fragt", so Massanet.

Ein älterer Mann betritt den Laden und schaut sich in den Regalen um. „Wie hieß noch einmal die Piratenserie, die ich irgendwann einmal ausgeliehen habe?" Sofort gibt Pepe Massanet die Kombination aus vier Ziffern seines Profils ins System ein und scrollt sich durch die ausgeliehenen Titel. Er läuft zum Regal und holt drei Staffeln von „Black Sails" heraus. „Ist es schon lange her, dass ich sie gesehen habe", fragt der Kunde. „Wann kommt die vierte? Bekommst du sie?" „Klar, ist schon bestellt. In einer Woche kannst du sie abholen", entgegnet ihm Massanet.

Für Neukunden, die weniger konkrete Vorstellungen haben, hat Massanet schnell 15 bis 20 Filmvorschläge parat, die laut ihm „jedem gefallen". „Es sind nicht unbedingt die bekanntesten, aber gute Filme, weil sie den Zuschauer überraschen", so der Ladenbesitzer. Darunter etwa auch der französische Film „Le concert" („El concierto"). Ein kleiner Geheimtipp.

Ganz früh dabei

Der 55-Jährige verkauft schon seit 36 Jahren Filme. Zunächst belieferte er neben vielen anderen auch den 1984 gegründeten Videoclub als Großhändler, seit 1997 gehört der Verleih offiziell ihm. Außer die Ladenfläche, die noch fast genauso groß wie zu Gründungszeiten ist, hat sich dort einiges geändert. „In den 90er-Jahren, dem Goldenen Zeitalter der Videoclubs, standen an einem Samstag um 10 Uhr 40 Menschen an den Regalen unseres Geschäfts, gegen 18 Uhr, zur Hauptzeit, sogar 80", erinnert sich Massanet. Ein Team aus acht Mitarbeitern sorgte 365 Tage im Jahr dafür, dass zwischen 10 und 0 Uhr alle Kundenwünsche erfüllt wurden. Schon wenig später habe sich die Art, wie Filme konsumiert werden, stark gewandelt. Heute arbeitet nur noch Massanet selbst im Laden, ab und an wird er von seiner Frau unterstützt.

Um seinen Kunden trotz Filmkrise weiterhin flexible Öffnungszeiten zu bieten, können sie seit 2002 am Eingang rund um die Uhr an zwei distribuidores (Ausleih-Automaten) aus insgesamt 3.000 Filmen auswählen, darunter neben den Neuerscheinungen einige Klassiker sowie erotische Filme. Der automatisierte Verleih und die Rückgabe erfolgen mittels Barcode-Scan.

Diesen Service nutzt zum Beispiel Manuel Soutullo, der seine Filme gerade zurückbringt. Auch dazu kann er mit seiner Kundenkarten den Automaten nutzen. „Ich habe zwar Movistar und Amazon Prime, aber ältere Filme wie ,Matchpoint' von Woody Allen aus dem Jahr 2005 oder Autorenkino gibt es dort nicht", erzählt er der MZ-Redakteurin. Auch die Filme des österreichischen Regisseurs Michael Haneke suchte er dort vergebens. In Massanets knapp 31.000 Titel umfassender Sammlung wurde er fündig.

Der älteste DVD-Film daraus stammt aus dem Jahr 1923. Neuerscheinungen bietet Massanet – zumindest im Falle weniger bekannter Filme – oft schon am selben Tag an, an dem sie im Kino erstausgestrahlt werden, ein Pluspunkt gegenüber etwa Bibliotheken.

Neben den ausleihbaren Filmen steht auch eine kleinere Auswahl an Titeln zum Verkauf. Ob Pornos, Klassiker aus den 70er- bis 90er-Jahren oder Superhelden-Filme. Auch für Sammler, die sich etwa mit VHS-Kassetten beglücken wollen, bietet Massanet eine kleine Auswahl. Ein paar hat er sich für seine ganz private Sammlung gesichert. „Verkauf ausgeschlossen", so Massanet. Wie lange geht sein Geschäft noch gut? „In fünf Jahren ist wahrscheinlich Schluss", sagt er. Und in einem? „Wir werden sehen", sagt Massanet.

Universal Video, Mo–Fr 16–22 Uhr, Sa, 12–23 Uhr, So 18–22 Uhr. Kosten: Neuerscheinungen: 1,90 Euro bis sechs Stunden, ab 24 Stunden: 0,15 Euro pro Stunde. Andere Filme:?2,50 Euro für vier Tage, danach 1,50 Euro pro Tag. Mit Kundenkarte: Vergünstigungen je nach Höhe des aufgeladenen Geldbetrags.

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