02. März 2020
02.03.2020
Mallorca Zeitung

Neuer Betreiber für historischen Schreibwarenladen gesucht

Nichtklebende Sticker, ausgestanzte Kinderbücher, Näh- und Backpapier, wettervorhersagende Mönche. Viele der Artikel der 1938 eröffneten Papelería Minerva gibt es nur dort. Die Besitzerin geht bald in Rente

02.03.2020 | 01:00
Viele der Schreibwaren, die María José Noguera verkauft, wecken Kindheitserinnerungen.

Kaum hat das ältere Paar am Donnerstagnachmittag (13.2.) beim Eintreten in die historische Schreibwarenhandlung Minerva im Carrer Velázquez in Palma die Holztür hinter sich zugezogen, nimmt der Mann verdutzt ein paar tiefe Atemzüge. „Hier riecht's nach Papier. Genau wie damals, als wir klein waren", sagt er zu seiner Lebensgefährtin. Die Frau hat das 1938 gegründete Geschäft aufgesucht, um dort ein Adressbüchlein zu erstehen. María José Noguera, die die papelería seit sieben Jahren führt, zeigt ihr mehrere Modelle der libretas, die in Zeiten von WhatsApp und Videoanrufen zunehmend an Bedeutung verlieren. Die Frau entscheidet sich für ein aufziehbares Exemplar für 3,50 Euro und verlässt zufrieden den Laden. „Ich habe mich längst an den Geruch gewöhnt", sagt die Stammkundin der MZ-Redakteurin.

Bei anderen älteren Kunden sorgt statt des Geruchs vielmehr der Anblick der vielen Artikel aus längst vergangenen Zeiten, die Noguera in den Aushängekästen des Ladens und auf 80 Quadratmetern Ladenfläche ausgestellt hat, für Nostalgie. Da sind etwa bunte, in Deutschland gefertigte Papierausschnitte, die aussehen wie Sticker, aber nicht kleben. Mit den figuritas, wie sie die Mallorquiner nennen, haben sie sich als Kinder damals die Zeit in den Schulpausen vertrieben. „Jeder hat seine mit der bedruckten Seite nach unten gelegt. Anschließend galt es, so viele wie möglich durch den durch eine bestimmte Handbewegung ausgelösten Windstoß aufzudecken. Heute verwenden sie meine Kunden auch, um Geschenkkisten zu dekorieren", erzählt Noguera.

Auch die traditionellen Papierfiguren und Kleidungsstücke zum Ausschneiden (recorta­bles) kommen bei ihnen nach wie vor so gut an, dass Noguera erst kürzlich selbst welche entworfen hat – darunter Superhelden wie Spiderman, aber auch eine Frau und ein Mann mit typisch mallorquinischer Kleidung und der senalla, einem Korb, um etwa Mandeln einzusammeln. „Die werde ich mir patentieren lassen", sagt Noguera, die in ihrem Geschäft natürlich auch aktuelle Schreibwaren anbietet.

Erst seit Kurzem dort wieder erhältlich sind die Kinderbücher von Juan Ferrándiz (19917–1997). Jedes Buch ist in einer anderen Form gestanzt, die Titelseite ziert jeweils ein zur Geschichte passendes angehängtes Detail, wie eine Glocke oder ein Besen. „Nachdem der Autor verstorben war, wurden sie lange Zeit nicht mehr hergestellt, bis ein anderer Verlag die Produktion und den Vertrieb übernommen hat", erzählt Noguera.

Noguera, die selbst lange im Verlagswesen tätig war, steht kurz vor dem Renteneintritt und sucht gerade nach einem neuen Betreiber für ihre Schreibwarenhandlung. „Es haben sich schon einige gemeldet, aber vor allem Interessenten, die aus dem Geschäft eine Bar oder ein Restaurant machen wollen", bedauert die Besitzerin der papelería. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass es hier auch weiterhin traditionelle Schreibwaren zu kaufen geben wird. Wenn ich dafür etwas länger auf meinen Renteneintritt warten muss, mache ich das", sagt Noguera.

Während die kleinen Schreibwarenläden der Insel nach und nach aussterben, da Kunden im Internet oder bei den großen Ketten kaufen, müsse sich der zukünftige Besitzer der Papelería Minerva eher keine Sorgen machen. „Das Geschäft läuft gut. Die anderen Läden haben die meisten Artikel, die ich hier verkaufe, nicht. Außerdem kann ich es mir erlauben, auch einmal eine Stunde mit einem Kunden zu reden. Diese Spezialbehandlung bekommen sie in einem normalen Kaufhaus nicht", sagt Noguera. Viele Kunden würden das Geschäft auch aufsuchen, weil sie Spezialpapier brauchen, entweder, um Schnittmuster fürs Nähen aufzuzeichnen oder cocas de quartos zu backen. „Das typisch mallorquinische Gebäck kommt in einem speziellen Backpapier in den Ofen", erklärt Noguera.

Erst vor Kurzem hat sich zudem ein ganz besonderer Gegenstand bewiesen, den es früher in jedem mallorquinischen Haushalt gab: der fraile del tiempo, eine wettervorhersagende Mönchsfigur. „Er ist handgemacht und funktioniert mit Pferdemähne, die etwa Feuchtigkeit absorbiert", sagt Noguera. Vor dem Sturmtief Gloria hat seine Hand eindeutig auf Regen gezeigt, er war stark nach vorne geneigt, sodass er sogar die Kapuze aufhatte. „So habe ich ihn noch nie zuvor gesehen", so Noguera.

Carrer Velázquez, 9, Palma, Mo.–Fr. 10–13.30 Uhr, 17–20 Uhr. Sa. 10–13.30 Uhr. Tel.: 618-03 13 63

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